Architektur 12.02.1999, 17:20 Uhr

Trends fürs nächste Jahrtausend

Kostengünstig bauen und dabei soziale und formale Ansprüche berücksichtigen – solch gelungene Projekte zeichnet „Zukunft Wohnen“ aus. Am 17. Februar ist Preisverleihung in Rostock.

Angesichts erheblicher Wohnungsnot stifteten die deutschen Zementhersteller 1994 erstmals den Architekturpreis „Zukunft Wohnen“. Mit dem Wettbewerb wollen sie Objekte auszeichnen, die preiswert und flächensparend sind, aber auch formalen und sozialen Anforderungen genügen. 1998 wurden 98 Arbeiten (1996: 88) eingesandt.
Die Jury zeichnete vor allem Projekte in verdichteter Bauweise aus, die auch im Sinne künftiger Entwicklungen chancenreiche Beiträge zum energetisch-günstigen, sozial-integrierten und konstruktiv-innovativen Bauen liefern. Bei vielen Arbeiten liegt der Preis pro m2 unter 2000 DM: das kostengünstige Bauen hat sich also durchgesetzt.
Dabei darf nicht vergessen werden, daß Deutschland mit 229 Personen/km2 eine der am dichtesten besiedelten Regionen weltweit ist (Frankreich: 105 Personen/km2, Indonesien: 100 Personen/km2, Kanada: drei Personen/km2). Die Situation verschärfend, kommen noch über 40 Mio. Pkw hinzu: mehr als dreimal soviel wie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Forderungen nach dem verdichteten, flächensparenden Bauen werden daher bei uns weiter auf der Tagesordnung stehen müssen.
Seit Ausschreibung des ersten Architekturpreises Zukunft Wohnen hat sich ein Trend herausgebildet: Mit allen Baustoffen und Bausystemen, die sich rationell einsetzen lassen, kann preiswert gebaut werden. Ob es Mauersteine oder Halbfertigteile sind, Fertigteile oder Verfahren mit Schalungselementen, alles was sich zum systematischen Planen und Bauen eignet, führt zu kostengünstigen Ergebnissen. Das fängt mit der Doppelwand an, geht über Fertigteile und Halbfertigteile bis hin zu Planblöcken und anderem großformatigen Mauerwerk und endet in massiven Dachkonstruktionen.
In der Regel werden schon im Entwurfsstadium eindeutige Aussagen zur Unterbringung der Autos und zur Gestaltung der Freiräume getroffen. Balkon, Terrasse oder Loggia gehören heute zu jeder regulären Wohnung dazu. In Verbindung mit Energiesparkonzepten hat sich in einigen Fällen der Wintergarten durchgesetzt.
Dem Wohnungsgrundriß und dem vielseitigen Angebot von Wohnungstypen wird vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenso liegen neuzeitliche Wohnformen im Trend. Dabei folgen Bauherren und Architekten den jahrelangen Predigten der Sozialogen und Sozialforscher in puncto Wohnungsmischung. Wichtiger Bestandteil für eine erfolgreiche Nachbarschaftsentwicklung sind unterschiedliche Wohnungsgrößen und Eigentumsarten. Die Durchmischung hat sich hier bewährt.
Unverkennbar ist das Bemühen, vor allem im Mietwohnungsbau Angebote zu entwickeln, die dem Wunschtraum nach den eigenen, allseits freistehenden vier Wänden entgegenkommen. Die Maisonettewohnung, aber auch halbgeschossig versetzte Ebenen, sind mehr und mehr verbreitet.
Stadthauskonzepte, wie sie im Reihenhausbau zu finden sind, haben dabei auch im Geschoßbau Einzug gehalten. Im Mietwohnungsbau ebenso wie bei Eigentumswohnungen kommen im Grundriß wie in der Bauausführung und im Detail individuell gestaltete Bauten zur Ausführung. Die Suche nach preiswerten Ansätzen führte dabei nicht zu stereotypen Lösungen. Zudem präsentieren die vier prämierten Gebäude ein breites Spektrum von Wohnformen.
JÖRG M.FEHLHABER Dipl.-Ing. Jörg M. Fehlhaber studierte Architektur an der TH Aachen. Von 1970 bis 1975 bearbeitete er als Gutachter vorwiegend städtebauliche Planungen, dann übernahm er verantwortliche Aufgaben im kommunalen Bereich, zuletzt als Leiter des Planungsamts der Stadt Ratingen. 1985 wechselte er zum Bundesverband der Deutschen Zementindustrie. Seit 1993 ist er dort Direktor.
In Königsbrunn kontrastiert Beton mit Holz. Die Wohnungen als Betonregale erinnern an Le Corbusier. Zweigeschossige Maisonetten sind, über Laubengänge erschlossen, als Holzregal in den Betonkorpus geschoben. Im Niedrigenergiehaus von Berlin-Marzahn findet jeder seinen Platz an der Sonne, denn durch die Schwertform des Hauses liegen alle Räume nach Süden. Die schmale Form hat keineswegs langweilige Raum-Anordnungen zur Folge: Durch große Schiebetüren sind die Wohnungsgrundrisse variabel. In Esslingen (Foto oben) führen zweigeschossige Durchgänge in einem streng gegliederten Riegelbau zu grünen, baumbestandenen, autofreien Wohnungen. In Regensburg (Foto unten) erlaubt ein flexibles Konstruktionssystem Masionettewohnungen und barrierefreies Wohnen.

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