Architektur 21.03.2003, 18:24 Uhr

Schon im Rohbau preisgekrönt

Die Bebauung des Marstallplatzes schließt die letzte Kriegs-Baulücke in der Münchner Altstadt. So entsteht ein neuer Kulturplatz nahe Residenz und Bayerischer Staatsoper. Besonderheit des Projektes ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Freistaat, Stadt und Investor.

Normalerweise erhalten Gebäude – wenn überhaupt – erst dann einen Preis, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen und die Nutzer eingezogen sind. Doch bei den Maximilianhöfen in München, deren Bauarbeiten noch auf Hochtouren laufen, ist vieles anders als bei anderen Bauwerken. Denn auf dem alljährlich im März stattfindenden internationalen Leitkongress der Immobilienbranche, der Cimmit in Cannes, wurden sie – noch im Rohbau – bereits gekürt: Als beste Immobilie des noch jungen Jahres erhielt das Ensemble den Immobilien Award 2003.
Über 200 Entwickler hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, bei dem Architektur, Wirtschaftlichkeit, Innovation und Nutzerfreundlichkeit bewertet wurden. Die Jury hob in ihrer Begründung insbesondere die beispielhafte architektonische und inhaltliche Verbindung von kulturellen und kommerziellen Themen sowie die städtebauliche Einbindung der Maximilianhöfe in ihre Umgebung hervor.
Das Projekt am Marstall verdankt seine Realisierung einer konstruktiven Kooperation zwischen Land, Stadt und Investor. Der Freistaat Bayern hat als Betreiber der Bayerischen Staatsoper und Eigentümer des ca. 13 000 m² großen Grundstücks seit Jahrzehnten großes Interesse an einem neuen Betriebs- und Probengebäude, um die Raumnot des Staatstheaters zu lindern. Erweiterungspläne jedoch stießen immer wieder auf unüberwindbare finanzielle Hürden.
Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, mit einem privaten Investor zusammen zu arbeiten und ihm das Grundstück zur Nutzung im Erbbaurecht zu überlassen. Der Bauherr (Palos Immobilien- und Projektentwicklung und G. Dreyer Planungsgesellschaft) wiederum, der im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatte, verpflichtete sich, neben einem Projekt für die eigene Nutzung das notwendige Betriebs- und Probengebäude zu errichten. Die Stadt München, die seit Jahrzehnten nach Möglichkeiten suchte, die durch den Zweiten Weltkrieg entstandene Baulücke zu schließen, unterstützte das Vorhaben durch die zügige Schaffung des geeigneten rechtlichen Rahmens.
Der Entwurf für das Gebäudeensemble stammt von den Berliner Architekten Gewers, Kühn und Kühn. Ihr städtebauliches Konzept orientiert sich am Leitbild der kompakten und räumlich komplexen europäischen Stadt. Sie wollen die Urbanität nicht im Inneren einer Baumasse, sondern in neu geschaffenen Außenräumen und Plätzen zur Entfaltung kommen lassen.
Aus diesem Grund haben sie das Projekt mit einer Geschossfläche von rund 30 000 m² in drei separate Baukörper gegliedert: den Bürkleinbau, den sechsgeschossigen Maximilianhof und das Proben- und Betriebsgebäude für die Bayerische Staatsoper.
Der Bürkleinbau, 1858 von Baumeister Friedrich Bürklein errichtet, wird als hochwertiges Büro- und Ladengebäude wieder aufgebaut und wendet der Einkaufsmeile Maximilianstraße seine historische Fassade zu. Die Rückseite ist komplett verglast. Der quadratische Maximilianhof umschließt einen grünen Innenhof und integriert eine Säulenhalle aus dem 17. Jahrhundert. Dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist die älteste bauliche Hinterlassenschaft des einstigen Marstalles, der Stallung der Residenz.
Ursprünglich sollte das Gebäude nur durch eine Überbauung in das Gesamtkonzept eingebunden werden. Erste Entwürfe zeigten jedoch, dass sich dies negativ auf die Organisation der notwendigen Tiefgarage und die Anzahl der Einstellplätze auswirken würde. Aus diesem Grund entwickelten Architekten und Tragwerksplaner (Hartwich/Mertens/Ingenieure, Berlin) ein Konzept, um das historische Gebäude mit einer 50 cm starken, so genannten Transferplatte während der Bauzeit zu sichern und freizustellen.
Dazu wurde die Säulenhalle zunächst vollständig entkernt. Auf die freigelegten Mauerwerkskronen wurde ein umlaufender Ringanker aufgesetzt und mit Quergurten verbunden. Säulen und Mauerwerk wurden durch entsprechende Maßnahmen gesichert. Der Fußboden der Säulenhalle wurde entfernt und der darunter stehende Boden bis auf die Höhenlage der neuen Deckenunterseite ausgehoben. Anschließend wurden die Fundamente der Säulen und Mauerwerksbögen freigelegt. Nun erfolgte die Bewehrung für die Transferplatte, die die Lasten der Säulenhalle aufnimmt, ableitet und die Verbindung zur darunter liegenden Tiefgarage darstellt.
Hierbei galt es zu beachten, dass die Bewehrung auch sämtliche Anschlüsse, Einbauteile und Schüttöffnungen enthalten musste, die für die nachfolgenden Arbeiten notwendig waren. Außerdem wurde die Transferplatte mit Stahlträgern versehen, die in Querrichtung zum rechteckigen Gebäude verlaufen. Anschließend wurde die Platte betoniert. Links und rechts der 56 m langen und 13 m breiten Säulenhalle waren Jochträger angeordnet, die die auskragenden Querträger aufnahmen. Die beiden Jochträger wiederum wurden beidseitig von je zwölf Stahlstützen getragen, die über Großbohrpfähle im Baugrund verankert waren.
Nachdem die Säulenhalle gesichert war, konnten der darunter liegende Boden ausgehoben und die dreigeschossige Tiefgarage gebaut werden. Die Transferplatte wurde zum Schluss mit dem Rohbau verbunden, und die temporäre Unterkonstruktion konnte abgebaut werden. Über der Säulenhalle haben die Architekten die raumhoch verglasten Büroräume angeordnet.
Bürkleinbau und Maximilianhof bilden gemeinsam mit der benachbarten Staatsoper den Rahmen für das neue Proben- und Betriebsgebäude, das vier große Säle, eine Bibliothek, Werkstätten und einen Verwaltungsbereich beherbergt. Durch die transluzente Fassade läßt sich Form und Größe der Säle schon von außen erahnen.
Zwischen den Gebäuden entstehen neue Wege, die eine durchgehende Fußgängerverbindung vom Englischen Garten über die Staatskanzlei und den Marstallplatz bis zur Innenstadt schaffen.
Der Marstallplatz selbst bietet sich nach seiner Neugestaltung für Freilichtveranstaltungen an und präsentiert sich so als neuer großer Kulturplatz in attraktiver Innenstadtlage. Im Herbst 2003 sollen die Arbeiten an den Gebäuden nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren abgeschlossen werden. JOLA HORSCHIG/wip
www.gewers-kuehn-kuehn.de
www.hming.de

Marstallplatz, München
Neubau einer Probebühne für die Bayerische Staatsoper, Wiedererrichtung des Bürkleinbaus, Neubau des Bürogebäudes Maximilianhof
Bauherr: Palos Immobilien- und Projektentwicklungs-GmbH und
Gisbert Dreyer Planungsgesellschaft
Entwurf: Architekten Gewers, Kühn und Kühn, Berlin
Projektleitung: Dipl.-Ing. Architekt Oliver Kühn
Fertigstellung: Herbst 2003
Bausumme: ca. 51 Mio. ç
Consultants: Tragwerksplanung: IFB Dr. Braschel
Haustechnik: HL-Technik
Fassaden: Memmert & Partner
Landschaftsplanung: St raum a
Verkehrsplanung: Masuch + Olbrisch

Von Jola Horschig/Wip

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