Automation 15.04.2005, 18:38 Uhr

„Wissen ist unser kostbarstes Gut“  

Eine zweistellige Umsatzsteigerungsrate sowie Innovationen und gut ausgebildete Mitarbeiter als wichtiges Kapital konnte Manfred Grundke, Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, Lohr am Main, zur Hannover Messe präsentieren. Im Interview erläutert er seine Produkt- und Servicestrategie sowie die Bedeutung des Standortes Deutschland im globalen Fertigungsverbund seines Unternehmens.

VDI nachrichten: Die Bosch-Gruppe legte 2004 beim Umsatz ordentlich zu. Allein die Industriesparte erzielte dabei 5,2 Mrd. € Umsatz. Welchen Anteil hat Rexroth daran?

Grundke: Die Summe der Sparte setzt sich zusammen aus der Metalltechnologie, der Verpackungstechnik und uns. Unser Anteil hat dabei erstmals 4 Mrd. € überschritten. Wir konnten unseren Umsatz im Vergleich zu 2003 um 10,2 % auf 4,1 Mrd. € steigern.

VDI nachrichten: Sie produzieren und verkaufen sowohl Komponenten als auch Systeme. Wo liegen dabei Ihre Schwerpunkte?

Grundke: Grundsätzlich verstehen wir uns als Lösungsanbieter. In der Praxis sieht es so aus, dass Mitarbeiter von uns mit konkreten Lösungsvorschlägen zu den Kunden gehen. Schließlich ergibt nicht unbedingt die Summe der besten Einzelprodukte das beste System. Wichtiger ist es, dass die eingesetzten Komponenten für die jeweilige Anwendung bestmöglich miteinander funktionieren. Natürlich haben wir dabei das Ziel, möglichst viele unserer Produkte zu verkaufen, aber wir sind auch offen genug, andere Komponenten zu integrieren.

VDI nachrichten: Was bedeutet das für Sie auf Seite der Produkte?

Grundke: Unsere Komponenten sind so konzipiert, dass sie ein hohes Konfigurationspotenzial haben. Somit lassen sie sich individuell für die jeweiligen Anwendungen zusammenstellen. Zudem setzen wir auf offene Standards, mit denen sich auch Komponenten anderer Hersteller einbinden lassen.

VDI nachrichten: Können Sie wenigstens konkrete Beispiele für das System- bzw. Komponentengeschäft nennen?

Grundke: Als klassisches Systemgeschäft sehe ich das Moskauer Bolschoi-Theater, für welches wir 2004 den Auftrag für die Ausstattung mit komplexer Bühnentechnik gewonnen haben. Komponentengeschäfte sehe ich z. B. bei speziellen Anwendungen in mobilen Arbeitsmaschinen. Das Geschäft gibt es aber auch nur deshalb, weil wir das System, in dem die Komponenten eingesetzt werden, wirklich verstanden haben.

VDI nachrichten: Deutsche Unternehmen setzen im internationalen Wettbewerb auf Innovation. Wo sehen Sie die Stärken Ihres Unternehmens?

Grundke: Ich denke, eine innovative Lösung kann am Ende auch in eine sehr einfache Komponente münden. Die Kunst und somit Innovation besteht darin, eine Lösung mit hoher Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit zu angemessenen Kosten zu realisieren. Nicht die steigende Komplexität unserer Produkte ist unser Ziel, sondern Einfachheit und Zuverlässigkeit, aber auf gleichem technologischen Niveau.

Technisch gesehen resultieren daraus Lösungen wie unser neues Steuerungssystem, das auf offenen Standards basiert. Wir nennen diese Plattform Rexroth Automation System. Damit lassen sich Antriebe wie Motoren, Steuerungen, Hydraulik, Pneumatik, Elektrik und Mechanik unter einer einheitlichen Benutzerschnittstelle zusammenfassen. In diese Architektur können auch Produkte von anderen Herstellern problemlos eingebunden werden, wenn es der Kunde so möchte. Das ist für uns ein klares Differenzierungsmerkmal.

Wir haben zudem mit der Rexroth MTX eine neue Werkzeugmaschinensteuerung, die schneller ist als die anderen Produkte, die es in diesem Markt gibt. Auch diese repräsentiert einen offenen Standard.

VDI nachrichten: Wie sieht es in den anderen Kompetenzfeldern aus?

Grundke: Darüber hinaus sind wir Weltmarktführer für elektrohydraulische Systeme. Wobei wir bereits sehr früh auf den Einsatz von Digitalelektronik in Verbindung mit Hydraulik gesetzt haben. Das Ergebnis sind intelligente Achsen.

Ferner gehören wir zu den weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Simulation. Damit sind wir in der Lage, komplexe Lösungen schon sehr früh beurteilen zu können.

VDI nachrichten: Welchen Anteil Ihres Umsatzes investieren Sie in Forschung und Entwicklung?

Grundke: Der Anteil liegt aktuell bei 4,6 % und in Teilbereichen deutlich höher. Dazu profitieren wir von Synergien mit unserer Konzernmutter Bosch. Nominal haben wir die Ausgaben in 2004 um 3,3 % auf 150 Mio. € erhöht.

VDI nachrichten: Internationaler Wettbewerb zwingt auch Sie, in wichtigen Wachstumsregionen zu produzieren. Wie gehen Sie in Ihrem Produktionsverbund damit in der internen Kommunikation um?

Grundke: Offenheit ist einer unserer obersten Werte. Wir pflegen über verschiedene Kanäle in unserem Unternehmen einen sehr offenen Informationsfluss. So haben wir eine Initiative zur globalen Effizienzsteigerung im indirekten Bereich aufgelegt. Wir haben dann auch strukturelle Veränderungen vorgenommen – immer mit dem Ziel, das Unternehmen schneller, einfacher und wirtschaftlicher zu machen.

Wir laden unsere Mitarbeiter ein mitzumachen. Das halte ich deshalb für wichtig, weil von den Mitarbeitern oft gute Vorschläge für Verbesserungen kommen. Natürlich ist eine Veränderungsphase immer eine Zeit mit Verunsicherungen. Dennoch lässt es sich meiner Meinung nach gut hinbekommen, wenn die Mitarbeiter über die konkreten Unternehmensziele auch gut informiert sind.

VDI nachrichten: Hat das bisher Arbeitsplätze in Deutschland gesichert?

Grundke: Wir konnten im Geschäftsjahr 2004 in Deutschland immerhin 140 Arbeitsplätze schaffen. Weltweit betrachtet haben wir sogar um 2,6 % zugelegt, beispielsweise mit einem neuen Fertigungswerk in Ungarn. In diesem Jahr kommt noch eine Produktion in China, in der Türkei und eine Erweiterung in Brasilien mit weiteren Mitarbeitern dazu. Neue Arbeitsplätze entstehen derzeit im Ausland, wo wir Wachstumsmärkte sehen. Eine kurzfristige Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland ist nicht unser Ziel. Dennoch müssen wir darauf achten, dass unsere Produktion in Deutschland wirtschaftlich bleibt.

VDI nachrichten: Wie drückt sich das in Ihrer Produktionsstrategie aus?

Grundke: Wir arbeiten hier in einem weltweiten Fertigungsverbund. Dabei unterscheiden wir Leit- und Fertigungswerke, wobei die Leitwerke die Fertigungswerke führen. Leitwerke haben wir heute in der Regel in Deutschland. Dort bündeln wir unsere Kompetenz, haben wir die entsprechende Infrastruktur und treiben innovative Lösungen voran. Die Fertigung im Ausland dient dagegen dazu, neue Märkte zu erschließen und besser auf regionale Bedürfnisse reagieren zu können. Produktionstechniken sind dabei für alle Standorte einheitlich.

Mit anderen Worten: Werke im Ausland sichern die Beschäftigung im Inland – allerdings auf einem hohen Niveau. Dabei bleibt aber nicht aus, dass man die jeweiligen Standorte in einem solchen Verbund vergleicht, hinsichtlich Qualität, Know-how und Kosten. Wobei Kosten eben nur ein Teil sind.

VDI nachrichten: Sie sprachen bereits die Bedeutung von Know-how für Ihr Unternehmen an. Gibt es für Sie auch einen „Wettbewerb der Köpfe“?

Grundke: Es sieht doch so aus, dass eine technische Differenzierung etwa drei bis fünf Jahre hält. Dann haben Wettbewerber in der Regel aufgeschlossen. Bei uns ist das höchste und am wenigsten kopierbare Gut das Know-how unserer Mitarbeiter. Es ist unheimlich schwer für einen Wettbewerber, ein solches Wissen zu kopieren. Das dauert extrem lange und ist auch sehr teuer. Deswegen ist es sehr wichtig, in das Know-how sowie die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter viel zu investieren. Darin steckt ein enormes Potenzial. Für Deutschland spricht zudem, dass wir unser Wissen hier besser schützen können.

Hier in Mitteleuropa muss die technische Ausbildung insbesondere die Ingenieurausbildung auf einem sehr hohen Niveau stattfinden. Damit wir genau diese Alleinstellungsmerkmale, die wir hier vor allen anderen haben, erhalten oder noch besser ausbauen können. Damit liegen wir deutlich vor den Amerikanern und auch deutlich vor den Asiaten. MARTIN CIUPEK

Wichtige Daten

– Die Bosch Rexroth AG ist
eine 100%ige Tochter der Robert Bosch GmbH.

– Seit 1. Mai 2004 ist Manfred Grundke Vorstandsvorsitzender des Technologie-
Unternehmens.CIU

 

Von Martin Ciupek
Von Martin Ciupek

Stellenangebote im Bereich Automatisierungstechnik

ASIS GmbH-Firmenlogo
ASIS GmbH Roboter Systemprogrammierer (m/w/d) Landshut, Lüneburg
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
AGCO GmbH-Firmenlogo
AGCO GmbH Planungsingenieur (m/w/d) Technik- und Systemplanung/programmierung im Werk Traktor Marktoberdorf
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG-Firmenlogo
Jungheinrich Norderstedt AG & Co KG Projektleiter (m/w/d) Entwicklung Lithium-Ionen-Batterieladesysteme Norderstedt
A. Eberle GmbH & Co. KG-Firmenlogo
A. Eberle GmbH & Co. KG Technischer Support Spezialist (w/m/d) – Spannungsregelungs- / Kommunikations- / Fernwirktechnik für Energieversorger Nürnberg
MV Pipe Technologies GmbH-Firmenlogo
MV Pipe Technologies GmbH Ingenieur / Techniker (m/w/d) Automatisierung & Instandhaltung (Perspektive: Leiter) Wittenberge
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Systemtestingenieur E/E (w/m/d) Böblingen
Tetra Pak-Firmenlogo
Tetra Pak Production Quality Engineer – Future Talent Programme (m/f/d) Limburg
Tetra Pak-Firmenlogo
Tetra Pak Servicetechniker – Future Talent Programm (m/f/d) Hochheim
Tetra Pak-Firmenlogo
Tetra Pak Automation Engineer – Future Talent Programme (m/f/d) Limburg

Alle Automatisierungstechnik Jobs

Top 5 Automation

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.