Architektur 19.10.2007, 19:30 Uhr

„Unsere Aufgabe: energie- effizientes Planen und Bauen“  

Umweltschonendes und energieeffizientes Planen und Bauen sei heute mehr als ein ethisches Gebot, führt der Präsident der Bundesarchitekten-kammer Arno Sighart Schmid in seinem folgenden Beitrag aus. Nachhaltigkeit und auf den Lebenszyklus eines Gebäudes bezogenes Denken werde von Architekten und Ingenieuren gefordert.

Das Klima ändert sich: Elf der letzten zwölf Jahre zwischen 1995 und 2006 waren unter den zwölf wärmsten Jahren seit Beginn der Wetterbeobachtungen. In Wissenschaft und Politik setzt sich die gesicherte Erkenntnis durch, dass menschliches Handeln seit Mitte des 18. Jahrhunderts das Klima im weltweiten Durchschnitt verändert hat – vorrangig durch den fossilen Brennstoffverbrauch, die Landwirtschaft und eine geänderte Landnutzung.

Architekten und Ingenieuren kommt bei den Strategien zur Verlangsamung des Klimawandels eine bedeutende Rolle zu. Es ist unsere Aufgabe, den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Energien zu fördern und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu ermöglichen. Die Entwicklung der Städte – ihre Bebauungsstrukturen und ihre Vernetzung mit Umland und Naturräumen – wird den Klimawandel entscheidend mitbestimmen. Architekten und Ingenieure bieten mit ihrem technischen und gestalterischen Wissen ein großes Problemlösungspotenzial.

Umweltschonendes und energieeffizientes Planen und Bauen ist mehr als ein ethisches Gebot. Es steht auch für Wirtschaftlichkeit und eine neue Baukultur. Nachhaltigkeit verlangt im Neubau wie im Bestand veränderte bauliche Konzepte. Sie benötigt neues, auf Lebenszyklen von Gebäuden und Bauteilen bezogenes wirtschaftliches und technisches Denken und entwurfliches Handeln. Dies setzt neue technische Systeme voraus, die von Architekten und Ingenieuren zu entwickeln und einzusetzen sind. Ressourcenschonendes Planen und Bauen verlangt nach neuen Formen der Kooperation der Planenden und damit der integralen Planung.

Im Bereich von Architektur und Städtebau werden drei Strategien im Zentrum der Bemühungen stehen:

1. Energieeinsparung durch verbesserte Gebäudethermik und -technik und eine verbesserte Planung der Stadt- und Verkehrsräume.

2. Verwendung erneuerbarer Energien; der Einsatz von Solarenergie, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse zusammen mit Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die sowohl Wärme wie Strom generieren.

3. Verbindungen energiesparender Konzepte mit einer lebenswerten Umwelt. Eine neue Architektur muss sowohl zur Ressourcenschonung als auch zum Wohlbefinden der Menschen beitragen.

Gerade der dritte Punkt ist sehr wichtig. Energieeffizientes Planen und Bauen bedeutet keine Einschränkung des Gestaltungsspielraums für Architekten und Ingenieure. Architekten und Ingenieure mit ihrem Wissen um Material und Bauweisen, um die Bedeutung von infrastrukturellen und planerischen Maßnahmen und um intelligente Energiekonzepte für Gebäude jeder Größenordnung sind der zentrale Ansprechpartner für alle Bauherren, ob private oder gewerbliche.

Wir müssen überzeugend vermitteln, dass sich Ästhetik, Ökonomie und Ökologie miteinander verbinden lassen. Dieses Gebot unserer heutigen Zeit ist bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit in unserem Berufsstand. Hier müssen wir uns klar zu unserer Verantwortung bekennen.

Wir dürfen auch nicht warten, bis Bauherren energieeffiziente Planungen nachfragen. Wir müssen offensiv die langfristigen Vorteile des ressourcenschonenden Planens und Bauens darstellen und überzeugend vertreten. Wir müssen mehr in die Erforschung neuer Methoden und Techniken investieren und unseren Berufsstand dazu bewegen, sich der Verantwortung für die Zukunft unseres Planeten zu stellen und sich mehr mit Fragen der Ressourcenschonung und Energieeffizienz auseinander zu setzen.

Der Umbau unserer Städte, die Veränderung der Verkehrs- und Warenströme muss schnell erfolgen. Diesen Umbau- und Veränderungsprozess zu befördern ist auch die Aufgabe der Architekten und Ingenieure. Sie sind das Bindeglied zwischen der politischen Absicht, unsere Gesellschaft zu verändern, und der tatsächlichen baulichen Veränderung. Architekten und Ingenieure können sehr wohl dazu beitragen, dass die Investitionen – privat und öffentlich – in eine ressourcenschonende Richtung gelenkt werden.

Wer Ressourcen schont, der spart. Diese Ersparnis kann in bessere Planung und bessere Bauten investiert werden. Es ist unsere Aufgabe als Architekten und Ingenieure, Öffentlichkeit und Bauherren von dieser eindeutigen „win-win“-Situation zu überzeugen.

Alle Gestaltung beeinflusst die Umwelt, greift ein in den Kreislauf von Mensch und Natur. Häuser mit optimierter Hülle, die keine zusätzliche Energie für Heizung und Kühlung benötigen, ja sogar Häuser als Kraftwerke, die mehr Energie generieren als verbrauchen, sind heute möglich. Doch wichtig ist: Die Menschen müssen sich in diesen Gebäuden und in diesen Stadträumen wohl fühlen. Sie brauchen Licht und Luft und kein noch so intelligentes Energiekonzept wird funktionieren, wenn der Mensch sich mit diesem Konzept nicht wohl fühlt.

Die Verbindung ästhetischer Gestaltung und kluger Anwendung von Technik ist eine zentrale Herausforderung für unseren Berufsstand. Helfen Sie mit, dass Architekten und Ingenieure ihren Teil zur Reduzierung des Klimawandels beitragen.

Ein Beitrag von:

  • Arno Sighart Schmid

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