Automation 11.02.2005, 18:36 Uhr

Software wird Grundpfeiler der Automation

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11.2.05 -Automatisierungstechnik aus Deutschland erobert mit innovativen Lösungen internationale Märkte und wächst damit zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Immer größer wird dabei der Anteil integrierter Kommunikations- und vor allem Softwaretechnik, die industriellen Anforderungen gerecht wird.

Produktivität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Produktion sind heute eine Frage der intelligenten Vernetzung von Fertigungseinrichtungen. Schwerpunkte der Entwicklung sind derzeit neben den Steuerungen einschließlich Betriebssystemen der Übergang vom Feldbus zum offenen Ethernet, Sicherheit in industriellen Kommunikationsnetzen sowie Assett-Management in Anlagen“, so die Trendbeschreibung von Prof. Rolf Dieter Schraft, Leiter des Stuttgarter Fraunhofer-Institutes für Produktionstechnik und Automatisierung.
Der Weltmarkt für elektrische Automatisierungstechnik wächst im langfristigen Mittel um knapp 8 % jährlich und liegt derzeit bei 200 Mrd. €. „In Summe ist das ein guter Fortschritt, denn die Jahre 2001 bis 2003 waren von rückläufigen bis stagnierenden Märkten gekennzeichnet. Wir erwarten nach der zweiten Jahreshälfte 2004 auch Anfang 2005 stabile Auftragseingänge, wobei die deutsche Produktion mit 13 % vom Weltmarkt den Bedarf von 9 % weit übersteigt“, freut sich Gunther Kegel, Vorstandsmitglied des Fachverbandes Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Die wichtigsten Impulse dürften auch Anfang 2005 aus dem Ausland kommen, die wichtigsten Abnehmerbranchen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die chemische Industrie gehen mit Zuversicht in das Jahr“, stellt Kegel fest. Diese Branchen fragen auch verstärkt dezentrale Automatisierungslösungen auf Basis von Web- und Office-Technologien nach.
Das spüren auch Anbieter vorwiegend mechanischerLösungen. So verzeichnete die Antriebs- und Fluidtechnik im Verband Deutsche Maschinen und Anlagenbau 2004 mit 14, 6 Mrd. € Umsatz ein Rekordjahr. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs die Branche damit um 10 %.
Erfolge feiern deutsche Anbieter nicht zuletzt durch flexible Lösungen und IT-Integration. Eine zunehmend wichtige Frage für Hersteller von Automatisierungstechnik und Anwender formuliert dazu Gunther Kegel: „Kann die Industrie aber schnelllebige und scheinbar wenig reife Office-Softwaretechnologien für die Automatisierung von Anlagen einsetzen, die zum Teil Standzeiten von über zwanzig Jahren hatten?“ Er gibt auch gleich die Antwort: „Insbesondere der Anwendung von Microsoft-Technologien kann sich die Automatisierung nicht entziehen. Hersteller und Kunden sind gleichermaßen nicht bereit, auf die Kosten sparenden Mainstream-Technologien zu verzichten, und deshalb ist die Automatisierungstechnik gut beraten, frühzeitig damit zu beginnen, diese Technologien zu beherrschen“, so Kegel.
Doch die Microsoft-Betriebssysteme und davon abgeleitete Technologien haben ihre Tücken, Dazu gehören das verbreitete OPC-Verfahren, mit dem in der Prozesssteuerung einzelne Objekte verbunden und eingebettet werden, und die Vernetzung von speicherprogrammierbaren Steuerungen. OPC verwendet seinerseits ein Client/Server-Modell und die Microsoft-Technologie Distributed Component Object Model (DCOM) für verteilte Komponenten. Was das für die Industrie bedeutet, verdeutlicht Klaus-Dieter Walter von SSV Embedded Systems, Hannover: „Da DCOM praktisch ausschließlich auf Windows läuft, findet man in jeder OPC-Anwendung auch Industrie-PCs mit Microsoft-Betriebssystemen. Auf diesen bietet sich durch den OPC/DCOM-TCP-Anschluss eine gefährliche Hintertür, die unter Umständen einem Angreifer die volle Kontrolle über einen IPC ermöglicht.“
Inzwischen habe auch Microsoft erkannt, dass die Technologie zu viele Risiken beinhalte, denn in den neuen Produkten ihrer .Net-Technologie sei dieses Komponentenmodell durch Internetdienste auf Basis der Extensible Markup Language (XML) ersetzt, die per Datenaustauschprotokoll HTTP miteinander kommunizieren. In diesem Umfeld der Programmiersprachen konkurriert Microsoft mit dem plattformunabhängigen Standard „Java“ von Sun Microsystems und Lösungen des portablen Betriebssystems Linux, dessen Quelltexte frei zugänglich sind.
Internetdienste sind ein deutlicher Trend, auch in der Automation. Über solche Web-Services werden Anwendungen und Informationen verbunden, die auf unterschiedlichen Plattformen – Computern und Betriebssystemen – sowie in verschiedenen Dateiformaten vorliegen. Einer der frühen .Net-Anwender und Spezialisten für Web-Technologien im reinen Automatisierungsumfeld ist die Fellbacher AIT. „Unsere Net Factory ist unabhängig von Art und Hersteller einer Maschine und kann über offene Schnittstellen an beliebige Datenquellen angeschlossen werden. Web-Services sind darin standardisierte Schnittstellen, die den Anschluss von PPS-Systemen, anderen externen Anwendungen oder weiteren Komponenten sowie eine Kopplung von Microsoft .Net auch mit Linux oder Java ermöglichen“, beschreibt AIT-Chef Rudolf Günther sein Kind.
Auch die Lohrer Bosch Rexroth AG arbeitet mit der M & M Software GmbH in der Nutzung von Microsoft-Technologien und zukünftigen Betriebssystemversionen zusammen. So wurde die durchgängige Softwarearchitektur IndraWorks auf .Net-Technologie entwickelt, die alle für Automationsaufgaben benötigten Software-Werkzeuge zur Projektierung, Programmierung und Parametrierung unter einer gemeinsamen Bedienoberfläche vereint.A. SCHARF/CIU

 

Ein Beitrag von:

  • Achim Scharf

    Ingenieur Achim Scharf ist Fachjournalist für Technikthemen und schreibt u.a. über Automation, Elektronik und IT-Themen.

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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