Architektur 30.11.2007, 19:31 Uhr

Studenten entwerfen eine neue Rheinbrücke  

Studenten sollen im Wettbewerb diese neue Straßenbrücke entwerfen. Prof. Dr.-Ing. Ulrike Kuhlmann, Leiterin des Institutes für Konstruktion und Entwurf der Universität Stuttgart – die Initiatorin des Wettbewerbes – schildert im folgenden Interview ihre Ziele. Es locken Preise von insgesamt 9500 € und der Reiz, an einem echten Projekt mitzuarbeiten.

Kuhlmann: Der Wettbewerb soll u. a. die Attraktivität unseres Berufes der Öffentlichkeit und insbesondere jungen Leuten verdeutlichen und hierdurch auch einen Beitrag zur Nachwuchsförderung und -werbung für den Bauingenieurberuf leisten.

Zu unserem Beruf gehört eine sehr kreative Seite – das Entwerfen. Im Studienalltag gerät dies häufig in Vergessenheit, weil der Schwerpunkt der Ingenieurausbildung auf der Analyse und dem Erlernen von sachlichem Fachwissen liegt.

Ein Entwurfswettbewerb ermöglicht angehenden Ingenieuren auf der Basis des erlernten Fachwissens und mit ihrer geschulten Analysefähigkeit Kreativität zu entwickeln und quasi vom weißen Blatt Papier aus eine Aufgabe ganzheitlich zu lösen.

VDI nachrichten: Geht es im Wettbewerb um die reine Konstruktion oder müssen auch andere Parameter berücksichtigt werden?

Kuhlmann: Die Aufgabestellung erwartet eine ganzheitliche Lösung, die Bautechnik, Gestaltung, Einbindung in die Umgebung und Umwelt, Funktionserfüllung, Wirtschaftlichkeit und Baubarkeit gleichermaßen berücksichtigt.

VDI nachrichten: Wer darf sich am Wettbewerb beteiligen?

Kuhlmann: Teilnahmeberechtigt sind Studierende des Bauingenieurwesens und der Architektur von allen deutschsprachigen Hochschulen. In jedem Team sollte aber mindestens ein Bauingenieur sein. Das Semester ist nicht vorgeschrieben, aber die Aufgabenstellung ist so anspruchsvoll, dass eher höhere Fachsemester angesprochen sind, die mit den Grundlagen der Planung und Konstruktion vertraut sind.

VDI nachrichten: Dürfen sich nur Teams bewerben oder können auch Einzelkämpfer einreichen?

Kuhlmann: Teams von bis zu drei Studierenden werden zugelassen, Zweierteams sind empfohlen. Einzelkämpfer werden nicht ausgeschlossen, aber sie haben wegen des Umfangs der Aufgabenstellung sicher im Wettbewerb Nachteile.

VDI nachrichten: Wird die Zeit, die von den Studenten für die Arbeit am Wettbewerb aufgebracht wird, im Studium berücksichtigt?

Kuhlmann: Die Art und Weise der Anerkennung im Rahmen des Studiums hängt von der Hochschule ab. Die Arbeit kann als Diplomarbeit oder Studienarbeit angefertigt und so auch anerkannt werden. In jedem Fall muss der betreuende Lehrstuhl eine entsprechende Bestätigung abgeben.

VDI nachrichten: Der Charme dieses Wettbwerbes liegt ja auch darin, dass hier nicht für die Schublade gearbeitet wird, sondern dass die Brücke tatsächlich gebaut werden soll. Wie weit wird der Entwurf tatsächlich umgesetzt?

Kuhlmann: Auch für mich besteht der besondere Reiz der Aufgabenstellung darin, dass sie ein konkretes Objekt vorsieht, das tatsächlich so gebaut werden soll und den Studenten auch die gleichen Unterlagen zur Hand gegeben werden wie bei einer professionellen Ausschreibung.

Auch kann betont werden, dass für diese Brücke zur Zeit außer den Überlegungen bei den Straßenbehörden noch kein Entwurfskonzept existiert.

Schließlich geht es auch in der Aufgabenstellung, eine Brücke über den Rhein zu bauen, um eine große und interessante Bauaufgabe, von der die meisten Bauingenieure träumen.

Die zuständige Baubehörde hat aber ausdrücklich betont, dass sie sich auch nach dem Studentenwettbewerb noch die Möglichkeit, einen professionellen Wettbewerb auszuschreiben, offen hält. Es würde die Aufgabenstellung auch überfrachten, wenn man hier den gleichen Anspruch stellen würde wie an richtige Ingenieur- und Architektenbüros, die mit größeren Teams und längerer Bearbeitungszeit und auch anderen Möglichkeiten sich solchen Entwürfen widmen können.

VDI nachrichten: Der Wettbewerb ist die Vorstufe eines echten Projektes – wie schwierig war es, die Verantwortlichen in Politik und Behörden davon zu überzeugen, dass ein Studentenwettbewerb der richtige Weg zur neuen Brücke ist?

Kuhlmann: Es war sehr erfreulich, mit welchem Interesse und Engagement die Verantwortlichen bereit waren, diesen Studentenwettbewerb zu fördern und hier entsprechende Unterlagen zur Verfügung zu stellen und Unterstützung zu leisten. Das gilt sowohl für die Baubehörden der Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wie für das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, das auch mit finanzieller Unterstützung dabei ist.

Hier kommen sicher zwei Tendenzen zusammen: Auch in den Straßenbehörden herrscht Nachwuchsmangel, so dass die Gelegenheit zu zeigen, welche interessanten Aufgabenstellungen es gibt, gern genutzt wird.

Ein Entwurfswettbewerb wäre also wahrscheinlich in jedem Fall zustande gekommen. Hier einen Studentenwettbewerb „vorzuschalten“ wurde mit großem Interesse wahrgenommen.

VDI nachrichten: Wo lagen die Hauptprobleme?

Kuhlmann: In der Kürze der Zeit alle Entscheidungsträger zu erreichen und zu beteiligen.

VDI nachrichten: Wie werden die Konstrukteure des erfolgreichen Entwurfs in die Verwirklichung eingebunden?

Kuhlmann: Es ist noch nicht bekannt, durch wen und wie die Brücke am Ende realisiert wird. Diese Entscheidungen sind auch vom Studentenwettbewerb unabhängig.

VDI nachrichten: Wer steht für die bauaufsichtliche Seite gerade?

Kuhlmann: Der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, das Innenministerium Baden-Württemberg Straßenbau-, Ingenieurbau-, Erhaltungsmanagement in Stuttgart.

VDI nachrichten: Welcher Baustoff ist für die Brücke vorgesehen?

Kuhlmann: Der Baustoff ist ebenso wenig festgelegt wie die Bauweise und das statische System. Es besteht keine Bevorzugung, sondern die Wahl ist Bestandteil der Entwurfsaufgabe. Prämiert werden vor allem der Innovationsgrad, die Überzeugungskraft und die Schlüssigkeit des Gesamtkonzeptes. rok

 

Von Rolf O. Karis

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