Klimaschutz 28.08.2009, 19:42 Uhr

Abfallstoffe senken CO2-Ausstoß der Zementproduktion  

Die Zementproduktion ist ein Industriezweig, der hohe Kohlendioxidemissionen hervorruft. Denn Kalkstein, der die Hauptbasis von Zement bildet, gibt beim Brennvorgang CO2 in die Atmosphäre ab. Künftig könnte ein neues Herstellungsverfahren den CO2-Ausstoß bei der Zementherstellung um bis zu 40 % verringern. VDI nachrichten, Weimar. 28. 8.09, Si

Allein in Deutschland werden jährlich etwa 30 Mio. t Zement hergestellt, bei deren Produktion laut Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, etwa 3 % des Gesamtausstoßes an Kohlendioxid (CO2) in der Bundesrepublik frei werden. Verantwortlich dafür ist das Rohmehl, das die Grundlage des Zements bildet. Es besteht zu einem Großteil aus Kalkstein. Darin gebunden ist CO2, das während des Brennvorgangs im Drehrohrofen vollständig in die Luft abgegeben wird.

Das will die IBU-Tec Advanced Materials in Weimar nun ändern. „Durch ein neues Herstellungsverfahren soll der Kohlendioxidausstoß um bis zu 40 % verringert werden“, wie Brickwedde am 19. August erklärte.

„Ziel ist es, die Rohstoffbasis von Zement umzustellen und Kalkstein durch industrielle Abfallstoffe zu ersetzen“, ergänzte Steffen Vogel, der stellvertretende Technologiebereichsleiter bei IGU-Tec. Die DBU fördert die Entwicklung mit rund 240 000 €.

Das Projekt ist für Brickwedde „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer umweltfreundlicheren Zementproduktion“. Das Unternehmen forsche nun in Zusammenarbeit mit dem Institut für Baustoffkunde der Bauhaus-Universität Weimar sowie dem Institut für Technische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena an einem neuen Stoffgemisch, in dem der grau-weißliche Stein zu großen Teilen ersetzt werden kann.

Vogel: „In Frage kommen industrielle Abfälle, beispielsweise Aschen und Schlacken.“ Denn besonders Abfallstoffe aus Verbrennungsprozessen der Wärmeenergieerzeugung setzten kein Kohlendioxid mehr frei, wenn sie erneut verwendet werden.

Was bei Müllverbrennung, Stahlerzeugung oder der Gewinnung von elektrischer Energie aus Braunkohle bislang als unnützer Reststoff anfällt, könnte also bald für den Umweltschutz eingesetzt werden. Ganz so leicht sei das allerdings nicht, denn, so erkärt Vogel: „Zement ist ein kompliziertes Gemisch. Momentan experimentieren wir noch an der richtigen Zusammensetzung des neuartigen Stoffgemischs.“ Komme dies dem chemischen Aufbau des bisher verwendeten Rohmehls sehr nahe, könnte unter Umständen knapp die Hälfte des bislang verwendeten Kalksteins durch industrielle Abfallstoffe ersetzt werden. Auf diese Weise würde zudem auch weniger Kalkstein verbraucht und damit ein natürlicher Rohstoff geschont.

Zwar sei die Forschung auf diesem Gebiet bereits sehr aktiv, wie der DBU-Generalsekretär feststellte, aber die Möglichkeiten Kalkstein zu ersetzen, wären bislang noch begrenzt. Brickwedde: „Der von der mittelständischen Firma verfolgte Ansatz geht deutlich über den Stand der Technik hinaus.“

Das innovative Stoffgemisch soll zum Abschluss des Projekts in einem Zementwerk angewendet werden. Seit Projektbeginn werde eng mit der Zementindustrie zusammengearbeitet. Brickwedde: „Erweist sich das neue Produktionsverfahren als praxistauglich, können die Ergebnisse direkt auf weitere industrielle Anlagen übertragen und die Umwelt somit in erheblichen Umfang entlastet werden.“ Si

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Kunststofftechnik, Logistik, Verpackungstechnik, Textiltechnik.

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