Messen 11.03.2005, 18:37 Uhr

Absatzchancen ohne Barrieren  

VDI nachrichten, Frankfurt/M., 11. 3. 05 – Die Sanitärindustrie steht vor einem Trendwechsel. Wie bereits vor einigen Jahren vorhergesagt, setzt sich der ältere Konsument mit seinen gehobenen Ansprüchen doch allmählich in der Gunst des Marketings durch.

Modell-Innovationen und Design-Ideen für die 50plus-Generation werden von vielen Marktführern in der „Erlebniswelt Bad“ auf der ISH in Frankfurt (15. bis 19. März 05) gezeigt. Auf der bevorstehenden Messe wird damit ein in Europa noch weitgehend unbekanntes Produktsegment eingeführt.

Die „Best Agers“ gelten als sowohl konsumfreudige wie auch zahlungskräftige Kunden, denn die Generation der 50- bis 60-Jährigen hat im Durchschnitt mit 2100 Euro/Monat rund 600 Euro mehr zur Verfügung als der durchschnittliche Familienhaushalt mit Kindern unter 17 Jahren. Auch im Rentenalter können ältere Ehepaare laut einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Haushaltseinkommen von 1700 Euro rechnen.

Hinzu kommt, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich steigt nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes wird bis 2050 jeder zweite Deutsche über 50 Jahre alt sein. Auch weltweit steigt in den Wohlstands- und Industriegesellschaften der Altersdurchschnitt.

Immer mehr Produzenten von Badezimmerausstattungen richten daher ihren Zielgruppenfokus auf die Bedürfnisse der über 50-Jährigen. Doch hier ist mit besonderen Problemen bei Ansprache, Beratung und Produktgestaltung zu rechnen. Eine zukunftstaugliche Badplanung für ältere Kunden darf die Themen Altersgebrechlichkeit und Bewegungseinschränkung durch Krankheiten nicht ausblenden.

Wirklich behindertentaugliche Spezialprodukte findet man daher kaum im Sortiment der großen Marken. Vielmehr sind es besonders bedienungsfreundliche Produkte und traditionelle Gestaltungselemente, die auf die Gunst der Best Ager abzielen. Es dürfte allerdings nicht mehr lange dauern, bis sich auch Stardesigner und namhafte Architekten diesem Thema widmen werden. Bis dahin ist die altersgerechte Badausstattung ein Thema vor allem für die kreative Badplanung. Dieses Segment ist beratungsintensiv und bietet damit für die Vertriebspartner der Industrie – den Handel und das Handwerk – große Chancen zur Profilierung.

Schon bei der Planung sollte Wert darauf gelegt werden, eine nachträgliche Anpassung an zeitweilige oder auch andauernde Handicaps auch ohne großen Aufwand vornehmen zu können. Die wichtigsten Voraussetzungen hierfür sind ein ausreichendes Raumangebot, breite Durchgänge und der Verzicht auf zu große Verbauungen. Auch technische Module in Vorwandinstallationsbauweise erleichtern eine Nachrüstung.

Optischer wie praktischer Gewinn sind notwendige Accessoires wie stabile und lange Handtuchhalter, die sich stilistisch anpassen – etwa in Form einer Reling – und sich auch als Haltegriff eignen. Die Marke Hewi ist hier nicht der einzige Anbieter; immer mehr Armaturenhersteller – z.B. sam oder Keuco – statten ihre Produkte mit einem solchen Mehrfachnutzen aus. Im Armaturenbereich haben sich die im öffentlichen Bereich etablierten berührungslosen Armaturen für die Nutzung auch im Privatbereich bewährt.

Der bodenebene Einbau von Duschen schließlich erhöht nicht nur die Mobilität, sondern ist auch ein optischer Gewinn. Barrierefreie Duschen werden bei Verwendung von vorgefertigten Bauelementen, wie sie etwa von Illbruck und Wedi angeboten werden, zur individuellen Note.

Überhaupt kommt der immer noch dominante Trend zur minimalistischen Einrichtung und zum XXL-Duschen, aber auch der zunehmende Wunsch nach Integration des Bades in den Wohnraum einer altersgerechten Badeinrichtung entgegen. Die Industrie hält hier Lösungen parat, die sowohl luxuriöse Ausstattungsfeatures wie Seiten- und Tellerbrausen, Duschpaneels und Wasserfallsimulation enthalten, wie auch Kombiprodukte von Dusche und Dampfbad, mit oder ohne zusätzliche Programme von Infrarot- und Wärmeanwendungen bis zur Lichttherapie. Schonendere Alternativen lösen dabei die alte Saunakultur mehr und mehr ab.

Wellness ist ein Trendmotiv, das bei vielen älteren Kunden den Anstoß zu einer Neugestaltung des Bades gibt. Marken wie Duscholux, Koralle, Hoesch oder auch Hansgrohe mit seiner Wellnessmarke Pharo bieten eine meist auch in gestalterischer Hinsicht überzeugende breite Auswahl.

Auch Innovationen im Bereich der klassischen Badausstattung stoßen bei 50plus-Konsumenten auf großes Interesse, wenn sie Bequemlichkeit und Hygiene steigern – auf beides legen die Best Ager besonderen Wert. In den USA und den asiatischen Märkten bereits etabliert, dürften Komfortprodukte für die tägliche Hygiene wie das WC mit beheizbarer Sitzfläche oder mit integrierter Intimspülung – zum Beispiel von Geberit angeboten – in Europa einen Nachholbedarf wecken. mf/wip

 

Von Mf/Wip

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