Bau 16.03.2001, 17:28 Uhr

Airport Athen: Schnell gelandet

Nach vierjähriger Bauzeit wird am 28. März der neue Athener Flughafen in Betrieb genommen. Für 3,5 Mrd. DM hat ihn ein deutsches Firmenkonsortium 25 km südöstlich von Athen auf der Grünen Wiese errichtet. Die Betreibergesellschaft rechnet mit einer Anfangskapazität von 16 Mio. Passagieren im Jahr.

Der am Reißbrett entworfene internationale Athener Flughafen ist jetzt startklar. Ein deutsches Firmenkonsortium – bestehend unter anderem aus Hochtief AirPort GmbH und ABB Airport Technologies GmbH – setzte ihn schlüsselfertig in die grüne Olivenlandschaft Attikas. Die Erbauer sind zugleich Miteigentümer und Betreiber des Flughafens, denn das Projekt wurde als „Public Private Partnership“ verwirklicht. Zu den installierten Highlights zählt ein Fluginformations-System, das alle Kommunikationseinrichtungen vernetzt und die Überwachung und Steuerung aller Abläufe am Boden erlaubt.
Mit einer Anfangskapazität von jährlich 16 Mio. Passagieren wird der neue Airport „Eleftherios Venizelos“ – benannt nach einem griechischen Freiheitskämpfer – zu einem großen Luftdrehkreuz in Südeuropa. Der bisherige Flughafen wurde von dem wuchernden Athen regelrecht eingezwängt und ließ keine Erweiterungsmöglichkeiten zu. Mit seinen Flugbewegungen über dicht bebauten Wohngebieten galt er ferner als Risikofaktor. Wie weiland in München findet nun am 28. März 2001 mit einem nächtlichen Kraftakt der Umzug in die neuen Gebäude statt, die 25 km südöstlich der Hauptstadt liegen.
Insgesamt wurden bei dem in 51 Monaten verwirktlichten Projekt umgerechnet über 5 Mrd. DM verbaut und installiert, die Verkehrsanbindung eingerechnet. Den Zuschlag für den Airport selbst erhielt bereits vor fünf Jahren ein deutsches Bieterkonsortium unter der Führerschaft der Essener Hochtief AG zum Festpreis und zum Festtermin. Investitionsvolumen: rund 3,5 Mrd. DM. Bereits im Herbst 2000 – fünf Monate vor Termin – wurde das Projekt schlüsselfertig an den Kunden übergeben.
Eigentümer und Betreiber ist die 1996 gegründete Athens International Airport S.A. (AIA), woran der griechische Staat 55 % Anteile hält. Die verbleibenden 45 % teilen sich vorwiegend die Konsortialpartner Hochtief AirPort GmbH und die Mannheimer ABB Airport Technologies GmbH. Beide Unternehmen sind mit einer Laufzeit von 30 Jahren mit allen geschäftlichen Risiken in die Betriebsführung eingebunden. „In den kommenden 25 Jahren wollen wir das eingesetzte Kapital wieder hereinholen,“ vermerkt dazu AIA-Vorstandsmitglied Claudius Schweickert, ausgehend von einer jährlichen Umsatzerwartung von durchschnittlich 360 Mio. DM. Schweickert: „Nachdem der neue Flughafen als kommunales Projekt gescheitert ist und nicht zu finanzieren war, wurde das Vorhaben privatwirtschaftlich nach dem Contracting-Verfahren neu strukturiert.“ Die größte Herausforderung dabei sei – „mehr als der Flughafenbau selbst“ – der Aufbau der Betreibergesellschaft AIA gewesen. Sie entstand ohne die Übernahme bestehender Dienstleistungsfirmen und -verträge. Alle 650 Mitarbeiter habe man neu rekrutieren und schulen müssen, erinnert sich Schweikert.
Die Überlegenheit des privatwirtschaftlichen Konzeptes manifestierte sich bereits in der vorzeitigen Übergabe des Flughafens nach nur 51 Monaten Bauzeit, während die in staatlich-kommunaler Verantwortung liegende Verkehrsanbindung weit hinter dem Zeitplan liegt und die Autobahnbauer zum Eröffnungstermin mit Mühe und Not die Schwarzdecken schaffen. Auch die beamteten Beschäftigten des alten Flughafens, der geschlossen wird, wurden von der neuen Betreibergesellschaft nicht übernommen, weil nach Aussage eines AIA-Pressesprechers „behördliche und unternehmerische Arbeitsprinzipien unvereinbar sind.“
Als technischer Generalunternehmer plante, lieferte und installierte ABB die gesamte elektrotechnische Ausrüstung des Flughafens einschließlich der Kommunikationssysteme im Wert von 500 Mio. DM. Für die technische Gebäudeausrüstung (TGA) wurde die Krantz-TKT GmbH, Aachen, mit ins Boot genommen. Als weiteres Subunternehmen lieferte Honeywell die Gebäudeleittechnik, der rund 30 000 Datenpunkte aufgeschaltet sind.
Zu den installierten Highlights zählt das Fluginformations-System UFIS, das alle Kommunikationseinrichtungen vernetzt und die Überwachung und Steuerung aller Abläufe am Boden erlaubt. Wie Gesamt-Projektleiter Robert Leitenberger (ABB) ergänzt, konnte mit diesem komplexen Steuerungssystem bereits die Kapazität des Flughafens Berlin-Tegel ohne bauliche Erweiterungen von 150 000 auf 175 000 Flugbewegungen und die Zahl der Passagiere von 6,5 Mio. auf 8 Mio. pro Jahr gesteigert werden.
Zum Gewerk Elektrotechnik gehörte in Athen auch die Gepäckförderanlage. Sie ist bis auf die Beladung der Gepäckcontainer hochgradig mechanisiert und automatisiert. Leitenberger: „Auch dieser letzte Schritt wird künftig die Mechanik übernehmen“. Der Prototyp eines Gepäckroboters wird derzeit auf dem Flughafen Zürich getestet das Serienmodell soll nach den Testläufen nach Athen dienstverpflichtet werden.
Mit Eröffnung des neuen Airports ist Athen auch auf die olympischen Spiele in 2004 vorbereitet. Die jetzt angepeilte Startkapazität entspricht etwa dem Passagieraufkommen des Flughafens München. Pro Stunde sind in Athen auf den beiden Runways mit 4000 m und 3800 m Länge 65 Starts und Landungen möglich. PETER GÖHRINGER

Private Investitions- und Betreibermodelle liegen im Trend

Flughäfen unter Investitionszwang

In diesem Jahrzehnt, prophezeien Experten, werde das weltweite Passagier- und Frachtaufkommen im Luftverkehr jährlich um etwa 7 % wachsen. Das bedeutet bis zum Jahr 2010 eine Verdoppelung der Fluggast-Zahlen auf jährlich 3 Mrd. und der Luftfracht auf rund 60 Mio. t. Eine derartige Zunahme ist nur durch den Bau neuer Flughäfen sowie die Erweiterung und Modernisierung vorhandener Kapazitäten zu erreichen.
Die zunehmende Privatisierung der Flughäfen verstärkt den Konkurrenzdruck der Airports untereinander und setzt sie unter Investitionszwang. Dabei werden entsprechende Bauvorhaben vermehrt an Generalübernehmer vergeben, die als „Total Solutions Provider“ ganzheitliche Lösungen aus einer Hand offerieren – von der Planung über den Bau und die Inbetriebnahme bis hin zu ihrem Betrieb. Entsprechende Anbieter gingen in jüngster Zeit hauptsächlich als eigenständige Tochterunternehmen von Bau- und Elektrokonzernen hervor. Beispielsweise konfigurierten Hochtief, Siemens und ABB entsprechende Ableger. „Dieser Trend entspricht der aktuellen Umstrukturierung einiger Konzerne. Nach dem Motto: weg von produktorientierten und hin zu kundenorientierten Geschäftsfeldern,“ erläutert Peter Shelley, Marketingchef der unlängst gegründeten ABB Airport Technologies GmbH, Mannheim.
Wie Shelley betont, sind derzeit hauptsächlich in Asien, aber auch in Afrika, neue Flughafenprojekte in Planung. Aufgrund mangelnder Liquidität der öffentlichen Hände bieten private Investitions- und Betreibermodelle oft die einzige Chance, die Bauvorhaben zu verwirklichen. Bei diesen sogenannten BOOT-Projekten (Build, Own, Operate, Transfer) plant und baut eine Investorengruppe den Flughafen, betreibt ihn anschließend als Eigentümer und gibt ihn nach Ablauf des – meist auf Jahrzehnte hinaus befristeten – Vertrages an den staatlichen Auftraggeber zurück. Das bislang größte BOOT-Projekt wurde mit dem neuen Athener Großflughafen verwirklicht, ohne dass der griechische Staat eine Drachme dazuschoss. P. G.

Von Peter Göhringer

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