Messe Bau 2011 14.01.2011, 19:51 Uhr

Bauunternehmen kommen glimpflich aus der Krise

Anbieter der jetzt in München beginnenden Baustoffmesse haben vornehmlich den europäischen Baumarkt im Visier. Während die Flaute im Hochbau zum Teil noch anhält, setzen Tiefbauaktivitäten und Maßnahmen im Gebäudebestand Akzente für eine beginnende Baukonjunktur in Europa. Nach Expertenmeinung soll das Bauvolumen vor allem in 2012 wachsen.

Zum Start der vom 17. bis 22. Januar 2011 in München stattfindenden Branchenmesse „Bau“ hat Europas Bauwirtschaft die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise weitgehend überwunden und wird sich weiter stabilisieren. Wachstumsraten, wie sie vor der Rezession erzielt wurden, sind jedoch nicht vor 2012 zu erwarten. Zu diesem Ergebnis kommen die in der Euroconstruct-Gruppe zusammengeschlossenen Forschungs- und Beratungsinstitute aus 15 west- und vier mitteleuropäischen Ländern in ihrer jüngsten Prognose.

Die Euroconstruct ist der Auffassung, dass nach dem desaströsen Jahr 2009 und einem kaum besseren 2010 die europäische Bauwirtschaft jetzt wieder in Fahrt kommt. Deutschland litt in Europa am wenigsten unter dem Einbruch der Baukonjunktur und hat im Rahmen des jetzt zu erwartenden Aufschwungs auch beste Aussichten.

Die globale Wirtschaftskrise traf die europäische Bauwirtschaft vor allem im vorletzten Jahr. Ursache: der heftige Einbruch im Wohnungsbau. So bezeichnen die Euroconstruct-Experten 2009 als „das schlimmste Jahr seit mehr als zehn Jahren“.

Der dramatische Nachfrageeinbruch im Hochbau, insbesondere im Wohnungsbau, führte im Jahr 2009 zu einer Schrumpfung des europäischen Bauvolumens um 8,4 % auf ca. 1400 Mrd. €. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt aller Euroconstruct-Länder sank im Krisenjahr „nur“ um durchschnittlich 4 %. „Mit Ausnahme der Schweiz und Polens ging die Bautätigkeit in allen Ländern Europas zurück,“ so die Euroconstruct-Experten. Deutschland sei mit einem Minus von 1,2 % noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Spanien (-21,5 %) und Irland (-32,2 %) habe es härter getroffen. „Hier wurde in der zurückliegenden Boomphase weit über den Bedarf hinaus gebaut,“ kritisieren die Fachleute.

Aber nicht nur Bauwillige in Spanien und Irland hatten sich verkalkuliert. „2009 brach in ganz Europa der Wohnungsneubau um durchschnittlich 22,5 % ein“, so die Erhebung. Und die Entwicklung in diesem Bereich der Bauwirtschaft sei noch nicht abgeschlossen. Euroconstruct prognostiziert, dass sich das Wohnungsbauvolumen zum Beispiel in Spanien und Irland zwischen 2008 und 2012 gar halbieren werde.

In der Hoffnung auf schnellen Wertzuwachs hatten sich in Europa – vor allem in Spanien und Irland – tatsächlich viele Haushalte mit dem Kauf von Immobilien übernommen. „Bis dann die Blase platzte und der Boom ein plötzliches Ende nahm,“ resümieren die Euroconstruct-Forscher. So werde der Wohnungsneubau in den meisten europäischen Ländern noch bis mindestens 2012 auf dem Rückzug sein.

Deutschland gehöre hingegen zu den wenigen europäischen Staaten, die in den kommenden Jahren in dieser Bausparte mit einer leichten Belebung rechnen könnten. Euroconstruct rechnet für Deutschland mit einer Wachstumsrate von etwa + 4 %.

Aber auch der Gewerbe- und Verwaltungsbau brach 2009 europaweit ein, und zwar insgesamt um 9,7 %. Ein moderates Wachstum im europäischen Durchschnitt gab es nur im Tiefbau. Hier registrierte Euroconstruct eine Wachstumsrate von immerhin 1,7 %. Mithin verschieben sich jetzt in Europa die Gewichte unter den drei Bausparten Wohnungsbau, Gewerbe-/Verwaltungsbau und Tiefbau. Während der Anteil des Tiefbaus am gesamten Bauvolumen bis 2012 von 22 % im Jahr 2008 auf 25 % wachsen werde, sollen – so die Spezialisten – Wohnungsbau sowie Gewerbe- und Verwaltungsbau an Boden verlieren.

Maßnahmen im Gebäudebestand, die sich in der Vergangenheit als äußerst krisenresistent erwiesen und in vielen europäischen Ländern durch Sanierungsprogramme auch noch zusätzlich stimuliert wurden, hätten den Abwärtstrend beim Wohnungsbau nicht stoppen können, konstatiert Euroconstruct. Das Geschäft mit der Gebäudesanierung kippte 2009 um rund 3 % ins Minus. Allerdings dürften in den kommenden Jahren gerade die Sanierungsmaßnahmen im Wohnungsbau die Bauaktivitäten wieder ankurbeln, räumen die Experten ein. Aufgrund des bereits hohen Volumens blieben die jährlichen Wachstumsraten allerdings bei 1 % bis 2 %.

So bescherte das alte Jahr den 19 Euroconstruct-Ländern bei den Bauaktivitäten insgesamt noch einen leichten Rückgang. Die Berater errechneten ein Minus von 2,2 %. Aber bereits mit Beginn des Jahres soll es am Bau wieder aufwärts gehen. Euroconstruct prognostiziert ein Wachstum von +1,6 %.

Die Baustoffmesse Bau, die in der Branche traditionell als wichtiges Konjunkturbarometer gilt, könnte in diesem Jahr mit ihren ausgebuchten Hallen und mehr als 210 000 zu erwartenden Besuchern die Stimmung gar weiter aufhellen, hofft die Messe München. Immerhin ist sich Euroconstruct sicher: „Im Jahr 2012 wird das europäische Bauvolumen mit einem Plus von 2,5 % wieder stärker wachsen als das Bruttoinlandsprodukt.“

Global betrachtet bieten die 19 europäischen Euroconstruct-Staaten immer noch den größten zusammenhängenden Baumarkt. Er erreicht ein Volumen von rund 1400 Mrd. €. Auf nationaler Ebene hinken jedoch ausgerechnet die führenden europäischen Baunationen, die sogenannten „Big-Five“ (Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich) den weltweit größten Baumärkten hinterher. Das sind die USA mit einem Volumen von 1235 Mrd. € (950 Mrd. $), Japan mit 943 Mrd. € (725 Mrd. $) und China mit 660 Mrd. € (508 Mrd. $). Ein seit über einem Jahrzehnt andauerndes, jährlich zweistelliges Wachstum habe China – so Euroconstruct – auf Platz drei der weltweit größten nationalen Baumärkte katapultiert.

„Die massive Präsenz chinesischer Bauunternehmen in Afrika ließ das internationale Bauvolumen in dieser Region auf über 65 Mrd. € (50 Mrd. $) steigen,“ so die Umfrage. Bauunternehmen aus der Türkei seien im europäischen Vergleich mittlerweile in Asien sowie im Nahen und Mittleren Osten Marktführer.

Auch die Messe Bau ist ein Indikator für die Internationalisierung des Baumarkts. Beispiel: die stetig wachsende Zahl internationaler Besucher. Im Jahr 2003 reisten rund 27 000 ausländische Besucher aus 100 Ländern zur Bau nach München, 2009 waren es bereits über 37 000 Ausländer. Sie kamen aus 151 Staaten. Dieser Trend werde sich – so die Messe München – aller Voraussicht nach auf der Bau 2011 fortsetzen.

ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang

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