Architektur 05.05.2006, 19:21 Uhr

Spannungsreich: Architektur und Photovoltaik  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 5. 06, rok – Will die Photovoltaik in Deutschland einen nennenswerten Beitrag zur Energieversorgung leisten, muss sie die Dächer und Fassaden nutzen. Aber nur langsam können sich Architekten mit Solarelementen anfreunden.

Das Verhältnis von Architektur und Photovoltaik ist nicht unproblematisch. Die Bauschaffenden gehören zu den von der Solarindustrie heftig umworbenen Multiplikatoren. Architekten haben einen erheblichen Einfluss darauf, ob sich ein Bauherr mit einer Photovoltaikfassade anfreunden kann oder nicht. Sie denken vor, raten zu oder schütteln mit dem Kopf. In der Vergangenheit vor allen Dingen letzteres, denn – und das ist die andere Seite der Medaille – Photovoltaik hielt bisher nur in wenigen Fällen den ästhetischen Ansprüchen der Architekten stand. „Photovoltaik verdirbt mir meinen Entwurf“ war und ist ein oft gehörtes Argument. Gern wird von Architektenseite auch auf die hohen Kosten einer Photovoltaikfassade verwiesen – ein allerdings eher selten geäußerter Einwand, wenn es um das marmorgetäfelte Treppenhaus in einem repräsentativen Büroneubau geht.

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Baukunst und Solarenergie gehen bislang zu wenig zusammen, findet auch Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter. „Wir wollen einen deutlich höheren Anteil an erneuerbaren Energien und dazu brauchen wir die Architekten“, erklärt Walter. „Sie sind Schlüsselpartner und wichtige Kommunikatoren.“ Hamburgs oberster Stadtplaner schätzt den Anteil der Architekten, die sich mit Solararchitektur befassen, auf ganze 3 % der Zunft – „viel zu wenig“.

Doch das Verhältnis entkrampft sich zusehends. Zu dem steigenden Interesse der Architekten haben in den letzten Jahren ästhetisch und technisch deutlich verbesserte Photovoltaik-Bauelemente und ihre Verwendung in repräsentativen Bauten beigetragen.

Mittlerweile steht eine große Farbpalette bei den Fassadenelementen zur Verfügung, „Wir können mehr als nur schwarz und blau“, betont Timon Kampschulte, Technischer Leiter des Hamburger Systemanbieters Suntechnics GmbH. „Solarzellenhersteller können die Farbwirkung durch die Antireflexschicht beeinflussen.“ Hinzu kommt, dass sowohl Modulgrößen als auch Zuschnitt erheblich flexibler angeboten werden als in der Vergangenheit.

Beispiel TüArena in Tübingen: Am Rande der Stadt entstand Ende 2004 eine Sporthalle mit grasgrüner Solarfassade – von Anfang an ein wesentlicher Baustein im Energiekonzept des Sportkomplexes. 970 Solarmodule produzieren jährlich rund 30 000 kWh Strom. Die 530 m2 große Fassade besteht aus speziell gefertigten Solarmodulen in vier verschiedenen Größen. Das ermöglichte eine genaue Nachzeichnung der Fassadenkontur der Halle, erläutert Kampschulte. Die rahmenlosen Module hält ein konventionelles System mit Punkthalterungen in den offenen Fugen, so dass sich eine glatte Oberfläche ergibt, die nicht von sichtbaren Halteelementen gestört wird.

Dass Photovoltaik-Bauelemente auch im Bestand eine ästhetisch und wirtschaftlich ansprechende Lösung darstellen, lässt sich zur Zeit beim Büroturm der Versicherung Co-operative Insurance Society (CIS) in Manchester verfolgen. Der CIS-Tower entstand in den Jahren 1959 bis 1962 und ist mit rund 120 m Höhe eines der höchsten Bürogebäude Großbritanniens. Seine Fassade schmückte bislang ein Mosaik aus rund 14 Mio. Kacheln, die sich allerdings massenhaft lösten und herunterfielen. Dem Londoner Unternehmen Solarcentury gelang es, die kommunalen Denkmalschützer von einer Solarfassade zu überzeugen, die das Mosaik ersetzen soll.

Etwa 5000 Solarmodule des japanischen Herstellers Sharp fassten die Planer aus optischen Gründen in Kassetten zu jeweils sieben Modulen zusammen, weil das genau einer Stockwerkhöhe entsprach. Die kommunalen Entscheider beeindruckte auch die Wirtschaftlichkeit dieser Lösung, betont Projektleiter Joachim Gerhard: „Hätten wir das Mosaik ersetzt, wäre das deutlich teurer geworden.“

Trotz der sichtbaren Fortschritte halten Bauexperten und Stadtplaner wie Walter jedoch weitere Flexibilisierungsschritte für nötig, damit Photovoltaikelemente eine größere Rolle in der Architektur spielen können. „Die Solarindustrie muss die Photovoltaik zu einem ästhetischen Thema, also zu einem Architekturthema machen“, fordert er. „Da gibt es ganz klar ein Kommunikationsproblem.“ JÖRN IKEN

Auch im Bestand ökonomisch sinnvolle Lösungen

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