Bau 27.04.2007, 19:27 Uhr

Baubranche blickt optimistisch in die Zukunft  

VDI nachrichten, Mainz, 27. 4. 07, rok – Der Aufschwung in der Bauindustrie war nicht nur ein Zwischenhoch, sondern wird sich nach Überzeugung der Experten auch in diesem Jahr fortsetzen. Als Motor des Aufschwungs sieht die Branche vor allem den Wirtschaftsbau – an der Spitze das Verarbeitende Gewerbe sowie die Handels- und Logistikunternehmen.

Die deutsche Bauindustrie hat nach zehn Jahren der Krise erstmals wieder die Chance, auf einen moderaten Wachstumspfad einzuschwenken“, betonte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Hans-Peter Keitel, auf dem diesjährigen Bautechnik-Tag am 19.4. in Mainz.

Die Stimmung in der Branche mit ihren 1,8 Mio. Arbeitsplätzen ist gut: Laut der Frühjahrsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gehen 87 % der Bauunternehmen von einer guten oder befriedigenden Geschäftslage aus. Jedes fünfte Unternehmen erwartet sogar eine Verbesserung. 61 % der Unternehmer rechnen damit, dass das gute Niveau sich hält. Nach Keitels Angaben stiegen die Umsätze von 2005 bis 2006 um 9,2 %. Für 2007 erwartet der Vorstandsvorsitzende von Hochtief eine weitere Umsatzsteigerung von 3,5 %.

Der Aufschwung habe mittlerweile auch den Bauarbeitsmarkt erreicht, so Keitel. Innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl der arbeitslosen Bauingenieure auf 6000 halbiert. Im Januar diesen Jahres habe die Zahl der Beschäftigten 4,7 % über dem Vorjahresniveau gelegen. Für Ende 2007 prognostiziert der Experte rund 30 000 neue Arbeitsplätze.

Als Motor des Aufschwungs sieht Keitel vor allem den Wirtschaftsbau – an der Spitze das Verarbeitende Gewerbe sowie die Handels- und Logistikunternehmen. Hier sind die Umsätze überdurchschnittlich um 11,7 % gestiegen. Impulse hat nach seinen Worten im Jahr 2006 aber auch der Wohnungsbau geliefert. Für Umsatzsteigerungen von 10,2 % haben in diesem Bereich ebenso das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung gesorgt wie die drohende Abschaffung der Eigenheimzulage und Vorzieheffekte aus der Mehrwertsteuererhöhung.

Hohe Erwartungen knüpft der HDB-Präsident an den Logistiksektor. „Er wird sich zu einer Konjunkturlokomotive entwickeln“, betont Keitel mit Blick auf Großprojekte wie den Ausbau des Frankfurter Flughafens oder die Erweiterung des Hamburger Hafens. Aber auch der Energiesektor wird nach Keitels Einschätzung durch die geplante Erweiterung von Kraftwerkskapazitäten und den Ausbau erneuerbarer Energien der Bauwirtschaft Rückenwind geben. Gefragt seien auch die Kommunen. Bei Bauaufgaben der öffentlichen Hand sieht der Fachmann die Zukunft in Public-Private-Partnership-Modellen. 51 PPP-Projekte sind nach seinen Angaben bereits im Hochbaubereich vergeben. 145 weitere mit einem Investitionsvolumen von 5 Mrd. € seien in Vorbereitung.

Trotz guter Prognosen sorgt sich die Branche jedoch um ihren Nachwuchs. Hier seien, so Keitel, „die Lieferzeiten zu lang“. 6000 Studienanfänger gab es 2006 im Bauingenieurwesen. Fast 50 000 Ingenieursstellen aller Disziplinen konnten nach Angaben des Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, im gleichen Jahr nicht besetzt werden. Es fehle, so Hüther, ein kompletter Jahrgang. „Wir haben einen offensichtlichen Fachkräftemangel“, sagt der IW-Direktor. Vor diesem Hintergrund fordert der Vorsitzende des Deutschen Beton- und Bautechnikvereins (DBV), Klaus-Dieter Ehlers, eine Strategie zur Nachwuchssicherung, die bereits an den weiterführenden Schulen ansetzt, eine Qualitätsoffensive mit einem klaren Wertemanagement und eine stärkere Förderung von Forschung und Entwicklung. Im Wettbewerb um die klügsten Köpfe will auch Keitel den Beruf des Bauingenieurs wieder attraktiver machen: „Es muss uns gelingen, das Image der Bauwirtschaft als Low-Tech-Branche zu überwinden.“ JUTTA WITTE

Der Wirtschaftsbau gibt Anlass zu Hoffnung

Von Jutta Witte

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