Automation 23.04.2010, 19:46 Uhr

„Kalkuliertes Glück“ prägt die Antriebsentwicklung

Selbst nach zwanzig Jahren Entwicklungstätigkeit setzt sich Frank Maier immer noch ständig hohe Ziele. Als Vorstandsmitglied bei der Lenze SE in Aerzen verantwortet er unter anderem die Forschung und Entwicklung beim Spezialisten für Antriebs- und Automatisierungstechnik. Integrierte Sicherheit, Energieeffizienz und mobile Antriebe sind dabei für ihn aktuell trendsetzend.

Mitten in der Idylle am Rande des Weserberglands steht ein ganzes Ensemble teils futuristischer Bauten mit viel Glas und kühnen Dachkonstruktionen im Inneren perfektes ästhetisches Design und moderne Kunst. Hier in Aerzen, eine knappe Autostunde südwestlich von Hannover, befindet sich der Firmensitz von Lenze, Spezialist für Antriebs- und Automatisierungstechnik. Einmal mehr ist es die deutsche Provinz, in der die stillen Stars unter den internationalen Hightech-Trendsettern tätig sind. Und Menschen wie der 47-jährige Ingenieur Frank Maier, seit letztem Jahr im Vorstand von Lenze, verantwortlich u. a. für Forschung und Entwicklung.

Druckreif und schnell redet Maier, ein Mensch im Dauereinsatz und trotzdem locker, mit hintergründigem Humor. Er will Lenze weiter auf Wachstumskurs halten, Themen aufspüren, die für sein Unternehmen Zukunft haben er spricht vom „kalkulierten Glück”, statt vom „kalkulierten Risiko”.

Für ihn bedeutet Glück auch Herausforderung. „Selbst nach 20 Jahren als Entwickler reizt es mich, hohe Ziele zu stecken und neue Aufgaben zu lösen, kosten- und energieeffizienter zu werden, in Schwierigkeiten reinzulaufen.” Eine belastungsfähige Innovationskultur reift an den Klippen. „Denn zwischen technischen Schwierigkeiten bei der Entwicklung und ökonomischem Erfolg gibt es durchaus eine Korrelation.” Maier schmunzelt. Klar, dass er mit seinen Lieblingsprojekten enorm ehrgeizige Ziele verfolgt.

Wie z. B. die Fertigstellung der Lenze-Plattform 9400. Modularität, Montagekonzept und mit einfachen Klicks integrierbare Sicherheit gelten als Highlight dieser Servotechnik. Das modulare Antriebssystem kann komfortabel auf die kundenspezifische Anwendung zugeschnitten werden. Stolz ist Maier vor allem auf das Modul SM301, das erweiterte Sicherheitsfunktionen bietet, etwa sicheren Stopp und sicher begrenzte Geschwindigkeit: „Das ist unser Modell für die integrierte Sicherheitstechnik, und da sind wir sehr weit vorne.”

Sicherheit spielt in Maiers Zukunftsszenario eine herausragende Rolle. Je weiter die Technik ins tägliche Leben vordringt, desto virulenter werde das Thema. Beispielsweise wenn Roboter mittelfristig in der Tomografie eingesetzt werden und Körper von Patienten abfahren.

„Wie komplex diese Technik ist, zeigt die Verlängerung der alten Norm EN 954–1, die durch die neue Norm ISO EN13849 abgelöst werden sollte”, meint Maier. Der Industrie sei es nicht gelungen, diese Vorgabe, die eine „zeitgemäße Normenlage bis in die Maschinenfunktion hinein” schaffe, bis Ende des Jahres 2009 umzusetzen.

Zu den Glanzstücken zählt Maier auch die Frequenzumrichterplattform 8400. Die Inverter Drives sind für konsequente Prozessoptimierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette konzipiert die Ausführungen in Funktionalität und Antriebsverhalten bauen aufeinander auf. „Für mich war das der wirkliche Einstieg ins Baukastenprinzip”, erinnert sich Maier. Ein Ansatz, den Lenze zur Entwicklungsphilosophie erhoben hat: Standardprodukte schaffen, die in verschiedenste Maschinenarchitekturen eingebunden werden können. Das treffe die Bedürfnisse des Marktes, der aus Kostengründen große Stückzahlen wünscht und gleichzeitig Produkte verlangt, die individuell applizierbar sind.

Mit diesem Ansatz bleibt Lenze ein genuin innovatives Unternehmen, in dem die Wissenschaft einen zunehmend wichtigen Platz einnimmt. So pflegt das Unternehmen nicht nur den Dialog auf Verbandsebene im VDMA, sondern auch mit mehreren Hochschulen und Fraunhofer-Instituten.

Stolz ergänzt Maier: „Umgekehrt sind ehemalige Lenze-Mitarbeiter heute Hochschulprofessoren.” Als besondere Impulsgeber schätzt Maier Trendsetter-Branchen wie die Fördertechnik, die Robotik und die Verpackungstechnik.

Kommende Hotspots frühzeitig zu dechiffrieren bereitet Maier ganz offensichtlich ein detektivisches Vergnügen. Klar, dass die Debatte um Energiekosten und Erderwärmung die Entwicklung energieeffizienter Antriebskonzepte weiter antreibt. Schlüsselbegriffe dazu sind für Lenze bedarfsgerechte Dimensionierung, geregelter Betrieb mit Frequenzumrichtern, Komponenten mit hohem Wirkungsgrad sowie effiziente Bewegungsführung.

Ein großes Potenzial, mit Automatisierung die Effizienz noch zu steigern, liege bei Energieverbrauchern. „Das hört sich simpel an, ist aber mitnichten trivial.” Denn noch sehr oft wird in der Industrie das Abschalten nicht benutzter Verbraucher als zu risikoreich eingestuft. Doch die Autoindustrie hat gezieltes Abschalten zum großen Thema erklärt. „Lenze wird diesen Bereich besetzen”, versichert Maier.

Die Elektromobilität allerdings geht Lenze noch vorsichtig an. Das Unternehmen fokussiert sich auf den Nutzfahrzeugbereich. Dort liegen auch die größten Einsparpotenziale, z. B. bei Stadtbussen. “ Das ist eine durchaus interessante Nische”, wie Maier ergänzt. In der Schweiz hat Lenze ein kleines Geschäftsfeld, wo Elektronik sowohl für Hybride als auch für Nebenaggregate entwickelt wird. Für die Pkw-Sparte erwartet Lenze aber, dass dieses Feld von den Herstellern selbst und deren Tier-1-Lieferanten besetzt wird. „Daher spielt dieses Segment für uns zur Zeit keine Rolle“, so Maier.

In anderen Bereichen setzt das international agierende Unternehmen schon Maßstäbe, etwa in der Servotechnik. Globaler Trendsetter will es in der Verbindung von Umrichtertechnik und Steuerungstechnik werden. Dabei soll weder die „Welt der dezentralen Strukturen mit autarken Maschinenmodulen und kleiner Steuerung, noch die Welt der mächtigen zentralen Steuerung mit eher ‚dummen‘ Antrieben” propagiert werden. „Der beinahe religiöse Krieg zwischen Anhängern der beiden Welten spielt für uns keine Rolle”, lächelt Maier. Mit dem Baukastenprinzip ist man flexibel für die Wünsche des Kunden.

Rund 6 % des Umsatzes, 2009 sogar 8 %, investiert Lenze in Forschung & Entwicklung. Als Trendsetter kümmert sich das Unternehmen auch um die Normierung – „damit keine fachfremden Normen gesetzt werden”, wie Maier schmunzelnd anmerkt. Außerdem meldete Lenze im letzten Jahr rund zwei Dutzend Patente an, meist beim europäischen Patentamt und in den USA. „Leider ist in China die Durchsetzbarkeit des Patentschutzes noch immer limitiert”, bedauert Maier. Trotzdem bewegt sich Lenze auf chinesischem Terrain.

„Wir diskutieren mit dem Institute of Robotics im chinesischen Harbin über deren Herausforderungen und was Lenze an Lösungen beitragen kann”, erzählt Maier. Er versteht die neue asiatische, aber auch US-amerikanische Konkurrenz als eine belebende Herausforderung für Europa – und für Lenze. „Zusätzlich zu den heute schon acht Entwicklungsstandorten werden wir sicher auch in China ein bisschen Entwicklung aufbauen”, berichtet Maier.

Die Substanz aber soll in Deutschland erhalten bleiben, in dem Land, das auch in Zukunft Vorreiter im Maschinenbau sei. Trotzdem müsse sich Deutschland mit Asien beschäftigen – „nicht aus Kostengründen, sondern wegen der Quantität”, diagnostiziert Maier. „Jeder zweite Ingenieur ist heute entweder Chinese oder Inder.” Und China arbeitet intensiv an einer Innovationsstrategie. Maier lächelt diese Herausforderung ist nach seinem Geschmack.

R. KUNTZ-BRUNNER

Von R. Kuntz-Brunner
Von R. Kuntz-Brunner

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