Bau 09.03.2001, 17:28 Uhr

Brückenprüfung in engem Zeitraster

Am 4. März stürzte im Norden Portugals östlich von Porto eine Stahlbrücke in den Douro. Das Fundament eines Pfeilers hatte versagt. 77 Menschenleben sind zu beklagen. Um solchen möglichen Katastrophen zu begegnen, werden Straßenbrücken in Deutschland in engem Zeitraster untersucht.

Ein Alptraum für jeden Verkehrsteilnehmer: Beim Betreten oder Befahren einer Brücke gibt die Konstruktion nach und stürzt ein. Nach dem verheerenden Unglück östlich der portugiesischen Stadt Porto, wo eine 115 Jahre alte Stahlbrücke über den Fluss Douro einstürzte und 77 Menschen in den Tod riss, werden Fragen laut, wie es überhaupt um die Sicherheit von Straßenbrücken steht. Schließlich stürzten – so Dipl.-Ing. Wolfgang Prehn, Leiter des Bereichs Konstruktiver Ingenieurbau des Landesbetriebs NRW, Köln – in den USA jährlich etwa 30 bis 40 Brücken ein. In Deutschland habe aufgrund von Alterung aber noch nie eine Brücke versagt. Der Grund: die hier geltenden Prüfvorschriften.
Die Wartung der Straßenbrücken in Deutschland regelt die Norm DIN 1076. Hiernach gibt es alle sechs Jahre eine „Hauptprüfung“ unter Einsatz von Besichtigungsgeräten, jeweils drei Jahre danach eine „Einfachprüfung“, in der Regel ohne Geräteeinsatz. Zwischen „Hauptprüfung“ und „Einfachprüfung“ steht jährlich eine „Besichtigung“ an, begleitet von drei „Beobachtungen“ (Begehung) im Jahr. Für die alle sechs Jahre stattfindende Brücken-Hauptprüfung setze der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, der 9642 Brücken betreut, in Köln und Münster je sechs Prüftrupps ein, erläutert Prehn. Bei dem entsprechenden Personal handele es sich ausschließlich um ausgebildete Fachleute des konstruktiven Ingenieurbaus. „Alle tragenden Teile, einschließlich kleinster Details, kommen bei der Hauptprüfung unter die Lupe,“ betont Prehn, gleichgültig ob es sich um eine Stahlbrücke, Stahlbeton- oder Spannbetonbrücke handele. Auch Brückenteile, die der Verkehrssicherheit dienen, würden genauestens untersucht.
Zur „Einfachprüfung“ stehen ebenfalls erfahrene Brückenbauer zur Verfügung. Bei der jährlichen „Besichtigung“ überprüfen Straßenmeistereien die Brücken, wobei mindestens ein Techniker anwesend sein muss. Darüber hinaus inspiziert drei Mal im Jahr der Streckendienst die Bauwerke in Form der „Beobachtung“.
Bei der Douro-Brücke im Norden Portugals hatte das Hochwasser des Flusses einen der Pfeilerfundamente unterspült, so dass der entsprechende Pfeiler einstürzte und einen 80 m langen Teil der Stahlbrückenkonstruktion 50 m tief in die Fluten des Flusses riss. „Um solchen Gefahren hier zu begegnen, wird bei entsprechenden Brücken die Flusssohle im Bereich der Pfeiler vermessungstechnisch erfasst,“ erläutert im Kölner Landesbetrieb Dipl.-Ing. Bernhard Hebborn, unter anderem zuständig für die Brückenprüfung. Das geschehe im Rahmen der „Hauptprüfung“. Im Falle einer Auskolkung würden Gegenmaßnahmen ergriffen.
Der gewissenhaften Überprüfung deutscher Brücken ist es also zu verdanken, dass mit Ausnahmen einer Autobahnbrücke in Duisburg-Wedau noch nie ein Überführungsbauwerk unter Verkehr einstürzte. Die Tragik bei dem Duisburger Unglück: Auf der Autobahn A3 hatte am 21. Februar 1979 ein Schwerlasttransporter einen Brückenträger gerammt. Die Brücke stürzte ein und begrub drei Fahrzeuge unter sich. Bei dem Unglück starben acht Menschen. Ansonsten gab es in Deutschland nur Brückeneinstürze im Rahmen von Bauarbeiten, wobei allerdings auch Menschenleben zu beklagen waren. ELMAR WALLERANG

  • Elmar Wallerang

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