Architektur 17.08.2001, 17:30 Uhr

Voller Technik

Obwohl erst Ende 2002 dort Ausstellungen stattfinden, ist der just fertig gestellte Neubau des Technikmuseums in Berlin selbst schon ein bekanntes Kunstwerk geworden. Doch interessant ist nicht nur der über allem schwebende Rosinenbomber, sondern auch die Baukosten und Energie sparende Konstruktion.

In rund 30 m Höhe schwebt die zweimotorige C 47 „Skytrain“ über der Mitte Berlins. Die Propeller stehen still. Die silberne Nase der Maschine weist in Richtung Potsdamer Platz.

Kein Absturzszenario, sondern gewollter Showeffekt am Neubau des Deutschen Technikmuseums in der Hauptstadt. Seit kurzem ist der „Rosinenbomber“ aus der Zeit der Berliner Blockade ein weithin sichtbarer Blickfang, der oberhalb der Fassade des Bauwerks „aufgehängt“ ist. Zusammen mit dem wie ein Schiffsbug vorstehenden Eingangsbereich prägt er den Gesamteindruck des Museumsneubaus.

Hier werden auf jeweils 6000 m2 Ausstellungsfläche von Herbst kommenden Jahres an Schritt für Schritt zwei repräsentative Ausstellungsbereiche für Schifffahrt und Luftfahrt wieder aufgebaut. „Seit 1987 geplant und ab 1996 errichtet, ist der Bau nach neuesten Erkenntnissen und Methoden der Energieoptimierung konzipiert“, sagt Dr. Liselotte Kugler, Direktorin des Technikmuseums. Beim Betrieb des Gebäudes würden im Vergleich zu herkömmlichen Museumsbauten etwas 80 % Energie eingespart.

Der Stadtbild prägende viergeschossige Bau mit einer Gesamtnutzfläche von 20 000 m2 entstand nach den Plänen der Berliner Architekten Helge Pitz und Ulrich Wolff. Schräg gegenüber dem Potsdamer Platz gelegen, bildet er mit seiner eigenwilligen Architektur einen Höhepunkt des technischen Kulturforums im Bereich des sogenannten „Gleisdreiecks“ in Berlin.

Das Bauwerk ist in moderner Modulbauweise errichtet. „Auf diese Weise konnte bei einem Finanzvolumen von rund 140 Mio. DM ein äußerst kostengünstiger Baupreis von 7000 DM/m2 gehalten werden“, erklärt Kugler.

Wegen des chronischen Geldmangels des Landes Berlin wurde das Projekt mit Hilfe eines privaten Finanzierungsmodells der Commerz Leasing und Immobilien GmbH ermöglicht. Das Unternehmen finanzierte zunächst den Neubau, während das Land nun nach und nach Anteile zurückkauft.

Mit 95 m Länge, 103 m Breite und 33 m Höhe steht der Bau zwischen dem historischen Museumsgebäude an der Trebbiner Straße und dem ehemaligen Anhalter Güterbahnhof, dem zukünftigen Hauptgebäude des Museums. Insgesamt verfügt das Haus über fünf Ausstellungsebenen. Mit seiner spitz zulaufenden gläsernen Front weist das Bauwerk zum Landwehrkanal und lädt mit seinem riesigen „Schaufenster“ zum Ausstellungsbesuch ein. Es besteht aus einem Ausstellungs- und einem Versorgungstrakt.

Der Name Technikmuseum verpflichtet natürlich auch zum Einbau moderner Gebäudetechnik: „Der Neubau ist nach Niedrigenergiehausstandard errichtet“, sagt Kugler. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Forschung und Technologie geförderten Forschungsprojektes lieferten mehrere Forschungsinstitute die Kriterien für die gesamte Haustechnik, insbesondere Klima- und Lichttechnik. Zum Kreis der involvierten Institute gehörten das Stuttgarter Fraunhofer Institut für Bauphysik IBP, das Berliner Institut für Bau-, Umwelt- und Solarforschung IBUS und das Fachgebiet Klimagerechtes Bauen/Ausbautechnik IAIP an der Technischen Universität Berlin.

Ziel des Projektes war die Entwicklung, Optimierung und Demonstration innovativer gebäudeintegrierter Systeme zur Nutzung der Sonnenenergie und zur Versorgung mit Tageslicht. Damit werden das Einsparpotenzial eines großen öffentlichen Gebäudes aufgezeigt sowie neue Möglichkeiten energiebewussten Planens, Bauens und des Gebäudebetriebs erprobt.

Den besonders hohen Energiespar-Grad erreicht der Neubau vor allem durch seine Hightech-Glasfassade. Eine entscheidende Rolle spielen die in der Fassade eingesetzten Dreischeiben-Warmgläser von Interpane, Häsen. „Die Dämmung bei dem eingesetzten Dreischeiben-Warmglas wird durch die zum Scheibenzwischenraum hin angebrachten, praktisch unsichtbaren Wärmefunktionsschichten besonders wirksam“, heißt es bei Interpane. Durch die zusätzliche Kryptonfüllung der Scheibenzwischenräume wird ein KV-Wert von 0,5 W/m2K bei einem Lichtdurchlassgrad von 65 % und einem g-Wert von 44 % erreicht. Nach Meinung der Experten kann kein Wandbaustoff mit diesen Werten der Verglasung mithalten.

Durch seine moderne Technik und Architektur ist der Museumsneubau in kürzester Zeit selbst zu einem Exponat geworden. Für die Fachwelt reiht er sich schon heute in die Tradition namhafter Technikmuseen ein, die bis zum Zweiten Weltkrieg in Berlin beheimatet waren. Dabei ist auch der Standort am „Gleisdreieck“ historisch bedeutend: Hier befanden sich der Anhalter Güterbahnhof, das Bahnbetriebsgelände mit zwei Ring-Lokschuppen und die Fabrikgebäude für Markt- und Kühlhallen. Die Museumsleitung bezeichnet dieses historische Gebäudeensemble als das wertvollste „Objekt“ des Technikmuseums. Nach Abschluss aller Ausbauten hat das Haus über 50 000 m2 Ausstellungsfläche und gehört damit zu den größten Technikmuseen der Welt. T. SCHULZE/wip

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