Expo 2010 30.04.2010, 19:46 Uhr

„Balancity“ – Deutschland zeigt in Schanghai Urbanität der Zukunft

Die Welt blickt auf Schanghai. Die Stadt ist Gastgeber der größten Weltausstellung der Geschichte, die am 1. Mai ihre Tore öffnet. 70 Millionen Besucher werden erwartet. Der deutsche Pavillon „Balancity“ zeigt die Utopie einer besseren Stadt, die ihre Gegensätze in Einklang bringt.

Megacity Schanghai 2010: 16 Mio. Einwohner zählt die Stadt. Im bevölkerungsreichsten Land der Erde ist sie noch nicht einmal die größte, die chinesische Stadt Chongqing kommt auf über 30 Millionen. Mehr als 170 Millionenstädte finden sich in dem Riesenland. Momentan lebt bereits über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Wie lässt sich in den wuchernden Megametropolen dieser Welt städtisches Leben lebenswert gestalten?

„Better City, Better Life“ – „eine bessere Stadt, ein besseres Leben“ – lautet das Thema der ersten Expo im Reich der Mitte, auf der Lösungsansätze für die urbanen Probleme des 21. Jahrhunderts präsentiert werden. Mit erwarteten 70 Mio. Besuchern wird die sechsmonatige Weltausstellung die bisher größte sein.

Deutschlands Antwort auf die Herausforderung immer schnellerer Urbanisierung heißt „Balancity“ – die Utopie einer besseren Stadt, die ihre Gegensätze in Einklang bringt: Innovation und Tradition, Urbanität und Natur, Verdichtung und Freiraum, Arbeit und Freizeit. Rund 50 Mio. € hat der 6000 m2 große deutsche Pavillon gekostet, mehr als je zuvor.

„Eine Herausforderung war der weiche Untergrund des Expo-Geländes direkt am Ufer des Huangpu-Flusses“, sagt Dieter Gigler, Projektmanager des Pavillonbauers Nüssli Deutschland GmbH aus Roth bei Nürnberg. „Mehr als 100 Stahlpfähle mussten bis zu 20 m tief in das Schwemmland gepresst werden.“ Auf ihnen ruht ein avantgardistisches Gerippe aus 1200 t Stahl mit vier großen Ausstellungskörpern, die die Idee von „Balancity“ auch architektonisch widerspiegeln. „Wir haben begehbare Raumskulpturen geschaffen, die zu schweben und sich gegenseitig auszubalancieren scheinen“, erklärt Lennart Wiechell vom Münchner Architekturbüro Schmidhuber + Kaindl, das für die Konzeption des deutschen Pavillons verantwortlich war.

Luftig und transparent wirkt der kubistische Stahlbau durch ein silbernes, metallisch glänzendes Membrantuch (Mesh) von knapp 13 000 m2, das ihn umspannt. Der luftdurchlässige Kunststoff-Webstoff, den die Krefelder Firma Verseidag (= Vereinte Seidenwebereien) Indutex GmbH speziell für den Bau entwickelte, reduziert die Sonneneinstrahlung und spart zugleich Energie bei der Klimatisierung. Alle Baumaterialien werden später recycelt – sogar die Kleidung des Pavillonpersonals ist recyclingfähig und kompostierbar.

„Balancity“ beherbergt eine Vielzahl von multimedial in Szene gesetzten urbanen Lebensräumen, die die Besucher nach und nach durchlaufen, wie das „Planungsbüro“, wo anhand von überdimensional großen Plänen und Modellen deutsche Projekte für eine innovative, nachhaltige Stadtentwicklung sowie neue Formen des städtischen Zusammenlebens vorgestellt werden: Mehrgenerationenhäuser in Stuttgart, der Grüngürtel in Köln, die Plusenergiesiedlung Schlierberg in Freiburg.

„Besonders wichtig ist der Erlebniswert für den Besucher“, findet Peter Redlin, Kreativdirektor der Event-Agentur Milla und Partner, Stuttgart, die für die Gestaltung von Ausstellung und Medien zuständig war. So führt eine Rolltreppe durch einen tiefblauen Raum. Begleitet von Wassergeräuschen durchstößt der Besucher die „Wasseroberfläche” und taucht in einem Hafen auf. Möwen kreischen. Schiffe hupen. Die Hafen-City Hamburg, Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt, erscheint als Stadtbild der Zukunft.

Im „Garten“ machen Riechstationen mit Blumen- oder gar Grillduft deutsche Schrebergartenkultur erlebbar. Das „Depot“ besteht aus regalartigen Strukturen, die bis zur Decke gefüllt sind mit bekannten Erfindungen und innovativen Design-Produkten: Vom Messerset Twin Profection der Zwilling J.A. Henckels AG bis hin zu der mikroprozessorgesteuerten Beinprothese C-LEG von der Otto Bock Healthcare.

Auf Fahrsteigen gleiten die Besucher durch die „Fabrik“, über ihren Köpfen laufen Transportbänder mit Objekten deutscher Spitzentechnik: Zukunftsweisende Schlüsseltechnologien wie die organische Photovoltaik, Offshore-Windenergie oder emissionsfreie Mobilität. Innovative Materialentwicklungen kann man ertasten und riechen: Organische Materialien wie Pappelflaum und künstliche Spinnenseide oder Hightech-Produkte wie schadstoffneutralisierende Dachsteine und textilbewehrter Beton.

Im „Park“ hängen umgedrehte Blumenkelche mit 360°-Panoramen von oben herab und lassen den Gast in deutsche Parks eintauchen.

Herzstück und Highlight ist die „Energiezentrale“. In der Mitte eines kegelförmigen Raums hängt eine imposante Kugel von drei Metern Durchmesser an einem Pendel. Besetzt mit 400 000 LED-Lampen, kann sie Farben, Formen und Bilder darstellen. Der Clou: Über eine akustikbasierte, interaktive Steuerung können die Besucher die 1,2 t schwere Kugel durch vereintes Rufen und Klatschen zum Schwingen bringen.

Deutschlands virtuelle Stadt der Ideen, die von der Koelnmesse International koordiniert und betrieben wird, erwartet bis zu 45 000 Besucher täglich. Als Besuchermagnet könnte dem deutschen wohl nur der Schweizer Pavillon den Rang ablaufen: Dessen große Attraktion ist eine Sesselbahn, mit dem die Besucher durch die Ausstellungsräume schweben! SIMONE C. MENNEMEIER

www.expo2010-deutschland.de

Die nächste Weltausstellung findet 2012 in der Küstenstadt Yeosu, Südkorea, statt, die Expo 2015 in Mailand.

Von Simone C. Mennemeier

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