19.01.2001, 17:28 Uhr

Unterhaltungsautomaten fallen zurück im Boom der Freizeitwirtschaft

4,4 % weniger Unterhaltungsautomaten als im Vorjahr wurden 2000 in Deutschland abgesetzt. Bei den Geld- Gewinn-Spielgeräten gab es zwischen 1990 und 2000 einen Rückgang von über 32 %. Auf der Messe IMA vom 16. bis 19. Januar 2001 in Nürnberg herrschte trotzdem Zuversicht.

Paul Gauselmann, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI), Berlin, und erfolgreicher Automatenhersteller in Espelkamp/Westfalen, sieht seine Branche in einer kritischen Situation. Die in der politischen Diskussion stehende Novellierung der Spielverordnung sei jetzt von entscheidender Bedeutung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)habe erkannt, dass sich die Unterhaltungsautomatenwirtschaft seit Jahren in einer schwierigen Lage befinde. Auch die Regelungen anderer europäischer Länder sollten bei einer Novellierung in Deutschland Berücksichtigung finden.
Auf der 21. Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten IMA, vom 16. bis 19. Januar 2001 in Nürnberg, appellierte er an die Verantwortlichen in den Landeskabinetten und an die Bundesregierung, die notwendigen Änderungen des gewerblichen Spielrechtes schnellstmöglich über die parlamentarischen Hürden zu bringen, um damit der deutschen Automatenwirtschaft die notwendigen und dringend benötigten Entwicklungsperspektiven zu geben.
Im September des letzten Jahres sei schon ein gemeinsamer Vorschlag der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und des VDAI zur Änderung des §13 Spielverordnung vorgeleg worden.
„Jede unnötige Verzögerung des parlamentarischen Beratungsprozesses führt dazu, dass weitere und dramatisch negative Auswirkungen nicht mehr zu verhindern sind. Dies bedeutet dann weiteren Kapazitätsabbau bei den Herstellern und weiteren Arbeitsplatzverlust“, so Paul Gauselmann.
In diesem Zusammenhang erinnerte der Vorsitzende des VDAI auch an die Novellierung des Jugendschutzgesetzes und an eine neue gesetzliche Regelung des § 33d Gewerbeordnung unter dem Stichwort „Andere Spiele“. Hier müssten bestehende Abgrenzungsprobleme gesetzlich so normiert werden, dass die tatsächliche Aufstellung dieser Automaten auch wirtschaftlich sinnvoll ermöglicht werde.
Eckpfeiler des gewerblichen Spiels in Deutschland sind Geräte mit Gewinnmöglichkeit. Rund 50 % aller hierzulande aufgestellten Unterhaltungsautomaten bieten die Chance zum Geldgewinn. Für die Unternehmer erwirtschaften diese Automaten allerdings, in Spielstätten und Gaststätten aufgestellt, 75 % bis 80 % der Einnahmen. Die restlichen Einnahmen werden über Sportspielgeräte, Flipper, Punktespielgeräte, Videospielgeräte und neuerdings mit Touch-Screen-Produkten sowie Fun-Games erzielt. Musikautomaten haben auf Grund ihrer geringen Stückzahl kaum noch Marktbedeutung.
Gauselmann beklagt, dass das gewerbliche Geld-Gewinn-Spiel auf Eckdaten basiert, die seit 1953 nicht mehr reformiert wurden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie habe eine Studie zu den rechtlichen Rahmenbedingungen des gewerblichen Geldgewinnspiels in Europa eingeholt. Die Berücksichtigung der Regelungen in anderen europäischen Ländern habe dabei gezeigt, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland „absolut antiquiert“ – so Gauselmann – seien.
Er sieht die Spieldauer als entscheidend an. Ist die Spieldauer in vergleichbaren europäischen Ländern im Schnitt bei 3 bis 5 s angesiedelt, beträgt die Mindestspieldauer in Deutschland hingegen 15 s. Bei dieser Mindestspielzeit und maximal 40 Pfennig Einsatz pro Spiel könnten in einer Stunde maximal 96 DM eingesetzt werden. Nach Abzug der Auszahlquote bleibt nur ein kleiner Rest in der Kasse der Aufstellunternehmen.
Im Vergleich dazu können Slot-Machines in den Automatensälen der staatlich konzessionierten Spielbanken je nach Gerätetyp zwischen 1200 und 108 000 DM in der Stunde schlucken.
Obwohl die Bürger in Deutschland für ihre Freizeit immer mehr Geld ausgeben und der Glücksspielmarkt insgesamt in den letzten fünf Jahren um 14 % gewachsen ist, reduzierte sich die Zahl der aufgestellten Geld-Gewinn-Spiel-Geräte in Spielstätten und Gaststätten in den letzten zehn Jahren.
Zu dem feststellbaren allgemeinen Attraktivitätsverlust kommt auf kommunaler Ebene punktuell eine hohe Vergnügungssteuerlast hinzu. Ob die rechtlich haltbar ist, kann zumindest juristisch in Zweifel gezogen werden. Der Bundesfinanzhof hat festgestellt, dass die Vergnügungssteuer zu keiner erdrosselnden Wirkung führt und sich als faktisches Verbot auswirken darf. Gauselmann: „Einen verfassungswidrigen Verbotscharakter hat die Spielgerätesteuer mithin dann, wenn aufgrund dieser Steuer in Hamburg das Aufstellen von Spielgeräten mit Gewinnmöglichkeiten in Spielhallen für einen durchschnittlichen Betreiber in aller Regel unwirtschaftlich ist“.
Die Summe der strukturell schwierigen Rahmenbedingungen hat dazu geführt, dass die Zahl der Neuzulassungen für Geld-Gewinn-Spiel-Geräte von 1990, dem Jahr der Wiedervereinigung, von 91 331 auf 61 394 im Jahr 2000 zurückgegangen ist. Dies entspricht einem Minus von 32,78 %.
Der VDAI weist daraufhin, die Konferenz der Wirtschaftsminister der Länder habe vor diesem dramatischen und besorgnis erregenden Sachverhalt im Mai 2000 den dringenden Änderungsbedarf bei der Spielverordnung bestätigt und gewünscht, dass dem gewerblichen Spiel Perspektiven gegeben werden müsse, um im Wettbewerb mit dem öffentlich-rechtlichen Spiel und dem Spiel im Internet bestehen zu können.
So ist auch die Zahl der in Deutschland aufgestellten Musik-, Sport- und Unterhaltungsautomaten mit und ohne Geldgewinn im Jahr 2000 weiter rückläufig gewesen. Zum Jahresende waren insgesamt 420 000 Automaten aufgestellt. Dies resultiert primär aus dem Abbau von Unterhaltungsautomaten mit Geldgewinnmöglichkeit im Gastronomiebereich. Nach einer Hochrechnung des VDAI waren am 31. Dezember 2000 nur noch 197 000 Geld-Gewinn-Spiel-Geräte in Spielstätten und Gaststätten in Deutschland aufgestellt.
Trotz rückläufiger Gerätezahlen, schwächer werdender Einnahmen, hohen Vergnügungssteuern sowie dem wachsenden Konkurrenzdruck auf dem Glücksspielmarkt sieht der Vorsitzende des VDAI, Paul Gauselmann, Zukunftschancen, wenn die formulierten gesetzlichen Änderungen Realität werden. Für Paul Gauselmann hat die Freizeitwirtschaft dann auch Wachstumspotenziale beim gewerblichen kleinen Spiel. DAI/KÄM

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