Architektur 16.01.2004, 18:28 Uhr

Neuer Markt für deutsche Architektur

VDI nachrichten, München, 16. 1. 04 -Unter deutscher Architektur verstehen die meisten Chinesen auch heute noch niedliches Fachwerk mit Butzenscheiben. Kein Wunder, dass bei internationalen Ausschreibungen meist andere Nationen die Nase vorn hatten. Doch seit ein paar Monaten hat das Reich der Mitte die Qualitäten deutscher Baumeister entdeckt.

Architektur aus Deutschland genießt im Ausland einen guten Ruf. Das Können deutscher Architekten und Ingenieure wird jenseits der deutschen Grenzen hoch geschätzt. Da verwundert es, dass in China bislang meist Büros aus den USA, aber auch aus Australien und Japan die Nase vorn hatten.
Seit einiger Zeit jedoch vollzieht ein Wandel, denn zunehmend gewinnen deutsche Planer chinesische Wettbewerbe. Im Juli „03 hat das Büro Henn Architekten, München, im Wettbewerb „Beijing International Automotive Expo“ gegen acht internationale Büros gewonnen. Im September belegten die Frankfurter Architekten KSP Engel und Zimmermann beim internationalen Wettbewerb für die Chinesische Nationalbibliothek in Beijing den 1. Platz. Die Axis-Group aus Berlin, eine Kooperation von mehreren deutschen Architekturbüros, hat im Oktober das geschlossene internationale Gutachterverfahren für die Fortune Plaza in Chongqing gewonnen. Im selben Monat konnte das Stuttgarter Planungsbüro IFB Dr. Braschel AG den Wettbewerb für ein 20 km² großes Stadterweiterungsgebiet südlich der Stadt Jiashan für sich entscheiden.
„Die Chancen für europäische Büros haben sich erheblich verbessert. Geschätzt werden Koordinationsfähigkeit und die detaillierte Vorarbeit deutscher Architekten,“ berichtet der Münchner Architekt Andreas Beeg, Geiselbrecht – Beeg + Partner, der mit dem Innenausbau der öffentlichen Bereiche eines großen Wohnprojekts in Beijing beauftragt wurde.
Architekt Marcus Hackel vertritt die IFB Dr. Braschel AG in Shanghai und hat die gleichen Erfahrungen gemacht: „Deutsche Architektur ist hier wegen ihrer klaren, sachlichen Sprache hoch angesehen.“ Das Stuttgarter Beratungs- und Gesamtplanungsunternehmen wird im Jahr 2004 die ersten Projekte in China realisieren und baut derzeit ein Repräsentantenbüro im Reich der Mitte auf. Dies ist bürokratisch und zeitaufwändig, denn dafür sind u.a. die Wahl eines eigenen chinesischen Namens, ein Bewerbungsschreiben, ein Ernennungsschreiben, eine Firmenbeschreibung, eine Bescheinigung über die Kreditwürdigkeit, der Mietvertrag für die Büroräume und der Lebenslauf der Repräsentanten notwendig.
Die Hamburger Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp), deren erstes chinesisches Projekt 1998 die Deutsche Schule in Peking war, haben im Jahr 2000 ein eigenes Office, in dem heute sieben deutsche und acht chinesische Mitarbeiter tätig sind, eröffnet. Das Büro wird regelmäßig zu Wettbewerben eingeladen und hat das Ziel, mit klaren und einfachen Formen gegen das verbreitete Klischee einer gefälligen Dekorationsarchitektur vorzugehen.
In Shanghai beispielsweise haben viele Hochhäuser einen europäischen Sockel, einen amerikanischen Mittelteil und obendrauf einen chinesischen Hut. Hier versuchen gmp ihre Philosophie von Architektur unter Bezugnahme auf Funktion, Klima, Mentalität und Geschichte in China einzubringen.
Wenn Chinesen Deutschland bereisen, besichtigen sie historische Städte wie Heidelberg oder Rothenburg o.d.T. Die Folgen dieser Sightseeing-Tours bekam das Büro AS&P – Albert Speer & Partner – zu spüren. Für Anting New Town, das ca. 25 km von Shanghai entfernt als Zentrum der neuen chinesischen Automobilindustrie entsteht, sollten die Frankfurter Planer eine Stadt im deutschen Stil entwerfen – eine Stadt mit Butzenscheiben und Fachwerk.
Glücklicherweise konnte das Büro seine Auftraggeber davon überzeugen, dass das nicht das moderne Deutschland ist und den Wunsch nach Einmaligkeit mit dem Hinweis auf die qualitativ hochwertige Gebäudetechnik und Wärmedämmung wettmachen.
Die Basis für größere Aufträge bilden Wettbewerbe, an denen nur wenige Büros teilnehmen, die wiederum zu den Wettbewerben eingeladen werden. Nicht eingeladene Büros können sich in einer Präqualifikationsphase um die Teilnahme bewerben. Wer hier ausgewählt wird, erhält eine offizielle Einladung. Die Bearbeitung ist zeitlich knapp bemessen und finanziell sehr aufwändig. Neben den Zeichnungen müssen Broschüren, Modelle in verschiedenen Maßstäben, Perspektiven und Beamer-Shows angefertigt und nach China transportiert werden. Henn Architekten haben für den Wettbewerb in Beijing darüber hinaus noch zwei Filme mit chinesischen Untertiteln erstellen lassen.
Die Ergebnisse der Wettbewerbe stehen schnell fest und häufig finden mehrere Überarbeitungsrunden statt, an denen meist noch mehrere Büros teilnehmen. Problematisch wird es, wenn es um die Ausführung geht, denn zum einen liegt diese Planung nach chinesischem Recht in der Hand heimischer Architekturbüros. Zum anderen werden Detailfragen in China mit Bauherr, Planer und Ausführenden auf der Baustelle besprochen und entschieden.
Riesig und mit deutschen Maßstäben nicht vergleichbar sind die Volumina chinesischer Bauvorhaben. In Luchao Harbour City (Planung gmp), einer Stadt, die zwischen Shanghai und dem neuen Tiefseehafen Yangshan errichtet wird, sollen ab 2005 rund 80 000 Menschen, nach Fertigstellung 300 000 Menschen leben. Die Shanghai International Automobile City (SIAC) entsteht auf einer Fläche von 5800 ha, auf der bis zum Jahr 2005 u.a. ein Campus für Forschung und Entwicklung der Tongji University und in Anting New Town Wohnungen für 50 000 Menschen errichtet werden. Für die Beijing International Automotive Expo (1. Preis Henn Architekten) steht ein Areal von 85 ha zur Verfügung, das mit einem Automuseum (40 000 m²), Markenpavillons (40 000 m²), Werkstätten und Prüfgebäude (35 000 m²), Büroflächen (140 000 m²) sowie einem Shopping Center (50 000 m²) bebaut werden soll. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Realisierung, damit die internationale Ausstellung pünktlich zu den Olympischen Spielen 2008 ihre Pforten öffnen kann.J. HORSCHIG/wip

Von Horschig/Wip

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