Automation 19.11.2004, 18:35 Uhr

Die Automatisierungsindustrie befindet sich im Wandel

VDI nachrichten, 19. 11. 04 –
Die Zeiten des überproportionalen Wachstums sind nach Ergebnissen der Anfang diesen Monats veröffentlichten Studie „Automation 2010“ vorbei. Stagnation bei Steuerungen und Umbruch bei Feldgeräten führen aber laut Experten von Mercer Management Consulting, München, zu neuen Chancen und Risiken. Unternehmen müssen sich nun darauf einstellen.
Rückläufige Wachstumsraten, die die weltweite Studie „Automatisierung 2010“ von Mercer Management Consulting für die nächsten Jahre prognostiziert, sind für die Experten ein Zeichen dafür, dass die Branche reifer geworden ist. „Aber“, warnt der für die Studie zuständige Wolfgang Weger, „sie hat die Konsequenzen noch nicht verstanden. Viele Branchenunternehmen verhalten sich wie in den Zeiten, als dem großen Kundenbedarf noch ein knappes Automatisierungsangebot gegenüberstand.“
Die Mercer-Studie zeigt strukturelle wie technologische Veränderungen und skizziert kommende Wertverschiebungen. Vier Geschäftsmodelle werden sich demnach durchsetzen: Lösungsanbieter optimieren und integrieren die Automatisierung beim Kunden, sie verkaufen vor allem Dienstleistungen. Komplettanbieter bieten ein möglichst geschlossenes System aufeinander abgestimmter Automatisierungsprodukte, von der Steuerung bis zum Sensor. Automatisierungsspezialisten bieten meist PC-basierte Systemlösungen für einzelne Branchen. Und: Komponentenanbieter konzentrieren sich auf Feldgeräte mit standardisierten Schnittstellen.
Auch das zeigt die Studie: An der Automatisierung von Fabriken und Anlagen wird nach wie vor gut verdient. Durchschnittlich 9,7 % Umsatzrendite erwirtschafteten die von der Mercer-Studie „Automatisierung 2010“ untersuchten Automatisierungsunternehmen zwischen 1999 und 2003. Hierzulande arbeiten 221 000 Menschen in dieser Branche, und deutsche Unternehmen wie Siemens, Festo, Bosch oder Rexroth gehören weltweit zu den führenden Anbietern in ihren Segmenten.
Das Problem: War bis in die 90er-Jahre Automatisierung ein profitables Geschäft für den Anwender so sind viele Unternehmen mit steigendem Automatisierungslevel laut Studie allerdings in einem Grenznutzenbereich angekommen. Nur eine preiswerte weitere Automatisierung lohne sich noch und könne neue Anwender hinzugewinnen.
Dazu kommen neue technische Trends: Alternative Steuerungskonzepte und Standardkomponenten sind eindeutig auf dem Vormarsch. Die Mercer-Studie sieht die Automatisierungsindustrie daher am Anfang einer Konsolidierungswelle. „Die Steuerungen geraten gleich von drei Seiten unter Druck“, analysiert Industrie-Experte Weger. „Auf der oberen Ebene drängen komplexe Produktionsplanungssysteme unter Begriffen wie MES/APS in den Steuerungsmarkt, unten werden die Sensoren und Aktoren immer intelligenter mit dem Ziel, sich weitgehend selbst zu steuern.
Gleichzeitig beginnen vor allem chinesische Unternehmen, Billigsteuerungen auf den Markt zu werfen. Sie besitzen zwar nur reduzierte Fähigkeiten, bieten aber gleichzeitig deutlich niedrigere Preise“, so Weger. Gute Aussichten, aber auch hohe Risiken sieht die Mercer-Studie für Hersteller von Geräten auf der Feldebene. Das Segment kann bis 2010 mit 3 % und mehr pro Jahr wachsen – aber einige Hersteller werden auf der Strecke bleiben.
Allerdings: Der mit 51,2 % größere Teil der Automatisierungswertschöpfung besteht nach Erkenntnissen der Analysten aus Dienstleistungen. Sie werden mehrheitlich aber nicht von Automatisierungsanbietern erbracht, sondern von Anwendern selbst – z.B. von BASF als Prozessunternehmen oder von BMW als Fertigungs-unternehmen. Dadurch sind für externe Anbieter nur 27,8 Mrd.  € €sierungsdienstleistungen zugänglich. Wuchs dieser Markt in den letzten Jahren beständig durch Outsourcing, so zeigt die Mercer-Studie, dass hier nun eine Sättigungsgrenze erreicht ist.
„Generell herrscht bei den Anwendern die Meinung vor, die Angebote der Automatisierer seien nicht branchenspezifisch genug und es fehle an der nötigen Kompetenz, um die verbliebenen internen Leistungen übernehmen zu können“, so Weger.
Dem Großteil der Automatisierer, so die Mercer-Studie, fehlt eine klare strategische Ausrichtung. Der Schwerpunkt der strategischen Aufgaben in der Automatisierungsindustrie müsse deshalb auf der Kundenselektion, der Festlegung des Leistungsprogramms sowie eines passenden Gewinnmusters liegen.DER/CIU
Eine Zusammenfassung der Studie „Automatisierung 2010 – Zukunftsperspektiven einer Erfolgsbranche“ gibt es kostenlos im Internet:
 www.mercermc.de

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