Interview: Automation & Robotik 06.07.2012, 11:00 Uhr

„Wir müssen dem Markt zuhören, damit wir den Zug nicht verpassen“

Die Geschäfte in der Automation und Robotik laufen derzeit gut. Davon profitiert auch die Schunk Spann- und Greiftechnik, Lauffen/Neckar. Im Interview spricht Henrik A. Schunk, Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, über die aktuellen Herausforderungen in der Grundlagenforschung, bei neuen Kunden und weltweiten Strategien.

Der Bereich Greifsysteme verzeichnet ein starkes Wachstum.

Der Bereich Greifsysteme verzeichnet ein starkes Wachstum.

Foto: Schunk

VDI nachrichten: Laut VDMA-Fachverband Robotik und Automation hat die Branche 2011 gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum von 35 % erzielt. Wie sieht es bei Schunk aus?

Schunk: Mit 39 % Wachstum lag Schunk über diesem Wert. Betrachten wir nur unseren Bereich Greifsysteme, kamen wir sogar auf über 40 %. Bei der Spanntechnik war es etwas weniger. Der Auftragseingang wiederum lag noch gut fünf Prozentpunkte höher.

Wie bewältigen Sie so ein Wachstum, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es im Maschinenbauzyklus auch immer wieder Abschwünge gibt?

In der heutigen volatilen Zeit kann es immer vorkommen, dass man von heute auf morgen veränderte Bedingungen vorfindet. Im Moment jedoch kann ich keinen Abschwung erkennen. Die Stimmung bei unseren Kunden ist sehr positiv. Das konnten wir Ende Mai auf der Branchenmesse Automatica erleben. Maschinen- und Anlagenbauer, die mit der Automobilindustrie zu tun haben, sind bis Mitte kommenden Jahres ausgelastet. Und auch die Prognosen zum Bruttoinlandsprodukt für 2013 sind gut. Damit hätten wir wieder vier wachstumsstarke Jahre hintereinander.

Nach den Erfahrungen von 2009 kann man sicher sagen, dass wir vorsichtiger geworden sind und eher auf Sicht agieren. So haben wir 2010 und 2011 die personellen Ressourcen nicht schlagartig angehoben. Stattdessen lag unser Fokus auf der Prozessoptimierung. Mit dieser Strategie sind wir gut gefahren. Flexibilität ist heutzutage in einem solchen komplexen Umfeld eine wesentliche Managementaufgabe. Denn wenn beispielsweise Lieferfristen nicht eingehalten werden, werden Sie als Unternehmen sofort abgestraft.

Wie sieht es im Exportgeschäft bei Schunk aus?

Unser Heimatmarkt ist Europa. Hier sehen wir weiterhin Wachstumspotenzial. Zudem sind wir stark in Nordamerika vertreten, wo die Geschäfte – getrieben von der Automobilindustrie – sehr gut laufen. Dort ist die Industrie wieder zurück und weiß, dass sie in Sachen Wettbewerbsfähigkeit mehr tun muss. In China hingegen ist Schunk nicht so stark. Dort sehen wir großes Potenzial, erwarten aber auch, dass wir schon bald mit ernst zu nehmenden Wettbewerbern konfrontiert werden.

Wie bewerten Sie die Konkurrenz aus Asien, insbesondere seitens Foxcon, die eine erhebliche Anzahl an Robotern herstellen wollen – es sollen 1 Mio. Stück werden?

Schunk ist ja kein Roboterhersteller, sondern ein Modullieferant für Spanntechnik und Greifsysteme sowie ein Systemanbieter für Greifarme und Lasertechnik. Aus der Ferne kann ich nicht sagen, wie realistisch die angekündigte Zahl ist. Aber hinter derartigen Verlautbarungen steckt immer ein Stück Wahrheit. Das Positive für die Roboterhersteller, aber auch für Schunk als Modulspezialisten ist, dass sich daraus enorme Chancen ergeben.

Da müssen wir dem Markt zuhören, damit wir den Zug nicht verpassen. Wir müssen uns fragen, welche Gründe es für solche Unternehmen gibt, hier selbst tätig zu werden. Wenn wir den Bedarf erkennen, können wir darauf reagieren.

Läuft hier in Deutschland und Europa in dieser Hinsicht alles gut, oder lässt sich da noch was verbessern?

Die Roboterförderung in Europa ist für mich ein zentraler Punkt, um gegenüber aufstrebenden asiatischen Wettbewerbern mit riesigen personellen und finanziellen Ressourcen konkurrenzfähig zu bleiben. Bei uns gibt es die besten Ingenieure und eine hervorragende akademische Basis. Dieses hohe Bildungsniveau muss verstärkt auch durch Mittel der Europäischen Kommission gefördert werden.

Europa kann seine Position nur mit einer starken Produktionslandschaft halten. Diese wiederum wird es nur mit einer starken Automatisierungslandschaft geben. Die Robotik ist der Schlüssel dazu. Bei United Robotics sind wir im Moment sehr zufrieden, wie sich der Markt entwickelt.

Reicht es da, mit guter Technik zu

überzeugen?

Nein, die Bedeutung, sich auch politisch zu positionieren, hat für unsere Branche deutlich zugenommen. Es müssen noch mehr Industrievertreter mitmachen und aufzeigen, wie wichtig das Thema der Produktionsautomatisierung für Europa ist.

Wir brauchen eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Industrie und akademischer Basis. Und wir müssen hinsichtlich der Marktbedürfnisse noch genauer hinhören, was gebraucht wird.

Denn eine Wow-Innovation ist, wenn der Markt „Hurra“ ruft. Wir müssen schauen, dass wir Grundlagenforschung und Marktbedürfnisse in den Produkten zur Anwendung bringen, aus denen die Gesellschaft insgesamt einen Nutzen ziehen kann.

Von Martin Ciupek

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