Automation 21.11.2008, 19:38 Uhr

„Zweistelliges Wachstum bleibt das Ziel“  

VDI nachrichten, Eggelsbach/Österreich, 21. 11. 08, ciu – Mit Automatisierungslösungen aus einer Hand sieht sich die Bernecker + Rainer Industrie Elektronik – kurz B&R – aus Eggelsberg in Österreich trotz Konjunkturabschwächung gut gerüstet. Unternehmenschef Martin Wimmer sprach mit den VDI nachrichten über die laufenden Standorterweiterungen sowie seine Strategie, neue Anwender zu gewinnen.

Wimmer: Eindeutig ja! Die Branche ist innovativ und sie ist spannend. Die Zusammenarbeit mit Partnern ist interessant und langfristig. Deshalb habe ich es keinen Augenblick bereut, in der Automatisierungstechnikbranche tätig zu sein.

VDI nachrichten: Welchen Einfluss hat die Bankenkrise auf Ihr Geschäft?

Wimmer: Die Bankenkrise wird einen Einfluss auf die reale Wirtschaft haben und damit z. B. auch auf den Maschinen- und Anlagenbau und darüber letztendlich auch auf B&R. Wir haben allerdings aktuell ein gutes Wachstum durch die Gewinnung einer nicht unerheblichen Anzahl an Neukunden aus dem Maschinenbau. Daher erwarten wir keinen Umsatzrückgang oder gar Einbruch, aber durchaus eine Verlangsamung des Wachstums.

VDI nachrichten: Wie sind da Ihre Umsatzerwartungen?

Wimmer: Für 2008 erwarten wir einen Umsatz von über 300 Mio. € gegenüber 280 Mio. € im Vorjahr. Der Umsatz verteilt sich auf drei etwa gleich starke Bereiche: Bedienen und Visualisieren mit Industrie-PC, Steuerungen sowie Antriebstechnik. Kleine Teile entfallen zudem auf Prozessleittechnik und Software. Unser Ziel ist es, auch weiterhin zweistellig zu wachsen, im Durchschnitt um 15 % pro Jahr.

VDI nachrichten: Sehen Sie in der Krise auch Chancen für Ihr Unternehmen?

Wimmer: Wir sehen sehr wohl Chancen. Beispielsweise fällt es Maschinenbauunternehmen in Hochkonjunkturphasen schwer, Systeme auszutesten und umzustellen. In den 1990er Jahren, aber auch zur Jahrtausendwende konnten wir in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld sogar zahlreiche Neukunden gewinnen. Letztendlich gingen wir damit gestärkt aus diesen vom Abschwung geprägten Konjunkturphasen hervor.

VDI nachrichten: Als familiengeführtes Unternehmen hat Schaeffler Continental übernommen. Ist Ähnliches auch von B&R zu erwarten?

Wimmer: Unsere Eigentümer sind Erwin Bernecker sowie Josef Rainer und unsere Strategie ist auf organisches Wachstum ausgelegt. Wir haben bereits selbst ein breites Produktspektrum, so dass wir eine übernommene Firma lediglich integrieren würden. Das finden wir aber weder für uns noch für die Kunden des zugekauften Unternehmens wirklich überzeugend.

VDI nachrichten: Wie geht es mit Ihrem Standortausbau in Eggelsberg voran – auch vor dem Hintergrund der Finanzierung?

Wimmer: Es läuft alles nach Plan. Die Erstinvestitionen liegen bei 45 Mio. €. Durch unsere gute Eigenkapitalquote sehe ich da keine Probleme, auch wenn ein Teil fremdfinanziert ist. Zum Jahreswechsel soll das Werk 3 bezogen werden und auch das Betriebsrestaurant fertig sein. Aus logistischen Gründen wird der Bau von Werk 2 erst 2009 abgeschlossen und auch das Hochregallager sowie das Technikum sollen dann im 3. Quartal 2009 in Betrieb genommen werden. Von den dann weltweit 1800 Mitarbeitern werden rund 1200 am Stammsitz in Eggelsberg beschäftigt sein.

VDI nachrichten: In der Automobilbranche dürfte es in der nächsten Zeit schwer werden, neue Automatisierungslösungen abzusetzen. Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen noch Wachstumsfelder?

Wimmer: Alles, was mit Integration von Robotertechnik z. B. in Verpackungsanlagen zu tun hat, oder auch CNC-Systeme sowie die Steuerung von Hydrauliksystemen im Maschinenbau sind für uns Wachstumsfelder. Dazu integrieren wir neue Funktionen in unsere Steuerungen. Das ist ganz klar ein Verdrängungswettbewerb, da wir somit dedizierte Elektroniklösungen verdrängen. Dazu kommt, dass immer mehr Unternehmen, die bisher ihre Steuerungen selbst entwickelt haben, dies wegen des zunehmenden Entwicklungsaufwandes und den damit verbundenen immensen Kosten aufgeben werden und unter dem „Make or Buy“-Aspekt zukaufen werden.

VDI nachrichten: Wie werden Sie dabei dem zunehmenden Softwareanteil in der Automatisierungstechnik gerecht?

Wimmer: Wir betreiben Softwareentwicklung bereits seit zwei Jahrzehnten im eigenen Haus. Wir haben alle unsere Softwareteile aus eigener Kraft entwickelt und sind daher gut aufgestellt. Bei uns sind aktuell etwa 65 % unserer Entwicklungsmannschaft in der Softwareentwicklung tätig und somit nur noch 35 % im Bereich der Hardwareentwicklung. Es gibt inzwischen keine Produkte mehr bei B&R, die ohne Software auskommen. Selbst einfachste digitale Ein- und Ausgänge enthalten Software zur Überwachung und Diagnose. Darüber hinaus sehen wir, dass der Aufwand für Softwarelösungen auch bei unseren Kunden zunimmt. Das bedeutet, dass wir unsere Produkte noch bedienerfreundlicher machen müssen, so dass auch der Anwender mit unseren Produkten einfach und effizient arbeiten kann.

VDI nachrichten: Im Maschinen- und Anlagenbau sind alle Entwicklungen klar strukturiert und dokumentiert. Softwaretüftler sind aber nicht gerade bekannt dafür?

Wimmer: Softwareentwicklung ohne Strukturen funktioniert heute nicht mehr. Bei über 200 Entwicklern im Bereich der Software brauchen wir Abstimmung und klare Strukturen. Jede Software bei B&R durchläuft genau definierte Versionierungs- und Änderungsprozesse und wird entsprechend getestet. Das ist uneingeschränkt erforderlich.

VDI nachrichten: Sie beliefern ja auch asiatische Wettbewerber von weltweit führenden Maschinenherstellern aus Europa. Wirkt sich das auf den Wettbewerbsvorsprung der hiesigen Unternehmen aus?

Wimmer: Zunächst muss ich sagen, dass wir eine Plattform anbieten, die weltweit über den gleichen Leistungsumfang verfügt. Die eigentliche Funktion der Maschine wird erst durch die Software realisiert. Diese Applikationssoftware wird in den meisten Fällen von unseren Kunden gemacht oder zumindest von ihm geleitet und von B&R unterstützt. Damit liefern wir keine fertigen Branchenlösungen. Wir vermeiden damit ungewünschten Know-how-Transfer zwischen europäischen Herstellern sowie denen aus Asien. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die Funktion wesentlich durch die Software bestimmt wird.

Im Gegensatz zur Mechanik, die bekanntermaßen kopiert wird, kann die Software nicht so leicht nachgemacht werden, sofern der Maschinenbauer sie nicht weitergibt. Wir haben dazu entsprechende Funktionen, so dass sich europäische Hersteller entsprechend schützen können.

VDI nachrichten: Es scheint, als ob einige Unternehmen in den wirtschaftlich guten Zeiten ihre Innovationen eher zurückhalten und mit bestehenden Produkten Geschäfte machen. Wird es von B&R zur Messe SPS/IPC/Drives im November Neuheiten geben?

Wimmer: Unabhängig von der Konjunktur bringen wir Jahr für Jahr Innovationen auf den Markt. Wir investieren 17 % unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und sehen das als Teil unseres Erfolges.

Im Bereich der Panel-PC konnten wir Leistungssteigerungen erreichen, unter anderem durch die Verwendung von Core-2-Duo-Prozessoren von Intel. In unserer Steuerungsplattform haben wir Simulationsfunktionen für Antriebe und Hardware integriert. Im Bereich der Antriebssteuerung haben wir nun eine einheitliche Plattform, die „Generic Motion Control – GMC“. Damit vereinen wir Funktionen von Motion Control, CNC und Robotersteuerung, was die Flexibilität für Anwender erhöht.

Bei den Antrieben haben wir Lösungen für die Energierückspeisung sowie zur Nutzung von Abwärme über Wärmeüberträger. Produkte mit integrierter Sicherheit gehören ebenso zu den Neuheiten. Wir haben mit „Aprol“ zudem eine Prozessleittechnik, welche wir zunächst im deutschsprachigen Markt anbieten. Darüber gibt es bei verschiedenen Produktreihen eine Erweiterung des Portfolios. M. CIUPEK

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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