Bau 04.06.2004, 18:31 Uhr

Athen – eine antike Metropole erschafft sich neu

den Olympischen Komplex.

Auf dem Fahrplan sieht es ganz einfach aus: im Stadtzentrum die grüne Linie vom Omonia-Platz nehmen, Richtung Nordosten fahren und an der Haltestelle „Irini“, die mit den olympischen Ringen, aussteigen. Die Trasse liegt oberirdisch und führt durch Stadtteile mit vierstöckiger Blockbebauung. Ein Relikt der 70er- und 80er-Jahre. Immer wieder drosselt die Metro das Tempo. Am Waggonfenster tauchen Bauarbeiter auf: Sie befestigen Absperrbänder, bauen Gerüste auf, graben Löcher, mischen Beton.
Das griechische Organisationskomitee (Athoc) rechnet mit rund 5 Mio. Gästen. Damit diese in der chronisch unter Verkehrskollaps leidenden Metropole stressfrei zu den Sportstätten kommen, rüsten Staat und Kommune ihre Verkehrsmittel auf: 7,7 km U-Bahn, 32 km Regionalbahn, 120 km mehrspurige Straßen und zwei neue Trambahn-Linien entstehen derzeit neu.

„Athen hatte nicht die richtige Infrastruktur für die Olympischen Spiele. Wir brauchten nicht nur einen neuen Flughafen, sondern mussten auch ein neues U-Bahn-Netz, Umgehungs- und Schnellstraßen bauen“, erklärt Athens Oberbürgermeisterin Dora Bakoyanni. Das populäre Stadtoberhaupt hat sich viel vorgenommen: Athen soll schöner und sauberer werden. In der Stadt des Staus und des Smogs arbeitet man heftig an Fassaden, Flaniermeilen, Plätzen, Sportanlagen – und an allem gleichzeitig.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Beginn der Spiele am 13. August, die Veranstalter müssen sich sputen. Besonders deutlich wird dies, als sich die Metro dem Stadtteil Maroussi nähert, der den so genannten Olympischen Komplex (OAKA) beherbergt. Das Gelände von der Größe des Münchener Olympiaparks bildet mit Olympiastadion, Schwimmzentrum, Velodrom und Tennisanlage das Rückgrat der Spiele ist zentraler Wettkampfort.

Eine Stimme aus dem Lautsprecher unterbricht jäh die Betrachtungen der Passagiere: „An der Haltestelle Irini ist wegen Bauarbeiten kein Ausstieg möglich.“ Da hilft nur eines, in Maroussi, der nächsten Station, aussteigen und ein Taxi zurück nehmen. „Wo soll ich halten“, fragt der Taxifahrer etwas ratlos, um dann kurzerhand seinen Fahrgast an der Spiridon-Louis-Straße, einem zweispurigen, verkehrsreichen Zubringer, abzusetzen. Das Olympiastadion ist rund 50 m entfernt, einen Weg dahin gibt es nicht. Die Bürgersteigbegrenzung lässt ahnen, dass hier irgendwann ein Trottoir entstehen soll.

„Wo möchten Sie denn hin?“ Mit dieser Frage werden Besucher abgefangen, wenn sie sich Athens bekanntester Baustelle nähern. Zwei junge Männer steigen aus einem weißblauen Polizeiauto, bekleidet mit schweren Stiefeln, Cargo-Hosen und T-Shirts, darüber Westen mit unzähligen Taschen, gefüllt mit Walkie-Talkies und vermutlich Magazinen – für die Waffen, die in einem Futteral an ihrer Hüfte hängen.

Olympia 2004 in Zahlen
  • 28 Sportarten, 37 Disziplinen 200 000 Akkreditierte, darunter: 10 500 Athleten aus 201 Nationen.
  • 6000 Offizielle.
  • 2500 Techniker.
  • 21 500 Medienschaffende.
  • bislang über 100 000 Freiwillige.
  • 17 200 Hotelzimmer.
  • 11 Kreuzfahrtschiffe.
  • 10 000 Zimmer in sieben Dörfern.
  • 11 000 PC mit 600 Servern und 2000 Druckern.

„Sie wissen, ohne Erlaubnis kommt hier niemand herein“, sagt einer der beiden freundlich, aber wachsam. Als die Besucherin erklärt, sie sei mit dem Bauleiter vom OAKA verabredet, entspannen sich die Gesichtszüge von Spiros Ikonomou. Der drahtige, junge Mann ist seit ein paar Wochen mit der Mission „Sicherheit“ betraut. So wie Tausende von Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleuten und Mitarbeitern der Küstenwache.

Beim Thema Sicherheit steht Griechenland gewaltig unter Druck. Offiziell stellt es die gigantische Summe von 650 Mio. € zur Verfügung – Gerüchten zufolge sogar mehr als 1 Mrd. €, was viermal so viel wie in Sydney wäre.

Die Angst vor Terroranschlägen ist so groß, dass sich die Regierung sehr zum Unwillen der Bevölkerung auf eine Kooperation mit den führenden „Sicherheitsnationen“ eingelassen hat: Das „Olympische Beratergremium“ besteht aus Vertretern Australiens, Frankreichs, Deutschlands, Israels, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten und trifft sich regelmäßig, um Maßnahmen zu planen und zu koordinieren. Seit Monaten nimmt die „Sondereinheit Olympia“ an speziellen Übungen teil und „spielt“ Szenarien wie Bombendrohungen, Luftangriffe und Giftgasanschläge durch. In einigen Wochen wird das Sicherheitsnetz enger gezogen.

„Es wird niemandem gelingen, eine Lücke aufzudecken. Wir haben unsere Augen und Ohren überall“, sagte unlängst Athoc-Chefin Gianna Angelopoulou der griechischen Zeitung „Eleftherotypia“. Die Dame meint es wörtlich. Vor allem im Zentrum und an den olympischen Anlagen werden rund 300 „elektronische Augen“ in Form von Videokameras sowie 2000 Sensoren installiert. Sie gehören zur hochmodernen Sicherheits- und Verkehrsüberwachungsanlage, die Mitte Juni in Athen in Betrieb geht.

Bei der letzten Pressekonferenz der Koordinierungskommission, dem Kontrollgremium des IOC, hatte Gianna Angelopoulou stolz verkündet: „Wir haben die Arbeit von sieben in vier Jahren erledigt. 15 Sportstätten sind komplett fertig gestellt, weitere zehn und das Medien-Dorf haben wir kürzlich übergeben. Virtuell sind rund 85 % der Anlagen fertig.“ Gelogen war das nicht, aber eben nur ein Teil der Wahrheit.

Im OAKA sind die Gastgeber noch lange nicht so weit. Dabei gehört die Umgestaltung des Geländes und das Dach des Olympiastadions zu den Prestigeprojekten der Griechen.
Das unfertige Dach hat das Zeug, zu einem neuen Wahrzeichen zu avancieren. Das futuristische Modell des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava besteht aus weißen Stahlrohren, die auf der Ost- und Westseite in je zwei Bögen das ellipsenförmige Stadion „umfassen“ und von Stahlseilen und Querstreben zusammengehalten werden. Die Rohre, aus denen die Konstruktion besteht, besitzen einen Durchmesser von 3,60 m, die Bögen eine Länge von 304 m. Sie ragen rund 78 m in den Himmel. Jeder der Stahlkolosse wiegt rund 9000 t. Beide zusammen werden während des heißesten Monat im Jahr 70 % der Zuschauer Schatten spenden.

Bagger schieben rote Erde vor sich her und türmen sie zu Hügeln auf. Bauträger versperren die provisorischen Zugänge zu den strahlendweißen Nebengebäuden. An den zwei Haupteingängen sind die Handwerker dabei, die Bodenplatten für Wege und Treppen auszulegen. Auf der Westseite, da wo die Metrostation die Menschenströme ausspucken wird, stehen Hunderte von jungen Zypressen – im Provisorium zwischen Kieshaufen und Beton.

Allein 1000 Menschen sind an dieser Baustelle in zwei Schichten beschäftigt. Trotzdem sieht das Meisterwerk OAKA aus wie ein Puzzle, dessen Teile noch zusammengetragen werden. Wann kann die Öffentlichkeit mit dem Gesamtkunstwerk und vor allem mit den ersten Funktionstests und Probewettbewerben rechnen? „Ende Juli, Anfang August“, hofft IOC-Kontrolleur Denis Oswald. Es gibt noch eine Menge zu tun. Das weiß auch das IOC.

Von Evdoxia Tsakiridou

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