Automation 27.06.2008, 19:35 Uhr

„Wir sind die führende Nation auf diesem Gebiet“  

VDI nachrichten, Bad Pyrmont, 27. 6. 08, ciu – Jahrelang war er für die Automatisierungstechnik im Siemens-Konzern zuständig – als Vorsitzender im Bereichsvorstand und später als Mitglied im Zentralvorstand. Auf einem Innovationskongress in Bad Pyrmont sprach Prof. Klaus Wucherer mit den VDI nachrichten über die Entwicklung der Branche und seine neue Funktion als interner Berater.

Wucherer: Deutschland hat sich in der Automatisierungstechnik eine führende Rolle erarbeitet. Zahlreiche deutsche Hersteller sind seit langer Zeit am Weltmarkt etabliert und geben gemeinsam mit unseren exportstarken Kunden, etwa aus Automobilproduktion, Chemie und Maschinenbau, international den Ton an.

VDI nachrichten: Teilen Sie die Einschätzung Gunther Kegels vom ZVEI-Fachverband Automation, dass deutsche Anbieter in Teilbereichen der Automation trotz hoher Eurokurse in den USA dennoch erfolgreich sind, weil es dort kaum noch einheimische Wettbewerber gibt?

Wucherer: Die gibt es schon – beispielsweise sind Rockwell, Emerson und Honeywell potente Wettbewerber. Aber ich stimme Gunther Kegel gleichwohl zu, denn wir sind in der Tat die führende Nation auf diesem Gebiet.

VDI nachrichten: Woher kommt diese Stärke?

Wucherer: Nun, wir haben einerseits den großen Vorteil, die großen Industrien im eigenen Land vorzufinden, und andererseits beschränken wir uns bei der Markterschließung nicht auf Europa, sondern sind global tätig.

Die Basis für diese Internationalität ist übrigens, dass wir uns nicht nur auf dem Hochleistungssektor spezialisieren, sondern auch in Niedrigpreissegmenten aktiv sind, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf Dauer werden sich die Anbieter durchsetzen, die den Kunden den höchsten Zugewinn an Produktivität liefern und diese global begleiten können.

VDI nachrichten: Nach der Umstrukturierung der Siemens AG und Ihrem dadurch bedingten Ausscheiden aus dem Zentralvorstand stehen Sie dem Unternehmen als Berater zur Seite. Welche Aufgaben haben Sie nun?

Wucherer: Ich werde bald 64 Jahre alt und da ist die Stabübergabe an Jüngere wohl ein natürlicher und sinnvoller Vorgang. Das Angebot, noch zwei weitere Jahre als Berater für Siemens tätig zu sein, habe ich aber gerne angenommen. Hierbei kann ich meine Erfahrung auf der technischen Innovationsseite einbringen und die Bildung des neuen Sektors Industry unterstützen. Auch meine Kundenkenntnisse in Asien stelle ich dabei zur Verfügung.

VDI nachrichten: Nun haben Sie bereits 1996, damals noch als Vorstand des Siemens-Bereichs Automatisierungstechnik, den heute vorherrschenden Gedanken der Integration mit dem Begriff „Totally Integrated Automation“ geprägt. Wie bewerten Sie den damaligen Stand der Technik im Vergleich mit dem heute erzielbaren Automationsgrad?

Wucherer: In der Weiterentwicklung hatten wir den riesengroßen Vorteil, dass wir mit den fortschreitenden Technologien zunehmend neue Software-Tools zur Verfügung hatten. So lassen sich heute mittels eines durchgängigen Datenmanagements alle Systeme miteinander vernetzen. Die Automatisierung ist aus der Integration einzelner Produkte und Technologien zu einer Einheit ohne Systembrüche gewachsen. So kann man sagen, dass die 1996 gemachte Vorhersage eingetroffen ist: Wir steigern die Produktivität unserer Kunden ganzheitlich und gewähren dabei mit offenen Standards den optimalen Schutz ihrer Investitionen.

VDI nachrichten: Was ist da in Zukunft noch zu erwarten?

Wucherer: Die nächste Dekade wird von der Konvergenz von Produktentwicklung und Produktion geprägt sein. Wir arbeiten jetzt an einer vollständigen Integration der gesamten Wertschöpfungskette bei der industriellen Produktion – von der Design-Entwicklung über die Simulation der Fertigungsumgebung bis hin zur realen Fertigung. Auf dieser Basis wird Siemens mit der mechatronischen Verschmelzung von Hard- und Softwaretechnologien maßgeblich die Zukunft der Produktion gestalten.

VDI nachrichten: Mit der Übernahme von UGS im vorigen Jahr untermauert Siemens seinen Anspruch, Produkt- und Produktionsplanung mit der Fabrikation in Einklang zu bringen. Welche Auswirkungen hat das für die Praxis?

Wucherer: Hinter allem steht zum einen, wie 1996 auch, das Ziel, rund 25 % der Produktionskosten zu senken. Zum anderen ermöglichen wir unseren Kunden, schneller mit den richtigen Produkten am Markt zu sein. Auch ganze Produktionsanlagen können unsere Kunden künftig vor ihrem Bau simulieren und optimieren. Wenn wir Produktplanung und Produktion auf der Basis von offenen Standards synchronisieren, können unsere Kunden ihre Markteinführungszeiten um bis zu 50 % verkürzen. Mit kollaborativem Datenmanagement ermöglichen wir es zudem, diese Vorteile auf globaler Basis – etwa bei weltweit verteilten Entwicklungs- und Produktionsnetzwerken mit Partnern – umzusetzen.

VDI nachrichten: Aber steht der Umsetzung dieser Zielvorgabe nicht entgegen, dass gerade große Unternehmen noch häufig von einem starken Abteilungsdenken geprägt sind?

Wucherer: Diese Herausforderungen gibt es in Großunternehmen ebenso wie in mittelständischen Betrieben und übrigens auch an Universitäten. Alle Erfolgreichen haben aber das Abteilungsdenken über Bord geworfen. Nehmen Sie zum Beispiel die Mechatronik: Erfolg hat nur der, dem es gelingt, Maschinenbau und Elektronik zusammenzubringen. Hier ist quasi-simultanes Vorgehen angesagt, kein serielles Nacheinander. Und das lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen.

VDI nachrichten: Einmal abgesehen vom technischen und wirtschaftlichen Erfolg der Automation: Wie beurteilen Sie den sozialpolitischen Aspekt des ständigen Rationalisierens?

Wucherer: Es gab bereits in den 80er-Jahren eine Diskussion in der Öffentlichkeit, dass Automatisierung Arbeitsplätze koste. Doch heute wissen wir längst, dass das Gegenteil der Fall ist. Kostengünstige Produkte hoher Qualität, die früher nur wenigen zugänglich waren, konnten nur mittels automatisierter Arbeitsvorgänge hergestellt werden – zum Nutzen der Verbraucher und Arbeitsplatzbeschaffer.

Arbeitskosten sind eben nicht das einzige Moment, das man bei der gesellschaftlichen Bewertung der Automatisierungstechnik betrachten muss. Ein wichtiger Aspekt, der gerne vernachlässigt wird, ist die Sicherheit – etwa in der chemischen Industrie, aber auch in der Fertigung. Dass gefährliche Arbeiten durch Automatisierung sicherer geworden sind, ist für mich eine echte Errungenschaft. L. WALLERANG

  • Lars Wallerang

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