Bau 06.06.2008, 19:35 Uhr

Bauen für den Ball  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 6. 08, sta – In fast genau zwei Jahren ist Südafrika Gastgeber der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf dem „Schwarzen Kontinent“. Dann blickt die Welt auf zehn Arenen in neun Städten, in denen insgesamt 64 Spiele stattfinden. Die größte Sportveranstaltung auf dem Globus nach den Olympischen Spielen ist auch eine Leistungsschau deutscher Ingenieurskunst. Denn in den meisten Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft steckt deutsches Know-how.

Michael Wolf steigt anderen gern aufs Dach. Genauer: Aufs Stadiondach. Er sorgt dafür, dass Fußballfreunde in aller Welt ihre Mannschaft im Trockenen anfeuern können. Aktuell setzt der Projektleiter der bayerischen Hightex GmbH dem größten Fußballtempel Afrikas die Krone auf: Er umspannt die „Soccer City“ von Johannesburg mit einer doppellagigen Membrane. Am Ende der Installation soll das gigantische Stadion – eine Erweiterung der bisherigen FNB-Arena – an einen afrikanischen Tontopf erinnern. Ziel ist es, einen Bogen zur kulturellen Tradition des Kontinents zu schlagen. Die dazu verwendete Hightech-Textilie stammt von der Verseidag-Indutex GmbH aus Krefeld.

Die Baustelle von Soccer-City liegt an der Grenze zu Soweto, dem South Western Township. Für alle Arbeiter gelten strenge Bekleidungsregeln. Trotz zuweilen fast unerträglicher Temperaturen sind nackte Oberkörper oder leichte Schuhe tabu. Für Freizügigkeiten oder Disziplinlosigkeiten ist das Projekt schlicht zu groß: Das Stadion – Schauplatz des Eröffnungs- und Finalspiels – soll einmal 96 000 Fußballfans beherbergen. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Gütersloh oder Schwerin. Dagegen ist sogar das größte deutsche Stadion, das Olympiastadion in Berlin, vergleichsweise klein. Es bietet „nur“ 74 000 Personen Platz.

Aktuell wird das Dach des Mega-Stadions nach Südafrika verschifft. „Die 350 m2 bis 450 m2 großen Einzelteile der Membran sind in 40-Fuß-Containern unterwegs“, so Wolf. Sobald sie an ihrem Bestimmungsort angekommen sind, fliegt er hinterher. Seine Prognose: „Ende Dezember sind wir fertig.“

Sehr viel mehr Zeit haben die Ingenieure auch nicht. Schon im Juni 2009 sollen hier Spiele des Confederations-Cup stattfinden. Dann treffen die aktuellen Meister der sechs Kontinentalverbände sowie der amtierende Weltmeister und der Gastgeber aufeinander. Dieses Turnier simuliert die Abläufe in den Stadien unter realen Bedingungen. Es soll dem Land und dem Fußball-Weltverband FIFA ein realistisches Bild von dem liefern, was schon klappt und was noch verbesserungswürdig ist.

Aus heutiger Sicht dringend verbesserungswürdig scheint zunächst das Gewaltproblem in den Schwarzenvierteln des Landes. Der jüngst aufgeflammte Fremdenhass gegen Einwanderer aus den Nachbarstaaten hat Erinnerungen an schlimmste Apartheid-Zeiten hervorgerufen. Es kamen Zweifel auf, ob Südafrika überhaupt reif für die Fußball-Weltmeisterschaft ist.

Das Land ist bemüht, diese Zweifel zu zerstreuen. So sollen allein 120 Mio. € in die Sicherheitsinfrastruktur investiert werden. Die Mittel fließen u.a. nach Kapstadt. Schon jetzt werden dort neuralgische Plätze mit gut 250 Kameras überwacht. Bis zum nächsten Jahr sollen es schon doppelt so viele sein. Die Polizei zeigt sich immer öfter präsent – ob zu Fuß, zu Pferd, auf dem Fahrrad oder mit dem Auto. Sogar die Fahrt mit einem der gelb-grau gestrichenen Vorortzüge ist kein Himmelfahrtskommando mehr. Sicherheitspersonal sorgt an Bord für Ordnung. Und selbst an der früher so berüchtigten Seapoint-Promenade kann man sich wieder unbekümmert aufhalten – zumindest tagsüber. Spaziergänger genießen dort den anbrandenden Atlantischen Ozean. Er sorgt für einen salzigen Geschmack auf der Zunge.

In Mitten der Millionenmetropole, am Fuße des Tafelbergs, ziehen derweil knapp 20 Turmdrehkräne das neue Greenpoint Stadium in die Höhe. Die Multifunktionsarena mit 68 000 Plätzen wird das bisherige Oval an der Victoria and Alfred Waterfront ersetzen. Die Baupläne stammen aus dem Berliner Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP).

Vor wenigen Wochen, exakt ein Jahr nach dem ersten Spatenstich, legte Kapstadts WM-Beauftragter Ian Neilson einen Teil der Pläne offen, wie sich Kapstadt zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 präsentieren möchte. Unter anderem versprach er eine Fan-Meile für Fußball-Touristen – analog zur erfolgreichen Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. „Sie verläuft vom alten Rathaus bis hinunter in das Vergnügungsviertel direkt am Hafen.“

Ein aus Ingenieursicht besonders interessantes Stadion entsteht derzeit in der Industrie- und Hafenstadt Durban am Indischen Ozean. Die Entwürfe stammen wieder aus der Feder von GMP. Maßgeblich an der Ausführung beteiligt sind die Bau-Berater von Schlaich, Bergermann und Partner (SBP). Die Stuttgarter erklären die Architektur: „Das New Durban Stadium wird in Spielfeldlängsrichtung durch einen Bogen überspannt, der die vertikalen Lasten und Vorspannkräfte des Membrandaches abträgt. Die horizontalen Kräfte aus Vorspannung des Seiltragwerks werden durch zwei horizontale Bögen kurzgeschlossen, die gleichzeitig die Außenkante des Stadiondaches definieren. Diese sind auf teils senkrechten, teils geneigten Fassadenstützen mit variierender Höhe aufgelagert.“ Die Spannweite des Bogens betrage 340 m, sein Scheitelpunkt liege in 100 m Höhe über dem Erdboden. Ein besonderer Clou: Der Bogen soll von einer Seite aus begehbar sein.

In der ganz im Süden Südafrikas gelegenen Port Elizabeth wird derzeit das nagelneue Nelson-Mandela-Bay-Stadium gebaut. Die Arbeiten begannen im April 2007. Abgeschlossen sein sollen sie schon vor dem Confed-Cup, also in spätestens einem Jahr. Dann sollen bis zu 47 000 Fußballfans einen Sitzplatz vorfinden. Kann dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden? Immer wieder waren Zweifel laut geworden. Herausposaunt hatte sie u.a. das offizielle Tourismus-Ministerium des Landes.

Was nach einem Eigentor klingt, hat wohlüberlegte Ursachen: Hinter den Kulissen geht es um Macht und Einfluss darüber, wer sich später im Glanz der neuen Arena sonnen kann – bzw. wem bei Misserfolg der Schwarze Peter zugeschoben wird. Zuletzt sind die Zweifler allerdings verstummt. Anfang Mai stellte der Fußball-Welt-Dachverband FIFA fest, dass er an die rechtzeitige Fertigstellung des Stadions glaube.

Michael Wolf von Hightex gibt sich ebenfalls entspannt. Er ist weiterhin davon überzeugt, dass auch das Projekt „Soccer City“ im Zeitplan liegt. Vielleicht sitzt er gerade im Flugzeug Richtung Johannesburg. Dabei denkt er bestimmt bereits über neue Dachbauten in Südafrika nach. Kapstadt ist eine Option. Der Auftrag für die Bedachung der Arena am Fuße des Tafelbergs ist nämlich noch nicht vergeben.

OLIVER BERGER/sta

FIFA-WM in Südafrika

Das Turnier findet statt vom 11. Juni bis 11. Juli 2010. 32 Nationen nehmen teil. Spiele finden in zehn Stadien statt. Zwei stehen in Johannesburg, jeweils eins in Kapstadt, Durban, Port Elizabeth, Bloemfontein, Pretoria, Polokwane, Nelspruit und Rustenburg. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut Bewerbungsunterlagen Südafrikas auf 825 Mio. $. Über 50 % dieses Betrags soll durch den Verkauf von Eintrittskarten gedeckt werden.

Die wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen sind: Erweiterung der Internationalen Flughäfen Johannesburg, Kapstadt und Durban sowie mehrerer Regionalflughäfen. Außerdem wird eine Schnellzug-Verbindung vom Flughafen Johannesburg in die City (mit späterer Weiterführung nach Pretoria) gebaut. ob

Verteilt über das ganze Land: Die insgesamt neun Austragungsorte der FIFA-WM 2010 in Südafrika.

Von Ob

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