Bau 15.02.2002, 17:32 Uhr

Bauamt genehmigt Bauplan via Internet

Statt Aktenberge aus Papier verwaltet das Bauamt der Stadt Esslingen/Neckar die Baugenehmigungsverfahren künftig digital. Das vom Fraunhofer Institut und einem Software-Unternehmen entwickelten, vom BMWi geförderten und jetzt in Berlin vorgestellte Verfahren soll das Genehmigen von Bauten vereinfachen.

Mit einem Baugenehmigungsverfahren hat fast jeder Bürger einmal zu tun, ob er den Bau eines Hauses plant oder sich schlicht nur über die Umgehungsstraße in der Nachbarschaft informieren will. Wer sich freilich als Laie einmal im Rathaus mit den komplizierten Papierplänen herumgeschlagen hat, stellt schnell fest, dass eigentlich nur Fachleute die Flächennutzungspläne, Bebauungspläne und Baupläne verstehen. Um nun aber das Erteilen einer Baugenehmigung zu vereinfachen, hat MediaKomm in Esslingen am Neckar ein virtuelles Bauamt geschaffen, das den gesamten Baugenehmigungsprozess vom Antrag bis zur Genehmigung virtuell unterstützt.

Media@Komm ist zurzeit das bedeutendste Multimedia-Fördervorhaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Ziel ist das Erforschen und Entwickeln von elektronischen Verwaltungsdiensten einschließlich elektronischer Signatur für den Bundes-, Landes- und den kommunalen Bereich (e-Government).

Im digitalen Bauamt wird das Papier-original von einem digitalen Original ersetzt. Mithin ist jetzt erstmals die Erteilung einer Baugenehmigung über das Internet möglich. Entwickelt wurde die „Digitale Baugenehmigung“ vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und dem Münchner Software Unternehmen Conject AG.

„Sie können sich nicht vorstellen, welche gewaltigen Aktenberge allein bei einem mittleren Baugenehmigungsverfahren bewegt und letztlich archiviert werden müssen“, so Dr. Jürgen Zieger, Oberbürgermeister der Stadt Esslingen/Neckar auf der vom 6. bis 10. Februar in der Hauptstadt veranstalteten Berliner Build IT, einer Fachmesse für Informationstechnologie und Kommunikation. Beim gegenwärtigen Baugenehmigungsverfahren werde vor allem eins „umgeschaufelt“: Unmengen von Papier. „Die Bauvorlagen müssen nämlich immer in Papierform erstellt und von der Bauverwaltung mit Unterschrift und grünem Stempel genehmigt und archiviert werden“, erläutert Zieger. Der Oberbürgermeister war eigens vom Neckar an die Spree gereist, um mit Siegmar Mosdorf, Parlamentarischem Staatssekretär beim BMWi, den „Startschuss zur Nutzung der elektronischen Signatur im Online-Baugenehmigungsverfahren“ zu geben. Allerdings handelt es sich noch um ein auf Esslingen beschränkten Pilotprojekt.

Zwar haben schon heutzutage die Bauämtern vieler Kommunen eine Arbeitsplatz-Software, doch die Kommunikation und der Datenaustausch zwischen Antragsteller und den bis zu dreißig beteiligten Ämtern wird nicht unterstützt. Die Unterlagen werden wie eh und je nacheinander abgearbeitet und hin- und hergesandt. Änderungen und Ergänzungen sind fast immer umständlich vorzunehmen. Die Dauer des Genehmigungsverfahrens zieht sich in die Länge und – schlimmer noch: Weder das federführende Amt noch der Antragsteller kann sich zu jeder Zeit über den genaue Bearbeitungsstand in Kenntnis setzen.

Für die digitale Baugenehmigung wurden so genannte Projektmanagement-Plattformen geschaffen. Jeder am Bauvorhaben Beteiligte kann mit einem internetfähigen Computer in einem virtuellen „Büro“ arbeiten. In diesem Büro können beispielsweise der Architekt, der Vermessungsingenieur, die Feuerwehr und das Denkmalamt gemeinsam auf Dokumente zugreifen, sie bearbeiten und die gesamte Kommunikation führen, und zwar aktuell und parallel. Mit Hilfe der elektronischen Signatur lassen sich individuelle Zugriffs-, Lese- und Schreibrechte kontrollieren und signieren. Alle Daten eines Bauvorhabens werden dabei in einem digitalen Arbeitsbereich verwaltet. Die Mitarbeiter des federführenden Amts haben zudem die Möglichkeit, den Genehmigungsprozess zu steuern, und der Antragsteller kann jederzeit den Bearbeitungsstatus abfragen und somit letztlich den Baubeginn konkretisieren.

Sonnige Zeiten für die Bürgerbeteiligung bei Bauvorhaben der Zukunft? Es ist zu vermuten. Wenn nämlich statt eines Wusts von (zweidimensionalen) Papierplänen, ein „echter“ Eindruck mit einer dreidimensionalen Computersimulation vermittelt wird – und das ließe sich mit den digitalisierten Daten des Baugenehmigungsverfahrens machen. ULRICH GÜNTHER

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