Automation 05.04.2013, 16:59 Uhr

Industrielle Vernetzung bringt Verbände und Unternehmen zusammen

Einiges erinnert an CIM (Computer Integrated Manufacturing), dennoch scheint diesmal vieles anders zu sein. Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler nehmen erneut Anlauf, um die industriellen Prozesse zu vernetzen. Dazu kooperieren große Industrieverbände und im Spitzencluster Ost-Westfalen-Lippe haben sich Hochschulen und Unternehmen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um die technische Basis für die Fabrik der Zukunft zu entwickeln.

Hochschulen und Unternehmen arbeiten gemeinsam an der Fabrik der Zukunft.

Hochschulen und Unternehmen arbeiten gemeinsam an der Fabrik der Zukunft.

Foto: Werkfoto

Die Vernetzung innerhalb der Produktion und zwischen Unternehmen prägt die industrielle Automatisierungstechnik. Dafür stehen Schlagworte wie Industrie 4.0 und Integrated Industry – das Motto der diesjährigen Hannover Messe vom 8. bis 12. April. Als zentrale Anlaufstelle wird demnächst in Frankfurt am Main die Geschäftsstelle Industrie 4.0 ihre Arbeit aufnehmen. Dahinter stehen die Industrieverbände Bitkom, VDMA und ZVEI. „Die drei Industrieverbände arbeiten zusammen, um das Thema industriepolitisch weiter voranzutreiben“, erläutert Peter Früauf, stellvertretender Geschäftsführer Elektrische Automation im VDMA. Hauptziel sei die Entwicklung von Technologien, Standards, Geschäfts- und Organisationsmodellen und ihre praktische Umsetzung.

Bei Industrie 4.0 gehe es aber nicht nur um eine durchgehende Vernetzung der Fabrik, sondern auch um eine verbesserte Bedienbarkeit – Usabilty, unterstreicht der VDMA-Experte. „Innovationen, die wir von den Smartphones und Apps aus dem Konsumbereich kennen, werden künftig die Fabrik verändern“, sagt Früauf. Sie werden den Anwendern die Kontrolle und Einstellung der Anlagen erleichtern. „Die bedienerfreundlichere Technik ist Ausdruck eines Generationswechsels nicht nur bei den Bedienern, sondern auch bei Programmierern, die neue Ideen für eine Mensch-Maschine-Kommunikation umsetzen“, so der Automatisierungsexperte.

 An der Umsetzung solcher Strategien wird u. a. im Spitzencluster „it’s OWL“ (Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe) gearbeitet. So sollen die technischen Systeme in der Produktion künftig z. B. auf Basis der gesammelten Daten erstmals Ereignisse voraussehen und ohne Zutun des Menschen reagieren können.

Prof. Jürgen Jasperneite, Leiter Fraunhofer-Anwendungszentrum IOSB-INA in Lemgo, verdeutlicht einige der Herausforderungen: „Dazu gehören vor allem der Umgang mit großen Datenmengen, eine sichere Kommunikation – insbesondere der Schutz vor unbefugtem Zugriff – und eine Vereinbarung über herstellerunabhängige Schnittstellen für die Hard- und Software der einzelnen Automatisierungskomponenten.“

Auf diesen Gebieten werde das Spitzencluster wichtige Pionierarbeit leisten, ist Clustermanagement-Geschäftsführer Roman Dumitrescu überzeugt. 174 Unternehmen, Hochschulen, Forschungszentren und Organisationen arbeiten im Technologienetzwerk „it’s OWL“ zusammen. Der Fokus auf die Herausforderungen von Industrie 4.0 sei für die Region ein riesige Chance, sagt er. „Ganz konkret sollen mit den Aktivitäten rund um neue intelligente Automatisierungslösungen in den nächsten Jahren 10 000 neue Arbeitsplätze geschaffen, 50 Unternehmen und fünf neue Forschungsinstitute gegründet werden.“

Die Unternehmen arbeiten in dem Spitzencluster nicht nur im vorwettbewerblichen Bereich zusammen, sondern entwickeln mit Unterstützung der Forschungseinrichtungen auch neue Produkte und Technologien bis hin zur zur Marktreife. Phoenix Contact, Blomberg, arbeitet z. B. mit Projektpartnern an der Entwicklung intelligenter Automatisierungskomponenten, die eine Inbetriebnahme und Anpassung von Maschinen und Anlagen vereinfachen und die Betriebskosten senken sollen. Beckhoff aus Verl entwickelt eine Plattform für die Standardautomatisierung, durch die künftig Energieverbrauch, Ausschuss, Durchlaufzeiten und Schadstoffaustritt in der Produktion reduziert werden können. H. SCHÜRMANN

Von H. Schürmann

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