Automatisierung 04.02.2011, 19:51 Uhr

Sprachtechnologie-Einsatz ist eine Frage der Akzeptanz

Klare Bedienstrukturen erleichtern nicht nur den Umgang mit technischen Geräten, sie helfen auch Bedienfehler zu vermeiden. Eine universelle Lösung für industrielle Anwendungen gibt es dabei nicht. Allerdings gibt es inzwischen viele Möglichkeiten bereits in der Produktentwicklung auf unterschiedliche Anwenderbedürfnisse einzugehen.

Wenn es im Arbeitsalltag hektisch wird, erschweren Geräte mit unterschiedlichen Bedienstrategien den Nutzern ihre Tätigkeit noch zusätzlich. Das gilt insbesondere dann, wenn sich die Anwender an Geräten häufig abwechseln. Dennoch sind einheitliche Benutzerführungen heute eher eine Seltenheit. Das ändert sich jedoch allmählich.

Einen wichtigen Schritt, um hier Abhilfe zu schaffen, hat beispielsweise der Laborgerätehersteller Eppendorf aus Hamburg mit einem produktübergreifenden Konzept für die Bedienung unterschiedlicher Geräte gewagt. Denn gerade im Laborbereich gelten nutzergerechte und intuitiv zu bedienende Geräte auch als Garant dafür, Anwendungsfehler zu vermeiden.

Obwohl das Produktspektrum des Herstellers von einfachen Geräten wie Mischern bis hin zu komplexen Geräten wie Photometern reicht, wurde hier das Ziel verfolgt, die Eingabe von wenigen Parametern genauso zu unterstützen wie die Eingabe einer Vielzahl an Parametern. Systematisch wurde dazu der Ansatz einer einheitlichen Bedienung in der Produktentwicklung umgesetzt. Aufmerksamkeit erregte Eppendorf damit nicht nur bei seinen Kunden, sondern in der Automatisierungstechnik im Allgemeinen. Denn das Unternehmen erhielt Ende 2010 den „Useware“-Preis der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) für nutzergerechte Gestaltung von innovativer Technik.

Useware steht als Sammelbezeichnung für alle Hard- und Softwarekomponenten, die der Benutzung von technischen Systemen dienen. Mehr noch: Mit dem Begriff ist eine Fokussierung der Technikgestaltung auf menschliche Fähigkeiten und Bedürfnisse bezüglich der Mensch-Maschine-Schnittstelle verbunden. Die intuitive Bedienung ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Die Kunst liegt aber darin, dem Menschen weiterhin eine gewisse körperliche und geistige Betätigung abzuverlangen.

Laut GMA-Geschäftsführer Dieter Westerkamp wird das Bedienkonzept immer wichtiger, denn die Geräte werden immer multifunktionaler, leistungsfähiger, kleiner und vernetzter. Beispiele dafür sind Geräte für die mobile Kommunikation, wie Handys und Blackberrys. Dabei falle es nicht nur älteren Menschen es immer schwerer, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, zumal die Entwicklungszyklen immer kürzer werden. Anstatt ihre Aufgaben fehlerfrei und schnell zu erledigen, werde so häufig das Gegenteil erreicht: Nutzer werden überfordert. Viele Unternehmen erkennen derzeit die Probleme und geben der nutzergerechten Produktgestaltung wieder einen höheren Stellenwert.

Zwar schauen einige Automatisierungsexperten, wie zuletzt auf der Messe SPS/IPC/Drives in Nürnberg, dabei neidisch auf die intuitive Bedienbarkeit, wie sie von Apple für den Tablettcomputer „iPad“ realisiert wurde. Bei aller Begeisterung für das Bedienkonzept erscheint die proprietäre Technik im Hintergrund allerdings für die Automatisierer nicht praktikabel.

Dabei bietet auch das Industriedesign Möglichkeiten, die Nutzerfreundlichkeit positiv zu beeinflussen. Das gilt selbst für scheinbar einfache Produkte wie Sensoren: So zahlte sich beispielsweise die Zusammenarbeit zwischen der Stuttgarter Firma Synapsis Design und des Sensorikspezialisten Sick in Waldkirch aus. Dabei wurden beim Sicherheitslichtgitter „MiniTwin“ Sender und Empfänger in einem kompakten „Sensor-Stick“ vereint und mit einer Statusanzeige in Form einer LED-Leiste ausgestattet. Das spezielle Design hilft neben anderen Vorteilen Fehler bei der Montage zu vermeiden und erleichtert das Justieren der Lichtgitter. Die Sensoreinheiten werden z. B. als Sicherheitselemente in Maschinen und Anlagen eingebaut.

Um die Frage, welche Mensch-Maschinen-Schnittstellen künftig sinnvoll sind, drehen sich aber auch sonst derzeit viele aktuelle Forschungen. Dabei geht es darum, die Produktivität im Umgang mit der Technik zu verbessern, aber auch Bedienfehler insbesondere in Stresssituationen zu vermeiden. Das weite Feld der nutzergerechten Gestaltung technischer Systeme wird daher von unterschiedlichen Spezialisten wie Ingenieuren, Informatikern, Psychologen und Designern gleichzeitig untersucht, die in stetigem Austausch versuchen, Lösungen zu finden und zu verbessern.

Im „Usability“-Labor des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO führen Wissenschaftler dazu Erfahrungsstudien mit Technikanwendern durch. Ziel: Erwartungen und Wünsche zu ermitteln und diese anschließend in neue Produkte umzusetzen. In realistischen Anwendungen erproben Nutzer dann z. B. einen Prototyp oder das fertige Produkt im Labor.

So wird der Nutzen von interaktiven Konsumgütern oder Investitionsgütern ermittelt und wie gut Sprachinteraktionen oder sensitive Oberflächen (Touchscreens) den menschlichen Bedürfnissen gerecht werden. Denn gerade die beliebten Touchscreens müssen trotz ihrer flexibel nutzbaren Oberfläche nicht zwangsweise die beste Wahl sein.

Beispiele gibt es dabei insbesondere in der Konsumelektronik und Kommunikationstechnik. Nicht selten erschweren hier kleine Bildschirme und virtuelle Tastaturfelder von Multifunktionsgeräten wie Smartphones die Bedienung, gegenüber bisherigen Lösungen. Eingaben werden damit zeitaufwändiger, auch weil die Zahl falscher Eingaben steigt.

Ohnehin gibt es Anwendungen in der Logistik oder bei der Wartung, wo Mitarbeiter beide Hände für andere Aufgaben benötigen. In einigen Fällen sind hier bereits Technologien zur Spracherkennung im Einsatz. Anders als bei der Telefonnavigation in Callcentern, wo Benutzer selten Struktur und Befehle kennen, sind die Dialoge dabei durch den Arbeitsalltag bereits bekannt und erleichtern damit die Bedienung.

Störenden Nebengeräuschen lässt sich dabei durch das Tragen leichter Headsets (Mikrofonträger am Kopf) sowie durch elektronische Filter begegnen. Für Helmut Obergfell, Geschäftsführer von Informel, Weingarten, ist der Einsatz von Sprachtechnologie daher keine Frage der Technik sondern der Akzeptanz. „Ich gehe davon aus, dass sich Spracherkennung und -steuerung in ein bis zwei Jahren in der Breite durchsetzen werden“, zeigte sich Obergefell überzeugt. O. KLEMPERT/CIU

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

  • Oliver Klempert

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