Automation 17.04.2009, 19:40 Uhr

„Wir haben in vielen Bereichen die globale Produktverantwortung“  

Wie sich Moeller ein Jahr nach der Übernahme durch Eaton aufgestellt sieht und was das für den Hannover-Messe-Auftritt 2009 bedeutet, beschreibt Richard Boulter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Moeller, Bonn, gegenüber den VDI nachrichten. VDI nachrichten, Bonn, 17. 4. 09, ciu

Boulter: Ja, nachdem die Übernahme im April 2008 perfekt war, hatten wir nur noch knapp zwei Wochen bis zur Messe. Das war nicht mehr realistisch. Jetzt hatten wir ein Jahr Zeit und werden entsprechend mit Eaton und Moeller in Hannover auftreten. Das heißt, dass wir nicht nur mit dem größten Teil „Eaton Electrical“ auftreten, sondern auch mit anderen Geschäftsbereichen. Beispielsweise hatte auch der Bereich Hydraulik Interesse, dort vertreten zu sein. Die Kollegen werden also auch auf unserem Stand präsent sein.

Wird es weiter bei einer klaren Trennung der Marken Moeller und Eaton bleiben?

Wir haben unsere Markenstrategie sehr genau überdacht. Als Erstes haben wir unsere Kunden nach dem Bekanntheitsgrad von Moeller, Eaton und anderen Eaton-Gesellschaften gefragt. In Deutschland und Europa hat Moeller ganz klar einen hohen Bekanntheitsgrad, der insbesondere mit hoher Qualität, Produktinnovation und Liefertreue verbunden wird. Das ist uns sehr wichtig.

Allerdings hat Eaton auch das Ziel, überall auf der Welt als ein Unternehmen aufzutreten, mit einheitlichen Prozessen, Bewertungsmaßstäben, usw. Unsere Entscheidung ist, dass wir intern beginnen, Strukturen anzupassen. Dafür nehmen wir uns Zeit. Auf der Hannover Messe werden Sie aber auch schon sehen, dass wir Eaton und Moeller gemeinsam präsentieren, um die Zusammengehörigkeit deutlich zu machen.

Wir werden nach einiger Zeit erneut fragen, wie die Wahrnehmung ist. Wird Eaton dann mit den gleichen positiven Eigenschaften verbunden wie Moeller? Auf längere Zeit denken wir schon, dass wir beide gleichermaßen positionieren können und es irgendwann eine einheitliche Marke geben wird. Aber wir werden da nichts übers Knie brechen.

Wann soll die Integration abgeschlossen sein?

Eaton hat in der Vergangenheit ja bereits mehrere Unternehmen akquiriert und erfolgreich integriert. Dabei geben wir uns immer einen Zeitrahmen ab dem „Closing“ von drei Jahren. Dann soll das akquirierte Unternehmen ein vollständiger Teil von Eaton sein. Im Fall Moeller haben wir einen aktiven Plan, der über zwei Jahre läuft. Wir wollen also bis April 2010 mit der Integration substanziell fertig sein.

Das wäre dann zur nächsten Hannover Messe?

Richtig!

Geschäfte sind weltweit quer durch fast alle Branchen eingebrochen. Ist es da beruhigender, nun zu einem Technologiekonzern zu gehören, als wie zuvor in Besitz einer Investorengruppe zu sein?

Aus Moeller-Sicht haben wir beides kritisch angeschaut. Man muss sagen, dass die Ziele einer Investorengruppe und die Ziele eines strategischen Eigentümers unterschiedlich sind. Ich denke, als Moeller zu den – es waren ja zwei – Private-Equity-Unternehmen gehört hat, war das damals das Richtige. Moeller war finanziell in einer schwierigen Situation und wurde durch die Unterstützung wieder zu einer positiven Rendite geführt.

Aus Eaton Sicht war es dann gut, mit Moeller ein entsprechend stark aufgestelltes Unternehmen zu übernehmen. Als strategischer Eigentümer hat Eaton jetzt natürlich einen anderen Blick auf Moeller. Wir stecken mit allen Eaton-Bereichen, also auch Moeller, genauso wie unsere Wettbewerber in schweren Zeiten. Wir denken aber sehr langfristig, das gilt für Eaton ebenso wie für Moeller. Das ist sicher sehr positiv für die Langlebigkeit unserer Produkte und auch für die Motivation unserer Mitarbeiter.

Allerdings dürfte der Druck nun steigen, durch Synergien Kosten zu senken?

Wir haben ja noch ein Jahr, um die Integration abzuschließen und Synergien zu nutzen. Wir sind da auf fünf Bereiche fokussiert. Das sind: Vertrieb, Entwicklung, Produktion, Einkauf und allgemeine Kosten. Allerdings zielt unsere Strategie im Wesentlichen weniger darauf, Kosten zu sparen, sondern Märkte besser zu erschließen. Es geht darum, Geschäfte zu komplementieren und beispielsweise Eaton-Produkte über einen flächendeckenden Moeller-Vertrieb an die Kunden zu bringen. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt, zum Beispiel für den nordamerikanischen Raum.

Beide Unternehmen ergänzen sich sowohl von den Produkten als auch vom Vertrieb her sehr gut, sodass es weniger darum geht, gravierende Kostensenkungen durch Zusammenlegung von zwei Einheiten zu erreichen, sondern eher um die Verbesserung von Wachstumschancen.

Konkret haben wir beispielsweise im Vertrieb bereits die klassischen „Eaton Electrical“-Vertriebseinheiten und die Moeller-Vertriebsgesellschaften miteinander vernetzt – nach dem Motto „One voice to the customer“. Organisatorisch hat der Kunde vor Ort dann eine Landesgesellschaft, mit der er Kontakt aufnimmt, anstatt manchmal vielleicht zwei. Dann heißt es nicht „entweder Eaton oder Moeller“, dann gibt es beides.

Wir haben in unseren Landesgesellschaften im Vertrieb über 2300 Mitarbeiter bei Moeller und im Vertrieb bei Eaton etwa 120 Mitarbeiter. Da wird schon deutlich, dass Moeller einen wesentlich flächendeckenderen Vertrieb quer durch ganz Europa hat. Insgesamt sehe ich dabei höchstens eine Überlappung bei 20 oder 30 Stellen bei insgesamt über 2400 Mitarbeitern – also gerade einmal etwa ein Prozent. Das zeigt, wie gut wir uns ergänzen.

Wie sieht das auf der Produktseite aus?

Wir haben in vielen Bereichen die globale Produktverantwortung. Dazu wird es einige Produkte in Hannover zu sehen geben. In den wenigen Bereichen, wo es Überlappungen gab, haben wir uns mit den Beteiligten zusammengesetzt und sämtliche Vor- und Nachteile diskutiert. Dann fiel die Entscheidung für die bessere Lösung. Oft war es die von Moeller.

Konkret haben wir die Produktverantwortung für alle IEC-Produkte wie Kompaktleistungsschalter (MCCB), Leitungsschutzschalter (MCB), Motorschutzschalter, Leistungsschütze, Frequenzumrichter, Befehls- und Meldegeräte, Produkte für die Sicherheits- und Steuerungstechnik sowie Produkte für die Gebäudeautomatisierung und Energieverteilung.

Aber auch was die Lieferkette angeht, konnten wir große Erfolge erzielen. Durch das gemeinsame Einkaufsvolumen sind wir für viele Lieferanten noch interessanter geworden und konnten so für uns positive Konditionen neu verhandeln. Das betrifft Kosten ebenso wie Lieferbedingungen.

Energieeffizienz bekommt als branchenübergreifendes Zukunftsthema immer mehr Gewicht. Wie sind Sie mit Moeller und Eaton da aufgestellt?

Das läuft bei uns vorwiegend unter dem Konzept „X-comfort“ mit unserem „housemanager“ und „roommanager“. Durch Implementierung innovativer Sensortechnik und Energieerfassungstechnik ermöglichen wir es hier erstmals, ein Bewusstsein für den konkreten Verbrauch beim Anwender zu schaffen. Unsere Produkte zeigen dabei an, wofür die Energie gebraucht wird und können Alternativen sowie deren Auswirkungen auf den Energieverbrauch darstellen. Das kann beispielsweise dahin gehen, dass der Nutzer die Empfehlung bekommt, Geräte mit einem höheren Stromverbrauch in Zeiten mit günstigeren Tarifen zu betreiben, oder wo es Sinn macht, elektrische Geräte komplett vom Netz zu trennen, usw.

Die Verbrauchserfassung und interne Analyse wird also zur Planungsgrundlage für die Energieoptimierung?

Richtig, genau so ist das.

Gibt es so etwas auch für die Industrieautomatisierung?

Auch im Industriebereich bieten wir immer mehr Produkte, die das Ziel verfolgen, den Energieverbrauch zu senken. In Hannover werden wir beispielsweise eine komplett neue Palette an Antrieben und Motorsteuerungen zeigen, die einen reduzierten Energieverbrauch haben. Seitens Eaton haben wir andere Produkte, wie Schienensysteme, die gegenüber den üblichen Kabelsystemen deutlich weniger Verlustleistung haben. Da erreichen wir also eine Wirkungsgradverbesserung – das ist auch Energiemanagement. Dann haben wir auch das Thema ganzheitliche Steuerung, etwa für den Maschinenbau, wo es ebenfalls darum geht, den Energieverbrauch zu senken und die Effizienz zu steigern.

War das auch ein Ansatz bei Ihrem neuen Kommunikationssystem SmartWire-Darwin?

Der Ansatz der Diagnosefähigkeit in diesem Bereich ging eher in die Richtung, die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen, also einen Hinweis zu bekommen, ob man bei einer Zustandsänderung die Anlage noch weiterfahren kann oder ob Komponenten auszutauschen sind. Außerdem geht es darum, eine Vereinfachung für den Anlagenbauer zu erreichen, in dem wir die komplexere traditionelle Verkabelung durch eine Flachbandleitung ersetzen. Die lässt sich mit einem einfachen Werkzeug kontaktieren. Außerdem lässt sich damit eine Fehlerquelle schneller finden.

Deutsche Unternehmen sehen ihre Stärke gerne in der Technologieführerschaft. Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen des Standorts Deutschland in Bezug auf Moeller?

Die Stärke sehe ich auch in der Technologieführerschaft. Diesen Anspruch müssen wir auch weiter verfolgen. Wie wir teilweise schon angesprochen haben, werden Sie in Hannover unser neues System SmartWire-Darwin sehen, Sie werden ebenfalls ein komplett neues Leistungsspektrum in Sachen Sicherheit sehen. Und es wird eine komplett neue Antriebstechnikreihe geben. In der Gebäudeautomation werden Sie schließlich digitale FI-Schalter sehen. Das alles sind Innovationen, die aus dem deutschen oder zumindest aus dem westeuropäischen Raum kommen, wie Österreich.

Den Standort Deutschland zu sichern, geht für mich in zwei Richtungen: Einmal, immer ein Stück weit bei der Technologie führend zu bleiben und dann natürlich auch produktiv zu sein. Da haben wir eine klare Strategie, unsere Kernkomponenten für Motoranwendungen in Deutschland zu bauen und jene für die Gebäudeautomation in Österreich. Um das wirtschaftlich zu machen, setzen wir auf Automation, die gleichzeitig wichtig ist, um unsere Qualität zu halten. Einfachere Komponenten fertigen wir auch in Europa, dann aber in Niedriglohnländern, wie etwa Rumänien. MARTIN CIUPEK

Von Martin Ciupek
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