Bau 05.10.2007, 19:30 Uhr

Auf dem Bau soll es zukünftig gesünder zugehen  

Mit Reach – der neuen EU-Chemikalien- verordnung – soll es auf dem Bau gesundheitsschonender zugehen. Sehr gefährliche Substanzen sollen ausgetauscht und Arbeiter besser informiert werden. Doch das Angebot in Baumärkten wird sich kaum verändern.

Hoch- oder Tiefbau, Neubau oder Renovierung: Ohne Chemie geht es nicht. Von A bis Z, vom Abbeizer bis zum Zement, enthalten alle Bauprodukte Chemikalien – und manchmal auch gesundheitsschädliche. Das kostet. Allein im Jahr 2005 musste die Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) für Hauterkrankungen und asthmatische Erkrankungen mehr als 225 Mio. € ausgeben. Die BG hofft, diese Kosten mit Reach (der neuen EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien) senken zu können. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, ist noch offen.

Viele Firmen der Bauwirtschaft haben sich bereits auf Reach eingestellt. Die Sika Deutschland in Stuttgart, die rund 1200 Bauprodukte herstellt und vertreibt, beobachtet seit 2004 den Gesetzgebungsprozess und hat seit Anfang 2007 einen eigenen Reach-Manager: die Chemieingenieurin Elke Kraft. „Zurzeit verschaffen wir uns einen detaillierten Überblick über die Chemikalien, die wir verwenden“, erklärt Elke Kraft. Sie bringt mit einer Mitarbeiterin die interne Datenbank auf Vordermann. Sie soll darüber informieren, von welchen Lieferanten die Sika-Gruppe rund 4500 Rohstoffe weltweit bezieht, welche Eigenschaften diese haben und für welche eigenen Produkte sie verwendet werden. Ende des Jahres soll die Datenbank fertig sein, erklärt Kraft, „rechtzeitig, bevor es ernst wird“.

Denn ab Juni 2008 greift Reach: Chemikalienhersteller müssen dann jene Stoffe, von denen sie weiterhin mehr als eine Tonne jährlich verkaufen wollen, bei der EU-Chemikalienagentur in Helsinki anmelden. Und: Nicht gemeldete Stoffe dürfen nicht vermarktet werden. In einem zweiten Schritt müssen die Hersteller diese Stoffe registrieren: also die Ergebnisse vieler Tests vorlegen sowie angeben, für welche Einsatzgebiete sie ihre Chemikalien vorsehen. Das sei das eigentlich Neue an Reach, meint Elke Kraft, „dass die Verwendung der Stoffe im Fokus steht“. Sie ergänzt: Im Anwendungsprofil nicht genannte Verwendungen seien nicht mehr erlaubt.

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Firmen wie Sika haben zwei Fragen: Werden sie ihre Rohstoffe auch künftig einkaufen können? Und deckt sich das von den Chemikalienherstellern angemeldete Anwendungsprofil eines Stoffes mit den vorgesehenen Verwendungen? Um vor Überraschungen gefeit zu sein, spricht Sika mit den Lieferanten. Die Gespräche verlaufen gut, meint Elke Kraft. „Alle erklären uns, sie wollen ihre Rohstoffe vor-anmelden.“ Sika wird 2008 also sein Produktportfolio wegen Reach nicht ändern müssen. Die Gespräche stimmen Kraft auch für die Registrierung zuversichtlich: Fast alle Chemikalien und damit auch fast alle Bauprodukte werden weiter erhältlich sein. Weil sich aufgrund der Testauflagen einige Substanzen verteuern werden, erwartet Kraft aber geringfügige Preiserhöhungen. „Unsere Rohstoffe werden im Einkauf im Schnitt um bis zu 5 % teurer.“

Die Gesundheit der Bauarbeiter wird durch Reach auf zwei Wegen gefördert: Einmal, indem besonders besorgniserregende Stoffe durch harmlosere Substanzen ersetzt werden. „Einige unserer Produkte enthielten krebserzeugende Stoffe“, erklärt Elke Kraft. Diese Stoffe konnten bereits in den letzten Jahren ersetzt werden. Genaueres verrät die Managerin nicht: Das seien Betriebsgeheimnisse.

Zum Zweiten, indem Sicherheitsdatenblätter ausführlicher als bisher über Risiken aufklären und über Sicherheitsmaßnahmen informieren. Ein Beispiel: Die Harzkomponente eines 2-Komponenten-Bindemittels auf Epoxidharzbasis ist eine gelbliche Flüssigkeit, die Augen und Haut reizt sowie bei Hautkontakt Allergien auslösen kann.

Im Sicherheitsdatenblatt von Sika stehen heute Grenzwerte und die Empfehlung, spezielle Handschuhe zu tragen. Unter Reach muss Sika das Sicherheitsdatenblatt nachbessern und alle Einsatzmöglichkeiten mit Grenzwerten und Schutzmaßnahmen benennen. Dann kann dort zu lesen sein: „Wenn Sie mit bis zu 20 kg von diesem Epoxidharz in einem Raum mit normierter Größe arbeiten und alle Vorsichtsmaßnahmen einhalten, sind keine Probleme zu erwarten.“ Und einige Zeilen später etwa folgendes: „Wenn Sie mit größeren Mengen arbeiten, müssen Sie für einen erhöhten Luftwechsel sorgen oder eine Atemmaske tragen.“

Noch ist es nicht so weit: „Unklar ist, wie wir kommunizieren müssen“, ärgert sich Elke Kraft. Das Problem ist, dass die Chemikalienhersteller zukünftig Arbeitsschutzgrenzwerte angeben müssen. Diese Firmen wissen aber oft nicht, wie ihre Substanzen vor Ort eingesetzt werden. Um nicht für jede einzelne Verwendung einen eigenen Grenzwert bestimmen zu müssen, sollen ähnliche Anwendungen in Szenarien zusammengefasst werden.

Wie exakt diese Szenarien die Realität etwa auf einer Baustelle widerspiegeln, darüber wird in einer Arbeitsgruppe der EU-Kommission beraten. „Ende des Jahres erwarten wir Klarheit“, betont Elke Kraft. Dann werden Firmen wie Sika den Chemikalienherstellern anhand dieser Szenarien erklären, wie etwa ein Stoff im Tiefbau eingesetzt wird. Die Hersteller legen dann Grenzwerte und die notwendigen Schutzmaßnahmen fest. Diese Informationen werden anschließend über die Sicherheitsdatenblätter bis zum Bauarbeiter weitergegeben.

Das ist die Theorie. Doch erst, wenn die Schutzmaßnahmen auch vor Ort angewandt werden, werden weniger Menschen an Chemikalien erkranken. Und erst dann kann sich die BG Bau auf sinkende Ausgaben freuen. R. AHRENS

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

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