Automation 10.11.2006, 19:24 Uhr

Nischenspezialisten sind starke Automatisierungspartner  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 11. 06, Si – Unter dem Slogan „durchgängige Kommunikation vom Büro bis zum Sensor“ wurde in den letzten Jahren das industrielle Ethernet propagiert. Nun steht die vertikale Integration der Fertigungsanwendungen ohne Medienbrüche auf der Agenda. Das ist eine lukrative Nische für kleine Automatisierungsspezialisten. Sie arbeiten den Generalisten aus der Softwarebranche bereits kräftig zu.

Enterprise Resource Planning (ERP) wurde primär für die Verwaltung von Produktionsaufträgen entwickelt, um die erforderlichen Material- und Fertigungskapazitäten bereitzustellen. Manufacturing Execution Systeme (MES) oder auch Portale sind die Zwischenschicht, die eine direkte Verbindung zwischen der Produktionsplanung und der eigentlichen Produktion herstellen. Sie erlauben eine vertikale Integration, also ein nahtloses Zusammenführen der Automations- bzw. Prozessebene mit der Management- und Planungsebene.

Eine wichtige Rolle spielt MES auch bei der Qualitätssicherung durch Rückverfolgbarkeit (Traceability). Dies ist in der Prozesstechnik besonders wichtig. Denn vom Wareneingang bis zum fertigen Produkt lässt sich detailliert nachvollziehen, welche Werker und welche Maschinen an einem bestimmten Produkt gearbeitet haben oder eingesetzt wurden. Die genauen Einzeldaten geben Aufschluss darüber, an welcher Stelle der Fertigungskette ein Problem vorliegt.

Unter dem Motto „Shop Floor to Top Floor“, propagierte die Walldorfer SAP AG als einer der wichtigsten ERP-Anbieter bereits Anfang 2005 die engere Verzahnung von Produktions- und Unternehmensprozessen. „Wir arbeiten daran, Fertigungssteuerungssysteme eng mit anderen Geschäftsvorgängen zu verbinden, um anpassungsfähige Produktionsprozesse umzusetzen“, so SAP-Vorstandsmitglied Claus Heinrich. Die Portallösung Manufacturing Intelligence Dashboards sollte diese Rolle schon Anfang 2005 übernehmen. Doch offensichtlich wurden die Anforderungen des Shop Floor unterschätzt, denn Mitte 2005 übernahm SAP den Spezialisten für dieses Gebiet, die US-Firma Lighthammer.

Deren Produkt Collaborative Manufacturing Suite (CMS) tauften die Walldorfer in „SAP XMII“ um, wobei MII für Manufacturing Intelligence und Integration stehen soll. Daneben wurde es neu in Java codiert und erhielt Erweiterungen in puncto Sicherheit und Lokalisierungen. In diesem Jahr kommt die Funktion Manufacturing Performance Management hinzu und in 2007 stehen erweiterte Echtzeit-Kollaborationsfunktionen an. Denn die Integration der Fertigung mit sämtlichen Lieferkettenprozessen ist für die Unternehmen zwingend notwendig, um eine bedarfsorientierte Produktion effizient etablieren zu können.

SAP will damit am Milliardenmarkt für Fertigungssteuerungssysteme partizipieren, doch selbst einem Großunternehmen (8,5 Mrd. € Umsatz in 2005) fällt es offensichtlich schwer, den Fertigungsbereich selber aufzurollen. Man setzt hier lieber auf Partner wie dem Schweriner Automatisierungsspezialisten Trebing + Himstedt. „Wir kommen aus der Automatisierungstechnik und haben ganze Anlagen konzipiert, und damit war die Kommunikation sowie die Integration auch der Daten schon unser Schwerpunkt, so dass wir immer mehr in das Thema Manufacturing Integration hineingewachsen sind“, erklärt Steffen Himstedt, der Mitbegründer des 30-Mitarbeiter-Unternehmens. „Wir sahen und sehen hier einen Wachstumsmarkt, einschließlich MES. Seit dem Jahr 2000 haben wir für Lighthammer den Vertrieb der CMS-Software in Zentraleuropa übernommen und waren damit der geeignete Partner, auch um aufgrund unserer Kontakte der SAP die Türen in der Produktion zu öffnen“, freut sich Himstedt, denn seit März sei man offizieller SAP-Partner.

Die Integrationsplattform CMS folgt nicht dem klassischen MES-Ansatz, wo alle Funktionen in Module gepackt sind, sondern verbindet bereits vorhandene Anwendungen und Daten über eine webbasierte Bedienoberfläche. „Mit CMS konnte SAP auf einen Schlag fast alle marktgängigen Fertigungssteuerungen mit ihren Anwendungen verbinden, und das mit einem bisher nicht gekannten Echtzeitverhalten“, unterstreicht Himstedt.

„Für relativ einfache Szenarien, wie der Rückmeldung von Materialverbräuchen aus der Produktion, bräuchte es heute kein MES mehr“, meint Himstedt, das könne schon ein Prozessleitsystem. Auch die statistische Prozesskontrolle lasse sich allein mit XMII realisieren. Was in XMII derzeit noch fehlt, ist laut dem Automatisierungsexperten die Feinplanung der Produktion oder auch die Chargenrückverfolgung. MES hätten daher weiterhin neben Portalen wie XMII ihre Berechtigung, „wobei der Schwerpunkt von MES auf der Führung des Prozesses und der von XMII auf zeitnahem Reporting bzw. Performance Monitoring liegt“.

Eine wichtige XMII-Referenzanwendung kann Himstedt beim Baseler Pharmakonzern Roche vorweisen. „Wir haben dort an drei Standorten jeweils 50 Arbeitsplätze installiert, die auch teilweise in der Produktion angesiedelt sind und dort quasi mit dem SAP-Terminal arbeiten. Hier geht es um die Echtzeiterfassung von Batch-Kennzahlen unmittelbar nach Batch-Ende, um die Verknüpfung von SAP-Aufträgen mit Produktinformationen aus einer Datenbank sowie automatische Aktualisierung aller verbrauchten Materialien im System.

„SAP hat auch erkannt, dass sie ohne Lösungsanbieter im Markt keine Chance haben, und das ist unsere langfristige Überlebenschance“, stellt Himstedt fest. Der Umsatz seines Unternehmens wird in 2006 bei 2,5 Mio. € liegen, für 2007 erwartet er eine Steigerung auf 3,5 Mio. €. ACHIM SCHARF/Si

Von Achim Scharf/Jürgen Siebenlist
Von Achim Scharf/Jürgen Siebenlist

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