Altersgerechtes Bauen 15.07.2011, 12:09 Uhr

Barrierefreiheit: Zwischen bequem und notwendig

Die Mehrheit der Deutschen bevorzugt sicheres und selbstbestimmtes Wohnen im Alter. Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Emnid. Um diesen Wunsch zu erfüllen, wäre es an der Zeit, mehr als bisher das barrierefreie Bauen im Wohnbereich voranzutreiben, mahnen Bau-, aber auch Sozialverbände. Im Nichtwohnungsbau ist man beim Thema Barrierefreiheit schon weiter.

Die hiesige Bevölkerung wird immer älter. Nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes sollen im Jahr 2020 rund 25 % der Deutschen ein Alter von mehr als 65 Jahren erreicht haben. Stehen wir nun vor dem Bauboom von Altenheimen? Das Meinungsforschungsinstitut Emnid in Bielefeld meint Nein. In einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage unter deutschen Mietern und Eigentümern ab 50 Jahren ermittelte das Institut, dass ein Anteil von zwei Dritteln der Bundesbürger ihre Wohnsituation im Alter nicht ändern will. Diese Menschen möchten also dort bleiben, wo sie sind.

Das jedoch erfordert Maßnahmen im Neubau und im Bestand. Schließlich meldet das Kuratorium Deutsche Altershilfe im Rahmen einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, derzeit könne man nur 1 % aller Wohnungen in Deutschland als altersgerecht bezeichnen. Mit Barrieren in Wohnungen lebten aktuell 90 % aller Senioren.

In Deutschland müssten jährlich 100 000 seniorengerechte Wohungen entstehen

Nach Schätzungen der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie des Deutschen Mieterbundes müssten in Deutschland pro Jahr rund 100 000 seniorengerechte Wohnungen durch Neubau oder Modernisierung geschaffen werden. Dies wären rund 2 Mio. altersgerechte Wohnungen bis zum Jahr 2025. Entsprechend fordern die Verbände von der Politik, mehr Anreize zu schaffen, damit private Investoren stärker in altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum investieren.

Mittlerweile entstand ein Verbändebündnis, das auf das Defizit von altengerechtem Wohnraum hinweist. Die Organisation besteht aus dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) sowie dem Deutschen Mieterbund (DMB).

BFW-Präsident fordert Steuererleichterung für barrierefreie Baumaßnahmen

„Wenn wir es schaffen, älteren Menschen möglichst lange selbstbestimmtes Wohnen in den eigenen vier Wänden zu ermöglicht, tragen wir erheblich zur Entlastung der Sozial- und Pflegesysteme bei,“ so eines der ersten Statements von BDB-Präsident Stefan Thurn. „Zur Verwirklichung dieses Vorhabens brauchen wir Anreize und eine verbesserte öffentliche Förderung“, ergänzt DMB-Direktor Lukas Siebenkotten. Es könne nicht sein, dass die Schere zwischen Aufgabe und Unterstützung immer größer werde.

BFW-Präsident Walter Rasch mahnt bessere steuerliche Rahmenbedingungen für altersgerechten Umbau und Neubau an – allen voran die Einführung einer richtig bemessenen Abschreibung für Gebäude in Höhe von 4 %. „Im Einzelfall kann der Abriss und Ersatzneubau eines Wohngebäudes hochwertiger und auch wirtschaftlicher sein als eine Sanierung,“ gibt DGfM-Vorsitzender Dr. Hans Georg Leuck zu bedenken. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn neben der altersgerechten Anpassung des Wohnraums auch eine energetische Verbesserung geschaffen werden solle. Denn bei der Kombination von energetischen und altersgerechten Sanierungsmaßnahmen werde bei einigen Gebäuden Neubaukostenniveau erreicht, ohne dass man dabei Neubauqualität schaffe.

Das Thema Barrierefreiheit ist im Nichtwohnungsbau bereits selbstverständlich

Schon weiter in Sachen Barrierefreiheit sei man im Nichtwohnungsbau, so in Düsseldorf die Agentur BauInfoConsult. Das gelte nicht nur für öffentliche Gebäude, sondern in zunehmendem Maße auch für den Wirtschaftsbau. In einer aktuellen Befragung zur Jahresanalyse 2011/2012 unter jeweils 180 Architekten, Bauunternehmern und Installateuren der Branche Sanitär, Heizung, Klima (SHK) wurde deutlich, dass schon im Vorjahr bei einem Drittel ihrer Projekte im öffentlichen Nichtwohnungsbau Verbesserung von Barrierefreiheit berücksichtigt worden ist. Bei den SHK-Installateuren betrug der Anteil entsprechender Projekte 37 %, bei den Architekten sogar 59 %.

Eine noch deutlichere Sprache sprechen die Erwartungen der befragten Akteure, wie sie den zukünftigen Anteil von barrierefreien Baumaßnahmen in ihren Projekten im Jahr 2016 einschätzen. Architekten rechneten damit, dass in fünf Jahren – so BauInfoConsult – fast drei Viertel ihrer Aufträge Barrierefreiheit beinhalten. Bauunternehmer meinten, bei fast zwei Drittel ihrer Aufträge mit Barrierefreiheit konfrontiert zu werden. Die SHK-Installateure stellten sich in fünf Jahren bei jedem zweiten öffentlichen Projekt auf barrierefreie Aspekte ein.  

Von Elmar Wallerang

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