Architektur 20.07.2001, 17:30 Uhr

Mit der Sonne Kasse machen

Die „Plusenergie“–Häuser wurden von Rolf Disch entworfen.

Bereits vor Jahren plante Rolf Disch, der sich selbst „Solararchitekt“ nennt, die Solarsiedlung am Schlierberg in Freiburg. Diese Siedlung sollte nicht nur völlig unabhängig von fremden Energiequellen sein, sondern selber Strom in das öffentliche Netz einspeisen.

Mittlerweile sind die ersten 25 Solarhäuser am Schlierberg bezogen, weitere 25 sollen noch in diesem Jahr fertig werden. Alle Gebäude sind „Plusenergie“-Häuser, die mehr Energie erzeugen, als tatsächlich verbraucht wird.

„Wir setzen bei dieser Plusenergie-Bauweise zunächst einmal auf die Technik der solaren Gewinne durch die Fenster“, erklärt Architekt Disch sein Projekt. So benutze man eine streng nach Süden ausgerichtete „Super-Verglasung“, die das Beste darstelle was man zur Zeit auf dem Markt erhalten könne. Die Fenster bestehen aus einer dreifachen Isolierverglasung mit besonders eisenarmen Glas, das, so Disch, erheblich mehr Wärme durchlässt als normales Glas.

Besonderen Wert lege man beim Bau auch auf die Isolierung des Hauses, speziell im Bereich um die Fenster und Türen. „Durch eine optimale Isolierung erhalten wir ein praktisch wärmedichtes Haus“, betont der Architekt. Der Luftaustausch zwischen dem Haus-Inneren und der Umgebung erfolge dabei wie bei der menschlichen Atmung: „Wenn das Haus ‚ausatmet’, wird die warme Luft über einen Generator geleitet, während gleichzeitig die ‚eingeatmete’ Luft wieder erwärmt wird.“

Neben dieser solaren Wärmegewinnung, die in den nächsten Jahren noch durch eine großflächige Vakuum-Kollektoranlage ergänzt werden soll, sorgt ein mit Holz betriebenes Block-Heizkraftwerk für weitere Wärme und gleichzeitig auch für elektrische Energie. Ebenfalls der Stromversorgung dienen Photovoltaik-Anlagen, die bei allen Solarhäusern anstelle von Dachziegeln die Häuser bedecken. Ein Vordach, das bei allen Häusern der Siedlung vorhanden ist und ebenfalls mit Photovoltaik-Modulen eingedeckt wurde sorgt für weiteren Strom, sodass jedes einzelne Gebäude, je nach Größe, im Durchschnitt 6,6 kW Strom produziert.

Bei der Planung der Siedlung am Schlierberg in Freiburg stand allerdings nicht alleine die Energiefrage im Vordergrund. Neben der Verwendung von wohngesunden, nachwachsenden Rohstoffen und dem völligen Verzicht auf textile Baustoffe wurde auch ein besonderes Augenmerk auf das Wohnumfeld gelegt. „Wir haben uns besonders darum bemüht, dass unsere Häuser eine hohe Aufenthaltsqualität haben“, erläuterte Disch „eine solche Qualität erreichen wir, indem wir z.B. den Pkw-Verkehr aus der Siedlung heraushalten“. So finden sich Parkplätze sowie die Einfahrt zur siedlungseigenen Tiefgarage nur am Rand der Siedlung – der Kern bleibt autofrei. Disch geht noch weiter: „Für die Bewohner der Siedlung bieten wir ein Car-Sharing an. Damit haben wir erreicht, dass bei fast allen Familien auf den Zweitwagen, in einigen Fällen sogar auf den Erstwagen, verzichtet wurde.“

Dass ein gesundes Wohnen in Plusenergie-Häusern nicht billig ist, versteht sich fast von selbst. Dennoch unterscheiden sich die Bau- bzw. Anschaffungskosten für ein solches Haus auch im relativ hochpreisigen Freiburg kaum von denen für ein konventionell errichtetes Eigenheim. Je nach Ausstattung, Lage und Größe muss der Interessent mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich DM 5.500 rechnen. Doch steckt in diesen Häusern, die durch Energieabgabe in das städtische Versorgungsnetz selber „Geld verdienen“, einiges an materiellem und immateriellen Mehrwert, der auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist: „Alleine das Material für die besonders großflächige Verglasung der Räume, die mit für ein angenehmes Wohnen sorgt, kostet das Doppelte von herkömmlichem Fensterglas“, rechnet Architekt Disch vor. Nicht zu beziffern sei hingegen der Effekt des angenehmen Wohnens, das durch die helle und vor allem gesunde Bauweise dafür gesorgt habe, dass bei den ersten Siedlungsbewohnern nach ihrem Einzug Erkrankungen wie Allergien, Erkältungen oder Migräne verschwunden seien. „Dieses Phänomen wurde zwar noch nicht wissenschaftlich untersucht, ist aber dennoch ein Fakt“, meint Disch.

Die Solarsiedlung in Freiburg stellt ein Model für eine ökologisch ausgewogene und energetisch fast autarke Bauweise dar. Doch auch wenn der Standort in einer der sonnigsten Gegenden Deutschlands ein solches Modell geradezu herausfordert, ist nach Ansicht des Erbauers diese Bauweise an jedem Ort angebracht: „Im Prinzip würde eine solche Siedlung überall funktionieren“, ist sich Disch sicher. Denn selbst wenn man in kälteren Gegenden baue, würde immer noch die gute Wärmedämmung und der sparsame Umgang mit Energie für eine positive Bilanz sorgen. Es sei dabei nur erforderlich, dass die Bauweise den jeweiligen Klima angepasst werde.

Doch die Bebauung des Schlierbergs ist noch nicht abgeschlossen: „Wir planen weitere 75 bis 80 Plusenergie-Häuser sowie das sogenannte ‚Sonnenschiff’, ein größeres, mehrstöckiges Gebäude mit Mehrfachnutzung.“ In diesem Haus sollen Geschäfte und Büros Platz finden. han/wip

Von Han/Wip

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Stadtverwaltung Altenburg-Firmenlogo
Stadtverwaltung Altenburg Referatsleiter/in Stadtentwicklung und Bau Altenburg
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)-Firmenlogo
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) für Verkehrswegebau Berlin
Sopro Bauchemie GmbH-Firmenlogo
Sopro Bauchemie GmbH Junior-Produktmanager (m/w/d) Wiesbaden
Stadt Leer (Ostfriesland)-Firmenlogo
Stadt Leer (Ostfriesland) Stadtbaurätin/Stadtbaurat (m/w/d) Leer
EEW Energy from Waste GmbH-Firmenlogo
EEW Energy from Waste GmbH Teamleiter (m/w/d) Bautechnik Helmstedt
inetz-Firmenlogo
inetz Planungsingenieur Fernwärme (m/w/d) Chemnitz
Autobahn Tank & Rast Gruppe-Firmenlogo
Autobahn Tank & Rast Gruppe Architekt / Bauingenieur als Property Manager (m/w/d) im Homeoffice Bonn (Home-Office)
Autobahn Tank & Rast Gruppe-Firmenlogo
Autobahn Tank & Rast Gruppe Architekt / Bauingenieur als Property Manager (m/w/d) Home-Office
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH-Firmenlogo
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH Leiter Technik und Instandhaltung / Betriebsingenieur (m/w/d) Wiesbaden
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Abteilungsleitung (m/w/d) "Technik" Stade

Alle Bauwesen Jobs

Top 5 Architektur