Automation 21.07.2006, 19:22 Uhr

Modellfabrik erspart den Praxisschock  

VDI nachrichten, Aachen, 21. 7. 06, ciu – Auf Herausforderungen in der Automatisierungstechnik können sich nun Studenten am Institut für Regelungstechnik der RWTH Aachen noch besser vorbereiten. Dort wurde Ende Juni ein modernes Labor eingerichtet. Es dient als Modellfabrik, in der man Erlerntes an realen Prozessen erproben kann. In der komplexen Anlage sind dabei sowohl diskrete Fertigungs- und Handlingabläufe als auch kontinuierliche Teilprozesse der Verfahrenstechnik abgebildet.

Weil Automatisierungsanlagen zunehmend komplexer werden, fordert die Industrie von den Ingenieuren sicheres Wissen in Theorie und Praxis. Was nicht durch Bücher und Vorlesungen zu vermitteln ist, sollen Studenten der RWTH Aachen in der am 21. Juni eröffneten Modellfabrik ausprobieren.

Anders als in der kurz zuvor in Kaiserslautern eröffneten „smart factory“ geht es hier nicht darum, neue Technologien für die Automatisierung nutzbar zu machen, sondern aktuelle Lösungen an einem Praxisbeispiel zu testen.

Die Anlage am Institut für Regelungstechnik (IRT) konfrontiert angehende Ingenieure mit typischen Automatisierungsaufgaben der Verfahrens- und Fertigungstechnik und der Robotik. Dazu simuliert sie z. B. die Herstellung eines flüssigen Gutes, das man sich als Softdrink oder flüssiges Medikament vorstellen kann. Der Produktionsprozess beginnt mit der Anlieferung der zur Verarbeitung benötigten Grundstoffe und geht bis hin zur „Laderampe“, an der die verpackten Fläschchen die „Firma“ verlassen.

Es gilt die Anlage so zu konfigurieren, dass sie automatisch den pH-Wert einstellt, die Fläschchen befüllt und mit RFID-bestückten Verschlüssen versieht, um nach einem über mehrere Meter langen Herstellungsweg schließlich von einem Handhabungsrobotor in Paletten konfektioniert zu werden.

Damit das alles funktioniert, arbeiten über 40 Rechner an den einzelnen Stationen sowie weitere, die die Produktion zuverlässig organisieren. Zum Einsatz kommen Automatisierungstechniken, wie sie auch in aktuellen Industrieprojekten verwendet werden.

Hinter der Modellfabrik steht der Aachener Professor Dirk Abel, der durch enge Vernetzung mit der Industrie die Anlage in kurzer Zeit auf die Beine stellte. So konnte er Siemens Automation and Drives, Kuka Roboter und Festo Didactic dafür gewinnen, mehr Technik zur Verfügung zu stellen, als es der finanzielle Rahmen des Institutes zugelassen hätte.

Im Einzelnen kommt die mit Profibus und Profinet arbeitende Prozessleit- und Steuerungstechnik von Siemens Automation & Drives. Die diskreten und kontinuierlichen Modellprozesse wurden von Festo Didaktik erstellt und der Roboter mit Schulungszelle kommt von Kuka. So waren auch die Vorstände und Geschäftsführer aller Sponsoren zur Eröffnung angereist.

IRT-Leiter Abel: „Für mich bedeutet die Einweihung der Modellfabrik auch, den jungen Menschen, die sich für ein Ingenieurstudium entschieden haben, gute Grundvoraussetzungen für die persönliche Entwicklung geben zu können. Und dazu braucht es nun einmal eine vernünftige Infrastruktur.“ Er betonte die besondere Rolle deutscher Hersteller auf dem Weltmarkt für Automatisieruntechnik. „So kann man das vernetzte Projekt als eines sehen, das auch den Standort Deutschland stärkt.“

Immerhin produziert z. B. Kuka ausschließlich in Deutschland. Für Kuka-Chef Bernd Liepert ist das keine Hexenkunst, wenn man sich in den Unternehmen mit den Realitäten des Weltmarktes richtig auseinandersetzt und vernünftige Wege geht.

Theodor Niehaus, Geschäftsführer vom Spezialisten für Lernsysteme Festo Didactic, relativiert allerdings die Freude über das richtungsweisende Ausbildungsprojekt. So beobachtet er bei seinen internationalen Kontakten, dass auch hochinteressante Modellfabriken im Ausland in Betrieb genommen werden – sei es in Ägypten, Jordanien oder Südostasien.

Siemens Bereichsvorstand Anton Huber sieht durch die Aktivitäten am IRT auch eine ausgezeichnete Grundlage dafür, befähigten Nachwuchs für die Automatisierungstechnik und somit auch für das eigene Unternehmen zu gewinnen. So wird Abels Oberingenieur, Alexander Bolling, in das Automatisierungsunternehmen wechseln.

Jetzt, wo das Projekt Modellfabrik angelaufen ist, arbeitet Dirk Abel bereits an den nächsten didaktischen Themen, einem die Fakultäten übergreifenden Master-Studiengang der Automatisierungstechnik an der RWTH. Wann dieser starten kann, hängt allerdings noch von der Zustimmung der vier in Frage kommenden Fakultäten ab. HERBERT J. JOKA/CIU

Von Herbert J. Joka/Martin Ciupek

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