Architektur 11.04.2008, 19:34 Uhr

Mit dem Bauherrn bis zum Ehebett  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 4. 08, jul – Dubai am Arabisch-Persischen Golf ist die am schnellsten wachsende Stadt der Welt. Milliardenprojekte in noch nie erreichten Höhen und Ausmaßen werden von namhaften Architekten in die Wüste gesetzt. Viele deutsche Unternehmen sind am Bauboom beteiligt. Auch hartnäckige, anpassungsfähige Einzelkämpfer haben Erfolg.

Nichts als Sand und heiße Luft. Roland Landskröner sucht ein Grundstück am Rand von Dubai. Der Architekt und Diplom-Ingenieur aus Dortmund soll einen Bodengutachter einweisen. In Landskröners klimatisiertem Allradfahrzeug herrschen Temperaturen wie an einem schönen Sommertag am Rhein. Die Straße vor ihm jedoch scheint sich zu verflüssigen. 45° C flirrende Hitze liegt über dem Land – ohne Schatten.

Den gibt es hier vorerst nur von einem meterhohen Bauzaun. „Den Ort hätte ich nicht gefunden ohne GPS und waypoints“, meint Landskröner. Sein Englisch ist so fließend, dass ihm Wörter auf Deutsch, wie die Bezeichnung für Wegweiser, manchmal nicht gleich einfallen.

Er parkt in der Gegend um die Freihandelszone von Jebel Ali (JAFZ). 35 km westlich des Stadtzentrums agieren über 5000 Unternehmen aus aller Welt auf über 300 ha, darunter mehr als 180 deutsche Firmen.

Eine Handelsdrehscheibe mit Anbindung an einen der größten Häfen und bald auch den größten Flughafen der Welt, das Dubai World Central. Der Standort verspricht Nähe zu den Märkten in Nordafrika, auf dem indischen Subkontinent und denen im arabischen Raum. Unternehmens- und Einkommenssteuern sind hier Fremdworte.

Im Süden der Freihandelszone baut Landskröner ein Distributionszentrum für Lacke. Auftraggeber ist ein Unternehmen aus Hamm. „Von hier aus soll der Mittlere Osten beliefert werden“, erzählt er. Noch steht das Projekt der westfälischen Firma nur auf dem virtuellen Reißbrett, als Datei in seinem Computer. Und die Straße führt ins Nirgendwo. „So fängt hier alles an“, sagt er. Erst kommen die Asphaltmaschinen, dann die Energiemasten. Kilometerweit führen vielspurige Autobahnen durch ein Meer aus Sand.

An dieser Zukunft wollte Landskröner, ein Mann von Mitte 40, teilhaben. Als er 2004 zum ersten Mal in Dubai aus dem Flieger stieg, „um zu sehen, was hier los ist“, war sein Partner, der Maschinenbauer und Betriebswirtschaftler Jan Opländer, schon da. Angesteckt von der Aufbruchstimmung am Golf gründeten sie die Jaros AE mit Sitz in Dubai und Dortmund. Zwei Geschäftsführer von seit Jahrzehnten in Deutschland etablierten Unternehmen in der Architektur und technischen Gebäudeausrüstung wurden ein Team.

„Dass die Architekten zu den Bauplätzen kommen und nicht andersherum, das war schon immer so“, meint Landskröner. „Aber was mich hier erwartet, war mir anfangs nicht ganz klar – eine Knochentour.“

Neben der Recherche verbrachte er ein Jahr allein damit, Kontakte zu pflegen. „Mein Partner und ich hatten viele verheißungsvolle Gespräche“, erzählt Landskröner über stundenlange Treffen mit arabischen Geschäftsleuten in Business Lounges und Hotellobbys. „Überzeugend waren wir schon“, meint er. „Aber ein Auftrag kam dennoch nicht dabei heraus. Sie wollten dich erst mal kennenlernen.“

Landskröner musste erfahren, dass es nicht reicht, eine Homepage auf Englisch zu haben, mehrmals im Jahr nach Dubai zu reisen und dort, neben seiner Visitenkarte, einen guten Eindruck zu hinterlassen. „Du musst vor Ort und rund um die Uhr erreichbar sein. Außerdem braucht man einen Local, einen lokalen Partner. „Ohne den“, sagt er, „geht gar nichts.“

Nach kostspieligen Hotelübernachtungen stellte sich für ihn die Frage: Wo soll ich wohnen? Angebote gab es genug. Doch innerhalb kurzer Zeit kam der Eigentümer seines Appartements auf die Idee, die Miete zu verdoppeln. In Dubai, wo man die Kosten per Vertrag ein Jahr im Voraus begleicht, eine durchaus übliche Vorgehensweise. Die gab dem Architekten allerdings zu denken – an ein eigenes Haus.

Doch erst einmal sollte das eines anderen ihm Kopfzerbrechen bereiten. Nach der „Big 5 Show 2005“ in Dubai, der größten Messe rund ums Bauen im Mittleren Osten, wartete auf ihn „harte Arbeit“. Kontakte über den seiner Meinung nach „sehr nützlichen deutschen Pavillon“ brachten ihm einen Auftrag ein: Die Planung einer 200 m2 großen Villa. Sein Büro mit sechs Kollegen in Dortmund macht so etwas alle Tage.

„Aber hier gelten andere Maßstäbe“, erklärt er. „Hier geht man mit dem Bauherrn bis zum Ehebett.“ Nach arabischer Sitte hat so ein Haus einen großen Empfangsraum. Und der muss so konzipiert werden, dass sich Männer und Frauen nicht unbedingt begegnen.

Als ein Mensch, der locker auf andere zugehen kann, schätzt Landskröner die Gastfreundschaft der Araber und die Atmosphäre in der Stadt. „Hier findet man eine Toleranz, wie nirgendwo sonst auf der Welt“, sagt er. Das habe ihm vom ersten Tag an gefallen.

Längst hat er sich an die örtlichen Gepflogenheiten gewöhnt. Der Sonntag in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist ein Arbeitstag, der Freitag frei. Um den Geschäftsverkehr mit Europa und Übersee nicht zu behindern, hatten alle sieben Emirate kurzerhand das muslimische Wochenende verlegt. Von einem Tag zum anderen erfuhren das die Leute aus der Zeitung, und es gab keinen Aufschrei.

Landskröner schummelt trotzdem ein bisschen. „Ich nutze den halben Freitag, um mit meinem Büro in Deutschland zu reden.“ Dann winkt er ab. „Auf meine Mitarbeiter kann ich mich immer verlassen.“

„Die ersten Aufträge hier waren für mich kein Spaziergang“, meint er. „Ich musste mich hocharbeiten um hoch bauen zu dürfen.“ In den Emiraten gibt es drei unterschiedliche Zulassungen für Architekten. Je nachdem, wie viel Berufserfahrung man mitbringt, liegt die Geschosshöhe bei vier und zwölf oder ist unbeschränkt.

500 Türme wachsen in der Metropole gleichzeitig aus dem Wüstensand, darunter der Burj Dubai. Für den einmal 818 m hohen Wolkenkratzer wirbt das Emirat Dubai mit dem Slogan von Scheich Mohammed bin Raschid al Maktoum: „Die Erde hat ein neues Zentrum.“ Der Herrscher ist bekannt für seine Visionen, die keine bleiben. Im Sommer 2009 soll das formvollendete, höchste Gebäude der Welt fertig sein.

Obwohl Landskröner jetzt ohne Limit bauen darf, will er nicht so hoch hinaus. Seit zwei Jahren Jahren plant er ein Distributionszentrum für Lebensmittel im Dubai Investment Park. Seit einigen Wochen hat er die notwendigen Genehmigungen vom Bauordnungsamt in der Tasche, ein Millionenauftrag. „Visionen werden zu Realitäten“, steht auf der Homepage der Jaros AE. Da liegen die Dortmunder mit Scheich Mohammed auf einer Linie.

HEIKE BALDAUF

Ein Beitrag von:

  • Heike Baldauf

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