Architektur 30.04.1999, 17:21 Uhr

Rechter Winkel beherrscht die Expo-Bauten

der architektonische Hang zum rechten Winkel.

Vom 1. Juni bis zum 31. Oktober nächsten Jahres steht Hannover ganz im Zeichen der Expo 2000. Das Ereignis mit dem Leitthema „Mensch-Natur-Technik“ findet seine Heimstadt auf dem Gelände der Deutschen Messe AG, das derzeit großräumig erweitert wird. Bezogen auf die zu bebauende Fläche überbietet das Areal in Hannover sogar den Potsdamer Platz in Berlin. High-ligth der Baumaßnahmen auf dem neuen Gelände der Hannover-Messe ist das rechtwinklig gestaltete Gebäude „Arena“, das als zentraler Veranstaltungsort der Expo 15 000 Besuchern Platz bieten wird.
Bagger graben, Betonmischer rollen, Krane heben und bewegen Baumaterialien auf einem Gelände, dessen rechtwinklig konzipierten „Plaza“, das Zentrum der Weltausstellung, eine Fläche von 110 000 m2 erreicht und damit sogar den Roten Platz in Moskau in den Schatten stellt. Östlich der Plaza sind bereits einige der hier zum Tragen kommenden architektonischen Gestaltungsideen zu erkennen. Hier entstehen derzeit Häuser für rund 1500 Wohnungen. Später soll der neue Stadtteil Kronsberg einmal Platz für 6000 Wohnungen mit moderner Infrastruktur (Schulen Kindergärten, Sportplätzen) bieten.
Das konventionelle Steildach, so läßt sich feststellen, gehört im „zukunftsweisenden Mehrfamilienhausbereich“ offenbar der Vergangenheit an. Jetzt geht es flacher zu. Die Architekten setzen den Expo-Häusern oft angeschrägte Flachdächer in Form einer „Rutsche“ oder einer „Schirmmütze“ aufs Haupt. Obwohl die meistens in Niedrigenergiebauweise konzipierten Wohnblocks mit gemeinsamem Heizkraftwerk Mietern erschwingliche Preise für Wohnraum (kaum mehr als 10 DM/m2 Wohnfläche) bieten, spielen hier die Konstrukteure mit außergewöhnlichen Formen, weichen auch einmal ab vom rechten Winkel.
Dreieckbalkons an der Hauskante erlauben den Blick über die Gleise der Stadtbahn hinweg auf das alte Messegelände. Vor die Front gezogene Hausflurbereiche oder verzinkte Außentreppen machen vergessen, daß nach wie vor im Grundsatz quadratische Baukörper hingestellt werden. Hier wechselt sich gewöhnlich-grauer Außenputz mit farbiger Holzverschalung im ersten Stock ab. Dort nutzt ein Architekt verschiedene Klinkerfarben, um der Hausfront – auch durch Rundfenster – ein ausgefallenes Gesicht zu verleihen. Bodentiefe Fenster sorgen für einen Bezug nach draußen, beseitigen die mögliche Gefahr des Gefühls der Enge.
Die Gruben für die „sichtbare Wasserführung“ des Systems zur Regenwasserrückhaltung und -ableitung sind bereits ausgehoben. Spätestens im Sommer des Jahres 2000 werden dann „gestaute Wasserflächen“ zu bewundern sein, die – so eines der erklärenden Bauschilder – durch einen Wasserlauf miteinander verbunden werden.
Vom Ganzheitlichen Gesundheitszentrum (GGZ) ist derzeit kaum mehr als die Ankündigung zu erkennen. Auch andere Baugesellschaften lassen sich mit ihrem Expo-Start offenbar bis zum letztmöglichen Augenblick Zeit, während anderswo hinter den Fenstern bereits Gardinen hängen und Zimmerpflanzen gedeihen.
Läßt der Hannover-Messe-Besucher von der Siedlungsbaustelle aus den Blick über das Messegelände schweifen, bleibt er unweigerlich an der Halle 9 hängen: Die Dachkonstruktion erinnert an wild sich türmende Wellen und lenkt ein wenig vom sonst hier vorherrschenden rechten Winkel ab. Hinter Halle 9 steht scheinbar unverrückbar „die weiße Wucht“: Halle 10. Sie verkündet Besuchern, die mit dem Auto von Süden aus anreisen, nach wie vor ihre baldige Ankunft am größten Messeplatz weltweit. Angesichts solchen martialisch auftrumpfenden Symbols beschleicht manchen an Architektur Interessierten der Zweifel, ob die zur Weltausstellung versprochene Vielfalt und Offenheit uneingeschränkt zu Tage tritt.
Gegenüber den Hallen 9 und 10 liegen bereits Fundamente der Expo-Plaza, die über eine aufwendig konstruierte Fußgängerbrücke mit dem Haltpunkt der Stadtbahnlinie D aus der Südstadt verbunden wird: Aus Stahlrohren läßt der Expo-Partner und Bauherr Preussag AG auf den vier teils autobahnbreiten Brücken ein Mastenwald entstehen: Flaggen, Standarten oder Spruchbänder sollen flattern, Zeltdächer werden gespannt. In der Dämmerung wandeln sich die Stangen dann in Lichtspaliere mit vielen hellen Leuchtstäben.
In der wie viele andere Hallen rechtwinklich konzipierten Arena, dem zentralen Veranstaltungsbereich, sollen einmal 15 000 Besucher Platz finden. Auf dem Plaza-Areal werden in unmittelbarer Arena-Nachbarschaft der Deutsche Pavillion, das Desgin-Center, ein Verwaltungsgebäude, der Bertelsmann-Pavillion, ein Hotel, eine Diskothek und ein Kino gebaut. Ebenfalls auf der Plaza präsentieren sich Bauten internationaler Organisationen. Die 400 Bäume der beiden Alleen sind bereits gepflanzt. Derzeit verleget die Deutsche Telekom das Feinnetz für ihre Nachrichtentechnik.
Der Deutsche Pavillion – Investor und Architekt Josef Wund – existiert bereits als Rohbau. Mit etwas Vorstellungswillen läßt die 130 m lange filigrane Stahlträgerkonstruktion, an der eine Glasfassade hängen wird, erahnen, welche Wirkung von diesem Bauwerk ausgehen dürfte. Das erste der sechs 200 t schweren Dachelemente ist unlängst mit Hilfe von vier Kranen auf die Stützpfeiler gestellt worden. Mehr als 100 m lange, frei gespannte Stahlträgerwerke ermöglichen einen Show- und Ausstellungsbereich ohne Stützen. Erwartet werden täglich 60 000 Besucher aus aller Welt. Als Nachnutzung für den Deutschen Pavillon ist ein „Museum der Zukunft“ im Gespräch.
Auf dem zweiten von vier wesentlichen Expo-Bereichen, dem Pavillongelände Ost – ein rund 480 000 m2 großes Areal – liegen immerhin schon die Gehwegplatten, die die Besucher der Nationen-Pavillions betreten werden. 375 Bäume entlang der Straßen treiben hier ihre Wurzeln ins Erdreich. Insgesamt 25 km Versorgungsleitungen für Gas, Wasser, Strom, Telekommunikation, Regen- und Schmutzwasser sind in den vergangenen Monaten verlegt und wieder mit Erdreich überdeckt worden.
Die rund 40 Nationenpavillons werden entweder als dauerhafte Gebäude gebaut oder mit zeitlicher Existenzbegrenzung bis zum Ende der Expo. Als erstes Teilnehmerland haben die Niederlande mit den Arbeiten für ihren Pavillon begonnen. Die Nachnutzung dieser Bauten ist übrigens zum Teil noch nicht geklärt.
Als weiteres Areal für die Länderpräsentationen dient das Pavillongelände West. Auf dieser 177 000 m2 großen Fläche entstehen zur Expo weitere temporäre Gebäude. Am südlichen Ende dieses Areals liegt der Eingangsbereich West. Von dort ist der Expo-Bahnhof über den Skywalk, eine gläserne Doppelröhre zu erreichen. Nach der Expo wird die Deutsche Messe AG dieses Gelände als Ausstellungs- und Parkfläche nutzen. Ver- und Entsorgungsleitungen kommen derzeit in die Erde.
Auf dem Messegelände selbst wird es eine Vielzahl von Ausstellungen geben, so der Themenpark, einen der Hauptattraktionen der Expo 2000. Die Messehallen 12, 13 und 14 wurden bereits 1997 fertiggestellt. Zur diesjährigen CeBIT hat die Messegesellschaft auch die Hallen 8, 9 und 25 in Betrieb genommen. Die technische Aufwertung älterer Hallen läuft bei Aufrechterhaltung des Messebetriebs weiter – bis zum Frühjahr 2000.
DOROTHEA WENDELN/E.W.
Wie eine riesige Wunde in der Landschaft präsentiert sich derzeit das für die Expo 2000 erschlossene neue Gelände der Hannover-Messe. In der Mitte des Luftbilds die Baugrube für das Gebäude „Arena“, das 15 000 Besucher fassen soll.

Von Dorothea Wendeln/E.W.

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