Automation 16.10.2009, 19:43 Uhr

„Wirtschaftlich betrachtet hatten wir eine echte Sondersituation“

Nach jahrelangem Wachstum steht nun auch die Automatisierungsbranche vor neuen Herausforderungen. Was sich für sein Unternehmen geändert hat, erklärte Hartmut Pütz anlässlich der Metallbearbeitungsmesse EMO in Mailand im Gespräch mit den VDI nachrichten. Er ist seit Mitte 2009 Executive Vice President der Factory Automation, European Business Group, bei Mitsubishi Electric in Ratingen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 10. 09, ciu

Pütz: Wir treiben ja schon seit einigen Jahren die Integration der einzelnen Bereiche voran. Das war auch in Mailand Thema, also die Integration von der Steuerungstechnik, der Antriebstechnik, aber auch im Bereich der Werkzeugmaschine mit der Integration von Robotics. Zusammengefasst haben wir das unter dem Begriff „e-factory“. Neben der horizontalen Integration auf der Steuerungs- bzw. Maschinenebene gilt das für die vertikale Integration in Manufacturing Execution Systeme oder ERP-Lösungen.

Das heißt, Interessenten müssen bei Ihren Produkten immer genauer hinschauen und nachfragen, was alles dahinter steckt?

Das ist sicher der Fall, weil ja immer mehr Funktionen über Software realisiert werden, die die Integration vorantreibt.

Das Thema Energieeffizienz prägt derzeit die gesamte Industrie. Was bieten Sie zum Energiesparen an der Werkzeugmaschine?

Einige Möglichkeiten gibt es bei uns bereits und wir werden sie noch ausbauen. Auf der Antriebsseite sind es die Frequenzumrichter, die sicher einen noch stärkeren Beitrag zur Energieeffizienz von Maschinen leisten werden. Im Werkzeugmaschinenbereich – bei unseren Erodiermaschinen – sind wir noch nicht ganz so weit, wie wir es gerne sein wollen. Wir werden das aber mit Nachdruck vorantreiben.

Wie viele Neuheiten haben Sie zur EMO vorgestellt?

Insgesamt waren es ein halbes Dutzend, über die einzelnen Bereiche hinweg. Das umfasst die Factory Automation, also der klassischen Antriebs- und Steuerungstechnik, sowie die Werkzeugmaschinen, also die Erodiertechnik. Ohne jetzt einzelne Neuheiten hervorzuheben, spricht das für unsere Innovationsfähigkeit.

Die Werkzeugmaschinenbranche musste zuletzt starke Absatzeinbrüche hinnehmen. Wie stark sind Sie davon betroffen?

Ich denke, gerade im Werkzeugmaschinenbau konnte sich kein Hersteller von der Entwicklung der letzten zwölf Monate abkoppeln. Das war teilweise eklatant, gerade in Bereichen, die ihren Fokus auf die Automobilindustrie gelegt hatten. Da ist der Absatz regelrecht eingebrochen, weil Aufträge nicht nur geschoben, sondern einfach komplett storniert wurden.

Wenn unsere Kunden einfach keine Maschinen mehr verkaufen, sind unsere Möglichkeiten, da entgegenzuwirken, gering. Etwas geholfen hat uns allerdings, dass wir uns nicht allein auf den Hardwareverkauf konzentriert haben, sondern auch im Service aktiv sind. Dadurch haben wir den dramatischen Einbruch noch etwas abgefedert.

Sprechen Sie beim Thema Service vorwiegend von Wartung und Instandhaltung oder auch von Retrofitting?

Im Wesentlichen sprechen wir von der Instandhaltung bestehender Systeme. Selbst der Bereich Retrofitting bei Antrieben und Steuerungen wurde gerade in der Automobilindustrie nahezu vollständig auf Eis gelegt. Die Bereiche, die nicht so stark am Automobil hängen, wie die Verpackungstechnik und die erneuerbaren Energien, hatten dagegen geringere Einbrüche.

Wie kann man als Automatisierungsanbieter darauf reagieren?

Rein wirtschaftlich betrachtet hatten wir eine echte Sondersituation. In der Vergangenheit wurden auch in schwierigen Situationen Investitionen getätigt, wenn wir innovative Lösungen mit einem entsprechenden Wirtschaftlichkeitsnachweis erbringen konnten. Aber gerade im Automobilbereich fehlte zuletzt einfach das Geld für solche Investitionen, egal wie die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Lösung gewesen ist. Daher sind unsere Einflussmöglichkeiten in dem Fall eher begrenzt. Da konnten wir nur reagieren, indem wir auf die Kosten geschaut haben, um die Phase, die jetzt hinter uns liegt, einigermaßen zu überstehen.

Sie gehen also davon aus, das die Talsohle jetzt erreicht ist?

Ja, davon gehen wir aus. Es wird wohl noch ein paar Monate auf dem Niveau bleiben, bevor es in drei bis sechs Monaten wieder langsam aufwärts geht. Die Wachstumsraten, die wir in der Vergangenheit über Jahre hinweg hatten, werden dabei allerdings nicht mehr ohne Weiteres zu erzielen sein. Da werden wir uns mit Raten im niedrigen einstelligen Bereich zufriedengeben müssen.

Welchen Einfluss auf ihr Geschäft erwarten Sie durch die neue Regierung?

Ich denke, dass dadurch die Investitionsbereitschaft deutlich gestärkt werden kann. Auch für uns als Zulieferer erwarte ich daraus gute Möglichkeiten. Tendenziell sind ja durch das Wahlergebnis eher wirtschaftsfreundlichere Entscheidungen zu erwarten, als Entscheidungen, die ein mageres Wachstum noch behindern würden.

M. CIUPEK

Von M. Ciupek
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