Bau 28.09.2012, 19:54 Uhr

Das energieeffiziente Denkmal

Das historische Bauhausgebäude in Dessau ist energetisch saniert worden. Viele technische Lösungen wurden eingebaut, ohne dass der optische Eindruck beeinträchtigt wurde.

Die Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus in Dessau sind um ihren Arbeitsplatz durchaus zu beneiden. Ihr Büro hatten viele von ihnen bis vor Kurzem im Werkstattflügel des historischen Bauhausgebäudes, in jenem langgezogenen Gebäudeteil mit der ikonischen Glasvorhangfassade, die das Haus zu einem der weltweit bekanntesten Bauwerke der Moderne gemacht hat. Einst haben hier Walter Gropius, Wassily Kandinsky und Paul Klee gewirkt – und wer möchte hier heute nicht arbeiten?

Doch der Aufenthalt in diesen Räumen konnte richtig zur Tortur werden. Da die nach Südwesten gerichtete Fensterfläche nur einfach verglast war und die Stahlprofile keinerlei Dämmung besaßen, war es im Werkstattflügel im Winter trotz kräftigen Heizens eiskalt – und im Sommer brüllend heiß.

Als Walter Gropius 1926 den heute auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes verzeichneten Gebäudekomplex baute, war Energieeffizienz noch eine weithin unbekannte Größe in der Architektur. Die Stiftung, die heute Trägerin des Gebäudes ist, hat sich zur Aufgabe gesetzt, auch in der heutigen Zeit auf der Höhe der Entwicklung der Baukunst und der Bautechnik zu stehen – ganz im Sinne der alten Bauhaus-Meister.

Eine energetische Ertüchtigung des Gebäudes nach dem neuesten Stand der Technik war also überfällig. Und das war nicht nur eine Frage des Komforts. Es ging um Betriebskostensenkungen in einem namhaften Umfang, und natürlich ging es auch um einen Beitrag zum Klimaschutz. Dass der originale Gesamteindruck des Bauhausgebäudes, der in den Jahren seit der Wende sorgfältig wieder hergestellt worden war, nicht unter den Maßnahmen leiden durfte, war eine Selbstverständlichkeit, aber auch ein erschwerender Faktor. Dennoch ist der Stiftung der Nachweis gelungen, dass zwischen Denkmalschutz und einer energetischen Sanierung kein Widerspruch bestehen muss.

Dafür waren Kreativität und innovative Ideen erforderlich – und eine Stange Geld. Das Konjunkturprogramm II der Bundesregierung kam damals zur rechten Zeit. 3,9 Mio. € aus dieser Quelle machten das Projekt möglich, das nun abgeschlossen ist.

Für einige der getroffenen Maßnahmen waren indes große Geldbeträge überhaupt nicht nötig. Das gilt etwa für die Änderungen der Gebäudenutzung. Um die berühmte Glasfassade nicht anrühren zu müssen, wurde der Werkstattflügel weitgehend geräumt. Die Arbeitsräume der Stiftungsmitarbeiter sind nun im Nordflügel des Gebäudes konzentriert, und die Räume hinter der ikonischen Glasfassade sind künftig für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwischenwände und spätere Einbauten wurden entfernt, so dass hier jetzt weitgehend der Originalzustand zu erleben ist.

Nach einem Gesamtkonzept des Berliner Architekten Wilfried Brenne sind zudem eine ganze Reihe an Maßnahmen umgesetzt worden, die auf eine Energieeinsparung von über 30 % abzielten. Weil die Energieverluste vor allem durch die Einfachverglasung und die ungedämmten Stahlprofile der Fenster verursacht wurden, galt den Fenstern in den anderen Gebäudeteilen außer dem Werkstattflügel die höchste Aufmerksamkeit.

In Zusammenarbeit mit hochspezialisierten Handwerksbetrieben in der Schweiz und in den Niederlanden wurden neue Fensterelemente entwickelt, die die Quadratur des Kreises schafften: Die mit glasfaserverstärktem Kunststoff thermisch getrennten Fensterprofile aus warm gewalztem Stahl sind nicht nur extrem gut gedämmt, sondern kommen auch optisch den Originalfenstern von 1926 viel näher als die Fenster, die in den 1970er-Jahren bei einer früheren Renovierung des Gebäudes eingebaut worden waren.

Auch der Öffnungsmechanismus der Fenster ist historisch rekonstruiert worden. „Mit diesen Maßnahmen können wir in den betroffenen Räumlichkeiten 74 % der Heizenergie einsparen“, erklärt Rainer Weisbach, der Leiter der Bauabteilung des Bauhauses.

Auch in die Heizung des Gebäudes wurde kräftig investiert, ohne dabei das Erscheinungsbild der skulpturalen Heizkörper und der Strangführung in den Innenräumen zu verändern. Jeder Heizkörper hat nun einen Regler erhalten, der per Fernsteuerung bedient werden kann. Per Funk wohlgemerkt, denn zusätzliche Kabelleitungen sollten vermieden werden. So lassen sich die Heizzeiten nun für das gesamte Gebäude programmieren. Die Pumpen wurden erneuert und die nicht sichtbaren Heizleitungen isoliert.

Einen zusätzlichen Input leistet eine Photovoltaikanlage, die für zunächst 15 Jahre auf dem Flachdach des Gebäudes errichtet wurde. Die besonders flachen und rahmenlosen Module sind nur vom Dach des erhöhten Ateliergebäudes aus zu sehen, der Anblick von der Straße ist durch die Module nicht beeinträchtigt. Die Stiftung verweist stolz auf die Einspeisevergütung, die sich auf 16 400 € pro Jahr beläuft.

Kosten spart die Stiftung auch durch die Auslagerung ihrer Magazinbestände aus der Geschichte des Bauhauses in ein nahegelegenes ehemaliges Brauereigebäude. Dieses Gebäude wird über eine Mischung aus Solar- und Bioenergie beheizt oder gekühlt. Das Gebäude mit seinen 150 cm dicken Wänden bietet an sich schon ein sehr konstantes Raumklima. Solarpaneele auf dem Dach und zwei Biomassekessel sorgen für die nötige zusätzliche Kühlung und Heizung.

„Das Fantastische an diesen energetischen Energiemaßnahmen ist, dass man nichts sieht – und doch ein Drittel der Gesamtheizkosten einspart“, freut sich Rainer Weisbach. Und der Umbau am Bauhaus geht noch weiter, wie er ankündigt: „Nach dem Fokus auf die Heizkosten werden wir uns als nächstes die Stromkosten vornehmen. Auch hier werden wir uns unsere Verhaltensweisen genau ansehen. Wir möchten eine Reihe von Geräten einsparen, die wir nicht wirklich brauchen. Und es wird auch technische Lösungen geben, zum Beispiel den Einbau von Bewegungsmeldern bei der Beleuchtung.“ JOHANNES WENDLAND

 

Von Johannes Wendland

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