Automation 13.04.2012, 11:58 Uhr

Intelligentes Engineering mit ganzheitlicher Sicht

Ob heutige Entwicklungswerkzeuge den Anforderungen hinsichtlich steigender Komplexität, Variantenvielfalt und knapper Zeitressourcen gerecht werden, diskutierten Teilnehmer im Vorfeld der Hannover Messe (23. bis 27. April) beim Forum „Intelligentes Engineering“ in München. Dort zeigte sich, dass vor der Messe noch einige Fragen offen sind.

Standardisierung und Modularisierung helfen Entwicklungsingenieuren im Maschinen- und Anlagenbau bereits heute produktiv Lösungen nach Anwenderwunsch herzustellen. Was längst für die Mechanik gilt, sollte aber auch zunehmend für die Software gelten. Auf diese entfällt ein immer größerer Anteil der Wertschöpfung auch in klassischen Mechanikdomänen wie Maschinenbau oder Fertigungsautomation. Das wurde Ende März auf dem Forum „Intelligentes Engineering“ der Fachzeitschrift Computer & Automation und des Unternehmens ITQ aus München deutlich.

Der Ruf nach Wiederverwendbarkeit der vorhandenen Software erschallt mittlerweile auch aus dem Lager der Hersteller von Werkzeugmaschinen und Produktionsanlagen. Voraussetzung für die Wiederverwendbarkeit ist auch bei Software eine systematische Modularisierung. Hierfür wiederum ist aus der Sicht vieler Anwender die Objektorientierung eine geeignete technische Grundlage. Die aber stellt wegen der dann erforderlichen ausgefeilten Versionsverwaltung Entwickler vor neue Herausforderungen. Grundsätzlich, so der Tenor der Wortmeldungen auf dem Forum, ist jedoch eine ganzheitliche Engineering-Strategie für das Gesamtprodukt notwendig.

Aber in welchem Umfang unterstützen die verfügbaren Tools diese Erfordernisse der Anwender? Zum „1. Benchmark-Forum Intelligentes Engineering“ hatten die Veranstalter Hersteller von Automatisierungsplattformen und Softwarelösungen eingeladen, die in München ihre Strategien und Ansätze vorstellen durften.

Software ist Funktionsfaktor für intelligentes Engineering

Einigkeit herrschte dabei in dem Punkt, dass sich die Software zum bestimmenden Funktionsfaktor entwickelt hat. Doch die Unterstützung für ein ganzheitliches Engineering für den Kundenprozess fällt derzeit noch recht unterschiedlich aus. Siemens zeigte auf dem Forum Problembewusstsein: „Der nächste Produktivitätsschub basiert auf der durchgehenden Integration von Engineering-Tools mit einem gemeinsamen Datenmodell“, prophezeite Bernd Heuchemer vom Siemens-Bereich Motor Control.

Die integrierte Softwarelandschaft des Anbieters wird nicht nur als Plattform für ein Produktions-Engineering gehandelt, sondern ebenso auch für das Produkt-Engineering mit seinen verschiedenen Aspekten wie Produktdatenmanagement, Produktlebenszyklusmanagement und gemeinsamen Datenmodellen für beide Welten. „Nur so ist produktives Forward Engineering möglich, und nur so können auch spätere Weiterentwicklungen und Varianten wieder rückwirkend in die Datenmodelle eingespeist werden“, verdeutlichte Heuchemer.

Mit seinem Softwareportfolio auf Basis des PLM-Frameworks Teamcenter decke Siemens die Kette vom System-Engineering bis hin zur Auslieferung der realen Maschine ab. Auch die virtuelle Inbetriebnahme einer Maschine sei damit möglich, bevor reale Prototypen existieren. Für die Integration von Fremdkomponenten bietet die Plattform eine Reihe offener Schnittstellen.

Virtuelle Designwerkzeuge und eine integrierte Design-Suite sieht auch Wettbewerber Rockwell als zentrale Elemente seiner Engineering-Umgebung an, die unter der Bezeichnung „Factory Talk“ angeboten wird. Sie deckt viele Aspekte der Entwicklungsphase bis hin zur Qualitätssicherung ab, wobei der Schwerpunkt auf der Produktion liegt. Für Aufgaben, die damit nicht abgedeckt werden wie Mechanikkonstruktion oder Elektro-CAD (Eplan P8) stehen offene Schnittstellen zur Verfügung. Ein Daten-Layer verbindet die verschiedenen Aspekte der Rockwell-Welt miteinander. Kritiker aus dem Publikum bemängelten auf der Veranstaltung, dass der Engineering-Gesichtspunkt in dieser Umgebung zu kurz komme.

B&R: inkrementell-iterative Scrum-Ansatz eignet sich für erfolgreiches Engineering

Einen „extrem hohen Stellenwert“ misst der österreichische Automatisierungstechnikanbieter B&R dem „Software-Reuse“ sowie dem „Change Management“ bei, erklärte Hans Egermeier, Business Manager Automation Software bei B&R. Ein 100 %iges Frontloading beim Abarbeiten des V-Modells sei jedoch nicht realistisch. „Bei Software-Kundenprojekten ändern sich die Vorgaben im Laufe des Projekts, da kommt der Appetit beim Essen“, so der Manager.

Der inkrementell-iterative Scrum-Ansatz eigne sich daher besser für ein erfolgreiches Engineering, zumindest in softwarelastigen Projekten. Das Automation-Studio des Unternehmens setze daher eher auf Modellbildung als auf Code-Generierung und verfolge einen modularen Ansatz mit Bibliotheken, Versionskontrolle und der Möglichkeit, externe Dateien einzubinden. Die Hardwarekonfiguration erfolge per Drag-and-Drop-Verfahren aus vorgefertigten Bauelementen. Zugleich unterstütze es die Anwender bei Test und Qualitätssicherung.

Mittelstands-Teilnehmer kritisieren große Tool-Anbieter

Nicht alle Anwesenden waren allerdings mit diesen Schwerpunktsetzungen der Anbieter zufrieden. „Wir wollten dem mittelständischen Maschinenbau eine Stimme gegenüber den großen Tool-Anbietern geben“, erklärte Rainer Stetter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens ITQ und Mitorganisator des Forums. „Aber das eine oder andere Unternehmen aus diesem Kreis hat sich die Fragen der Anwender gar nicht angehört, sondern eine vorgefertigte Antwort geliefert.“

Von Christoph Hammerschmidt

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