Es klingt absurd 14.02.2003, 18:23 Uhr

Badespaß im Schnellen Brüter

Baden im Atomkraftwerk, Skifahren bei 25 °C, Einkaufen im Weltraum. Freeclimbing im Erzbunker oder Tauchen im Gasometer klingt daneben nahezu harmlos und unspektakulär. Möglich ist das alles – die Spaßgesellschaft beschert den Industriebauten von einst ein neues Leben.

Industrieanlagen von einst machen heute als Freizeitattraktionen Karriere: Der jungfräuliche Schnelle Brüter in Kalkar ist heute ein – garantiert strahlungsfreies – Freizeit- und Tagungszentrum „Kernwasser Wunderland“. Eine Deponie in Neuss und eine Abraumhalde in Bottrop wurden mit riesigen Hallen überbaut und dienen selbst im Hochsommer der Pistengaudi. Und auch der Gasometer im Landschaftspark Duisburg-Nord machte Furore: Versehen mit einem künstlichen Riff und altem Schiffswrack wurde er zum überregional bekannten Tauchtrainingszentrum.
Und überall entstehen ähnliche neue Einrichtungen. Ab Frühjahr 2003 wird der futuristische Einkaufsbummel möglich sein, und zwar auf dem Gelände der früheren Großwerft AG in Bremen. Hier entsteht seit Juli 2000 der Space Park Bremen, ein Entertainment- und Shopping-Center. Zukunft und Raumfahrt bilden den thematischen Schwerpunkt der 26 ha großen Anlage mit einer Bruttogeschossfläche von knapp 134 000 m2.
Dort wird dann ein Weltraumzentrum multimediale Darstellungen zu Raketenstarts und Weltraummissionen bieten und als Präsentationsplattform für die internationale Raumfahrt dienen. Bestandteil des Parks sollen ein Shopping-Center, Restaurants sowie ein Food Court mit internationalen Gastronomie-Angeboten sein. Über 500 Mio. ç kostete der Space Park, u.a. für den Abbruch der Weser Werft, die Dekontamination und Erschließung des Geländes. Jährlich 1,5 Mio. Besucher erwarten die Investoren, die sich durch Zusammenführung von Einkaufen, Freizeit und Unterhaltung ertragreiche Synergien erhoffen.
Noch in den baulichen Anfängen steckt das Projekt „Zukunftspark O.Vision“ auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Bis zum Jahr 2012 soll hier auf einer Fläche von ca. 60 ha ein Park entstehen, der Forschung und Entwicklung mit High-tech-Gewerbe, Ausstellungsflächen und touristischen Attraktionen verknüpft. Erhalten bleibt die zentrale Produktionshalle des einstigen Stahlwerkes, die zu einer gewaltigen Haltestation für Bus und Straßenbahn umgebaut wird. Als zweiter städtebaulicher Ankerpunkt ist der so genannte „Glass Giant“ geplant, der Familien und Schulklassen zu einer Reise ins Innere des Ichs einladen soll. Zwischen den beiden Gebäuden verläuft eine Hauptentwicklungsachse, rechts und links davon wird der Themenpark angeordnet und dahinter wiederum der Bereich für die gewerblichen Nutzungen.
Bei industriell noch aktiven Arealen geht es darum, die nicht mehr betriebsnotwendigen Flächen sinnvoll zu nutzen. Ein Beispiel für die Umstrukturierung ist der Industriepark Frankfurt-Hoechst, einst das Stammwerk der Hoechst AG. Die hier seit dem Umbau des Chemie-Konzerns angesiedelten 75 verschiedenen Unternehmen stammen u.a. aus den Branchen Chemie, Life Sciences und Health Care.
 Städtebaulich wird der Industriepark in den nächsten Jahren durch das Projekt Neue Mitte an Attraktivität gewinnen. Zum Ensemble gehören ein Hochhaus, zwei Atriumblöcke und ein Erweiterungsbau. Den Ende Juni 2002 ausgelobten Wettbewerb konnten die Architekten Kollhoff und Timmermann, Berlin, für sich entscheiden. Ihr Entwurf sieht einen Neubau mit einer 7-geschossigen Front vor, wobei ein schlanker Turm der neuen Mitte Orientierung geben soll.
Das Areal Neue Mitte wird 40 000 m2 Bruttogeschossfläche umfassen, die für Büros, Einzelhandel, Laborflächen, Klein- und Spezialproduktionen sowie Anwendungstechnika konzipiert werden sollen.
So unterschiedlich die Beispiele auch sind, eines haben alle gemeinsam: Es geht darum, für ein ehemaliges, brachliegendes Industrieareal eine neue, zukunftsträchtige und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung zu finden. Die IBA Emscher Park hat beim Umgang mit historischen Industrieanlagen neue Wege aufgezeigt und beschritten. Heute geht es bei der Umstrukturierung eines Industrieareals in steigendem Maße um aktive Standorte. Die Gründe für die Umnutzung sind äußerst vielfältig:
– Die Produktionsmethoden verändern sich, moderne Maschinen arbeiten effizienter, haben kleinere Abmessungen und brauchen weniger Platz.
– Grundrisse und Tragwerk der bestehenden Gebäude lassen sich nicht mit einem wirtschaftlich sinnvollen Aufwand an die neuen Abläufe anpassen.
– In den bestehenden Hallen ist die Herstellung neu entwickelter Produkte nicht möglich.
– Die Produktion wird an einem Standort konzentriert oder komplett ins Ausland verlagert.
– Steigender Umweltschutz erfordert immense Investitionen in die bestehenden Maschinen und Anlagen.
Ein wesentlicher Punkt ist die Tatsache, dass die Unternehmensleitungen die Immobilie als zusätzliche Erlösquelle entdeckt haben und die Gebäude heute zum wirtschaftlichen Ergebnis beitragen müssen. Ein möglicher Weg ist der Verkauf der nicht betriebsnotwendigen Immobilien. Ziel ist, das Anlagevermögen zu verringern und den Erlös für das Kerngeschäft zu verwenden. Aus dem gleichen Grund ist es nicht selten, auch noch benötigte Flächen zu verkaufen und anschließend wieder zu mieten.
Der Schnelle Brüter in Kalkar ist wohl auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Erfolg. Jedenfalls sorgt Eigentümer Hennie van der Most für immer neue Attraktionen, um das Besucherinteresse stets wieder aufs Neue anzufachen.
  J. HORSCHIG/wip

Von J. Horschig/Wip

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