SPS/IPC/Drives 2011 02.12.2011, 12:03 Uhr

Automatisierungstechnik im Aufschwung

Automatisierungstechnik ist gefragter denn je. Nur so lässt es sich erklären, dass die Branchenmesse in Nürnberg vom 22. bis 24. November mit über 56 000 Besuchern einen neuen Rekord verkünden konnte. Genau betrachtet verwundert es jedoch kaum, denn elektrische Antriebe helfen den Energiebedarf zu senken und Prozesse in der Industrie immer genauer und sicherer zu steuern.

Ordentliche Wachstumszahlen verkündete die Automatisierungsbranche vorige Woche in Nürnberg. Vor allem hält der technologische Wandel die Marktteilnehmer in Schwung. Ein wichtiges Thema sind derzeit energieeffiziente Antriebe. Günter Baumüller, Vorsitzender des Fachbereichs Elektrische Antriebe im Fachverband Automation der ZVEI, Frankfurt/Main, machte dazu deutlich: „Die dafür notwendigen Produkte, Lösungen und Planungsinstrumente sind seit Jahren im Markt. Allerdings würde es bei der üblichen Modernisierungs- bzw. Austauschrate der Industriemotoren von 3 % bis 4 % pro Jahr 25 bis 30 Jahre dauern, bis in Deutschland der komplette Bestand an Industrieantrieben modernisiert wäre.“

Der Politik gehe das zu langsam. Sie wolle die zeitliche Umsetzung massiv beeinflussen, so Baumüller. Der erste Schritt wurde mit der Europäischen Motorenverordnung Nr. 640/2009 getan, die Mitte 2011 in Kraft trat. Damit gibt es seit 16. Juni 2011 verbindliche Anforderungen an das Eco-Design von Elektromotoren und Antriebe. In verschiedenen Schritten dürfen ab spätestens 1. Januar 2017 und Leistungen ab 0,75 kW nur noch Drehstrommotoren der Effizienzklasse IE3 oder höher in Verkehr gebracht werden. IE2-Motoren können dann nur noch mit einer elektronischen Drehzahlregelung angeboten werden.

Elektrische Antriebe bringen Automatisierungstechnik in Schwung

„Während die Motorenhersteller noch mit Hochdruck an der Umsetzung der Motorenverordnung arbeiten, wird diese von der EU-Kommission bereits als erledigt angesehen. Sie plant schon eine Reihe strengerer ordnungspolitischer Vorgaben für elektrische Antriebe und deren Anwendungen“, stellte Baumüller vorige Woche fest. Einen ersten Ausblick lieferten zwei neue EU-Normungsmandate und vier Lose. Erstere sollen Messverfahren und Grenzwerte festlegen. Letztere seien Ausschreibungen für Studien, die bis Ende 2011 an externe Institutionen vergeben werden. Baumüller: „In der Regel sind sie die Vorstufe zu neuen Verordnungen.“

Der Antriebsspezialist machte deutlich: „Die neuen Ideen der EU-Kommission werden die Antriebs- und Maschinenwelt gravierend umkrempeln.“ Mit der bisherigen Planungs- und Entscheidungsfreiheit sei es dann vorbei. Alle relevanten Komponenten und Systeme sollen demnach zukünftig nach Energieeffizienzklassen bewertet werden. Das erfordere entsprechende Optimierungsbetrachtungen bereits in der Vorplanungsphase des Kunden und erweitere den Inhalt der aktuellen Motorenrichtlinie erheblich.

Laut Baumüller will die EU-Kommission bis Ende 2014 die Normungsarbeiten und die vier Studien abgeschlossen haben. Dann beginnen die Arbeiten an den neuen Verordnungen mit den üblichen Anhörungsverfahren und dem parlamentarischen Abstimmungsprozess, was erfahrungsgemäß weitere zwei Jahre in Anspruch nehme. „Ab 2016 könnte für die elektrische Antriebstechnik und den Maschinenbau eine neue Zeitrechnung beginnen: Energieeffizienz wird zum dominierenden Auslegungskriterium“, sagte Baumüller.

Energieeffizienz bringt neue Impulse für die Automatisierungstechnik

Auch in anderen Bereichen erwartet der Branchenverband ZVEI Fortschritte, machte in Nürnberg aber deutlich, dass Revolutionäres in der Automation eher nicht zu erwarten sei. Vielmehr ermögliche die Branche Innovationen in anderen Bereichen. Insbesondere beim Thema Energieeffizienz geht der Trend laut Roland Bent, Mitglied des Vorstands im ZVEI-Fachverband Automation, „deutlich zu einem systemischen Ansatz, was auch die an Bedeutung zunehmende Betrachtung der Lebenszykluskosten zeigt.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf den herstellerneutralen Lebenszykluskosten-Rechner LCE (Lifecycle Cost Evaluation), den der ZVEI mit Unterstützung der Unternehmensberatung Deloitte entwickelte.

Auch auf dem Gebiet Urbane Infrastrukturen – Megacitys werde der systemische Ansatz weiter verfolgt. Insbesondere beim Thema der Energienetze – Smart Grid – sei ein enormer Bedarf an Automatisierungstechnik abzusehen. Das fängt laut Bent bei neuer bzw. spezifischer Sensorik für Monitoring und Regelung sowie angepasster Aktorik an und geht über Schalt- und Steuerungstechnik bis hin in die Leitebenen.

„Industrielle IT ist dafür das Nervensystem“, sagte Bent. In dem Zusammenhang stellte er aber auch fest: „Dies alles bedingt aber auch ein erhöhtes Bewusstsein für IT-Security, denn ohne wirksamen Schutz der Daten bleibt jedes System anfällig bis gefährdet. Daher wird dem Kommunikationsthema erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet.“

Beim Thema Nachhaltigkeit zeigte sich in Nürnberg der Fachverband Elektrische Automation im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auf einer Linie mit den Kollegen aus dem ZVEI. Ulrich Balbach, der Vorstandsvorsitzende des VDMA-Fachbereichs, resümierte, dass Nachhaltigkeit in technischer Hinsicht schon immer für den Maschinenbau relevant war, jetzt aber als Thema auch politisch und gesellschaftlich deutlich an Fahrt gewinne. Für die Hersteller der Branche stellte er fest: Es ergibt sich hier die Chance, sich als Lieferant technischer Lösungen für wirtschaftliche, ökologische Anforderungen zu profilieren und darin eine Schlüsselrolle einzunehmen.

Automatisierungstechnik: Sicherheit, Qualität, Verfügbarkeit und Preis weiterhin wichtig

Im Bezug auf die Automatisierung machte Balbach auf ein anderes Thema im Maschinenbau aufmerksam. „Funktionale Sicherheit bleibt ein Hauptthema in den Fachgesprächen“, stellte er fest. Im Einheitsblatt 66413 erarbeite der VDMA derzeit eine Grundlage für den Informationsaustausch zwischen Maschinenherstellern, Geräteherstellern, benannten Stellen und Anbietern von Auslegungssoftware für funktionale Sicherheit. Die Einspruchsfrist dazu Ende im Februar 2012.

Zusammenfassend stellte der Automatisierungsfachmann vom VDMA fest: „Auch wenn die Energiefrage derzeit hoch aufgehängt wird: Nach wie vor steht die Automation auch für andere Faktoren, die in der Produktion wichtig sind – Sicherheit, Qualität, Verfügbarkeit und Preis.“ Letztlich gelte es, all diese Faktoren gemeinsam zu betrachten, um wettbewerbsfähig zu sein.

 

Von Martin Ciupek

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