Bau 24.11.2000, 17:27 Uhr

Bloß dicht halten!

Würden alle Altbauten in Deutschland mit modernen Fenstern ausgerüstet werden, könnten jährlich 168 Mio. t CO2 eingespart werden – rund ein Fünftel der gesamten deutschen CO2-Fracht.

Bei den Klimaverhandlungen in Den Haag standen in den letzten zwei Wochen der sparsame Umgang mit Energie und die Suche nach Wegen, „schmutzige Energie“ aus Kohle und Öl einzusparen, im Mittelpunkt. Der Ruf nach nachhaltigem Wirtschaften fehlt mittlerweile in keiner Rede eines Umwelt- oder Wirtschaftspolitikers. Die Suche nach wirksamen Maßnahmen freilich ist weit schwieriger.
Manches liegt näher, als man glaubt, und benötigt gar keine großen technischen Entwicklungen. Darauf weist die Bonner Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt (AgPU) hin. Würde man den Gebäudebestand in Deutschland mit Fenstern ausrüsten, die in ihrer Wärmeschutzleistung dem heutigen Standard entsprechen, könnten pro Jahr 55 Mrd. kWh eingespart werden, bei noch besser dämmenden Fenstern nach dem Passivhausstandard gar 77 Mrd. kWh. Das ist die Energie, die neun Großkraftwerke mit je 1000 MW Leistung im Dauerbetrieb erzeugen. Auf Europa hochgerechnet, lägen die Einsparpotentiale bei 294 bzw 411 Mrd. kWh – 411 Mrd. kWh entsprechen rund 50 Mio. t Heizöl und rund einem Fünftel der Erdölfördermenge in Europa.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Prüfinstitut für Bauelemente (PIB), Pirmasens, im Auftrag der AgPU durchgeführt hat. „Dieses riesige Sparpotential“, so der Autor Stefan Friedrich, „wird noch viel zu wenig genutzt.“
Dass man Fenster unter ökologischen Aspekten bewertet, ist eine recht neue Entwicklung. „Erst mit der 3. Wärmeschutzverordnung von 1995 begann ein Wettlauf um den besten k-Wert“, so Friedrich. In den Jahren zuvor wurden Profile in erster Linie nach ihrer Stabilität, nach Material und Kosten optimiert. Die 2. Wärmeschutzverordnung von 1985 führte zur Entwicklung gut dämmender Zweischeiben-Isoliergläser.
Entsprechend dramatisch hat sich innerhalb kurzer Zeit der erreichbare k-Wert – Messgröße für den Wärmedurchgang – verändert. Lag das Standardfenster 1980 noch bei einem k-Wert von 2,5 bis 3, liegt es heute bei 1,2. Fenster nach Passivhausstandard, deren Profile mit Dämmstoff ausgeschäumt sind und die eine 3-fach-Verglasung haben, erreichen gar einen k-Wert von unter 0,7. Das trug neben besseren Heiztechniken dazu bei, dass zwischen 1980 und heute trotz wachsender Zahl von Wohneinheiten der Endenergieverbrauch der deutschen Haushalte nur wenig gestiegen ist.
Was wäre, wenn alle Wohngebäude hierzulande optimal dämmende Fenster hätten? Für die Untersuchung hat Friedrich unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Gebäude, des Sanierungszustands und der jeweiligen Fensterstandards einen mittleren kR-Wert der Fensterprofile bzw. kF-Wert der Fenster errechnet und mit der Entwicklung der Fensterprofile verglichen.
Ergebnis: Die meisten Fenster in deutschen Häusern sind über 20 Jahre alt, rund 60 % des Altbaubestandes in Ostdeutschland und 24 % in Westdeutschland sind unsaniert. Der mittlere k-Wert liegt laut Friedrichs Berechnungen bei 2,1. Obwohl in Ostdeutschland seit der Wende zahlreiche Gebäude saniert wurden, haben erst 40 % der Wohnungen moderne Fenster.

Superdämmende Fenster haben bisher keinen Markt

Passivhäuser, deren Energiebedarf rund 75 % unter dem eines normalen Hauses liegt, spielen trotz aller Förderprogramme und Vorzeigeprojekte nach wie vor kaum eine Rolle. Fenster nach Passivhausstandard haben in Deutschland einen Marktanteil von 1 %. Außerhalb Deutschlands gar sind Passivhäuser lediglich im kalten Skandinavien überhaupt ein Thema. Das werde mit der seit langem ankündigten Energieeinsparverordnung anders. „Die in der Energiesparverordnung vorgesehenen Anforderungen würde kaum eines der heute gängigen Standardfenster erfüllen“, so Friedrich.
Aber man muss nicht gleich nach den Sternen greifen. Im Wohnbereich könnten rund 7 Mrd. kWh allein durch den Einsatz heute gängiger Fensterprofile mit k-Werten unter 1,6 eingespart werden. Das entspreche der Energie, die ein rund um die Uhr laufendes Großkraftwerk mit 1000 MW produziert. Damit könnten allein in Deutschland jährlich 5 Mio. t CO2 eingespart werden. Legt man Fenster mit k-Werten von 1,1 zu Grunde, wie sie laut Friedrich in wenigen Jahren Standard sein werden, und rechnet die Dämmwirkung durch Zweischeibenisolierglas dazu, liegt die Einsparung bei 29 Mrd. kWh, inklusive Industrie- und Verwaltungsgebäuden gar bei 55 Mrd. kWh.
Außerhalb Deutschlands wäre durch bessere Fenster noch mehr Energie einzusparen. Die in den übrigen Ländern Westeuropas eingebauten Fenster haben eine Wärmeschutzwirkung, die schätzungsweise 10 % unter dem Durchschnitt in Deutschland liegt. Laut PIB liegt das Energiesparpotential in den europäischen Nachbarstaaten 2,5 mal höher als hierzulande.
Seit Energie auch in einigen Ländern Osteuropas einen Marktpreis hat, boomt der Fensterexport, beispielsweise in die Türkei, nach Polen und Tschechien. Für Osteuropa (ohne Russland) errechnete das PIB bei den Haushalten ein Energieeinsparpotential von rund 8 Mrd. kWh. Die maximale Einsparung durch moderne Fenster in West- und Osteuropa zusammen beträgt 294 Mrd. kWh bei Fenstern mit zukünftigem Standard und 411 Mrd. kWh bei Fenstern mit Passivhausstandard. Das entspricht der Leistung von 33 bzw. 47 1000-MW-Kraftwerken.
Dabei ist es übrigens egal, aus welchem Material die Profile gefertigt sind. Ob Kunststoff oder Holz – für die Wärmedämmung macht das keinen Unterschied. „Holzprofile erreichen die gleichen k-Werte wie PVC-Profile“, so Friedrich.
Noch wissen wenige Architekten und Handwerker Bescheid über die ökologischen Vorteile moderner Fenster. Energieeinsparung und Klimaschutz müssen zum Verkaufsargument für Handwerker und Architekten und auch zum Argument für Vermieter werden, fordern PIB und AgPU. Die möglichen Kostenersparnisse für die Bewohner sind nicht von der Hand zu weisen. Bei einer durchschnittlichen 3-Zimmer-Wohnung mit 85 m2 könnten pro Jahr 125 DM eingespart werden, rechnet AgPU-Geschäftsführer Werner Preusker vor. Über ihre Lebensdauer sparen die Fenster ihren Anschaffungswert also durch die Energieeinsparung wieder ein. Dabei geht die Amortisation umso schneller, je mehr sich Energie in Zukunft verteuert. CHRISTA FRIEDL

Von Christa Friedl

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