Architektur 11.12.1998, 17:20 Uhr

„Metropolengemäßer Entwurf“

Noch ist die Finanzierung der 700 Mio. DM Umbaukosten nicht gesichert.

Berlins Sportstaatssekretär schwärmt: „Ein sehr schönes Konzept, hauptstadtgerecht und metropolengemäß.“ Klaus Löhe ist begeistert von dem Entwurf der Architekten gmp (von Gerkan, Marg und Partner, Berlin/Hamburg) zum Umbau des Berliner Olympiastadions.
Und nicht nur er. Auch bei den Staatssekretären der Berliner Verkehrs-, Wirtschafts-, Finanz- und Stadtentwicklungsverwaltung kam das Konzept des Hamburger Stararchitekten Meinhard von Gerkan hervorragend an. Nicht zu teuer, dafür aber sehr effektiv – zwei Eigenschaften, die die Staatssekretäre letztlich dazu bewogen, den Entwurf dem Senat der Hauptstadt als Favoritenvorschlag zur Entscheidung vorzulegen. Und auch die „Stadtväter und -mütter“ hat das Konzept offenbar überzeugt. Sie folgten dem Vorschlag und erteilten am 1. Dezember dem Büro gmp den Zuschlag. Allerdings erbaten sie noch eine Überarbeitung des Konzeptes im Bereich der VIP-Unterbringungen. Damit hat die jahrelange Geschichte um die Modernisierung der historischen Wettkampfarena in Berlins Westend die entscheidende Hürde genommen.
„Der Senat ist in seiner Entscheidung völlig frei“, hatte kurz zuvor noch Volker Kähne, Chef der Berliner Senatskanzlei, versucht, ein bißchen Spannung zu verbreiten. Beobachter waren aber schon lange sicher, daß gmp klar die Nase vorn hat.
Als weiteres Moderniserungskonzept hatten die Staatssekretäre die Entwürfe der Berliner Architekten Müller & Reimann empfohlen. Darauf ließ sich der Senat allerdings nicht mehr ein. Ein entsprechender Passus in der Senatsvorlage, das Büro Müller/Reimann werde beauftragt, falls die bei gmp nötige Überarbeitung erfolglos bleibe, wurde gestrichen. Eduard Heußen, stellvertretender Senatssprecher, begründete dies damit, daß man absolute Klarheit schaffen wolle.
Bereits Anfang November hatte eine Jury aus Abteilungsleitern verschiedener Senatsverwaltungen in einer Vorauswahl ferner die Entwürfe des Architekten Claude Vasconi sowie der Stuttgarter Planungsgruppe Deyle & Bung befürwortet, erklärt Baustaatssekretär Ingo Schmitt. Diese spielen jetzt aber – ebenso wie das Müller/Reimann-Modell – keine Rolle mehr.
Das Konzept von Gerkan, Marg und Partner – Kosten knapp 540 Mio. DM – sieht vor, daß der bisherige Unterring des Stadions durch flexible Tribünen mit 11 000 Zuschauerplätzen ergänzt wird. Um Raum für die Konstruktion zu bekommen, wird das Fußballfeld samt Laufbahn 3,50 m tiefer als bisher angelegt. Nach Sanierung und Umbau werden bei Fußballspielen rund 77 000 Besucher, bei Leichtathletikveranstaltungen 67 000 Zuschauer einen Sitzplatz haben. GMP plant bisher 23 Logen mit jeweils 20 Plätzen für VIPs.
Innerhalb eines halben Tages sollen die Tribünen ein- oder ausgefahren werden können. Der weithin sichtbare Clou des Entwurfs: Alle Sitzplätze werden künftig überdacht sein. Nur über dem Marathon-Tor bleibt ein Freiraum, damit die Sicht zum historischen Olympia-Glockenturm nicht versperrt wird. Nach den Plänen des Hamburger Architektenbüros wird das Dach von Stützen getragen, die im Oberring montiert sind. Die gesamte Dachkonstruktion reicht bis zum Stadionrand.
In rund anderthalb Jahren wird der Anpfiff für das Projekt erfolgen. So sollen die Sanierungsarbeiten im Mai 2000 beginnen und im März 2003 beendet sein. Sanierung und Umbau erfolgen in Segmenten, wodurch das Stadion während des größten Teils der Bauzeit geöffnet bleiben kann. Lediglich im Sommer 2002 müßte die Arena nach Auskunft der Architekten für drei Monate geschlossen werden, da das Spielfeld abgesenkt werden muß. Zu Beginn der Bauzeit wird sich die Sitzplatzzahl auf jeden Fall auf 55 000 ermäßigen. Die Baustellen werden mit Planen abgedeckt, die für Werbung genutzt werden.
Nicht nur bei Senat und Staatssekretären, auch bei den Berliner Sportfunktionären stößt der Entwurf überwiegend auf Zustimmung. „Ich bin für den gmp-Vorschlag, weil er die billigste Lösung ist und Bundesligaspiele während der Umbauphase möglich macht“, sagt Otto Höhne, Präsident des Berliner Fußballverbandes. „Wir sind für diese Variante, weil sie auch während der Bauphase noch 55 000 Zuschauern Platz bietet“, ergänzt der Präsident des Landessportbundes, Manfred von Richthofen. Wesentlich verhaltener klingt Hans-Georg Felder, Sprecher des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. „Wir finden uns in der bisherigen Lösung nicht ausreichend wieder“, erklärt er „Für uns ist das Logenkonzept wichtig. Außerdem muß der Spielbetrieb beim Umbau und die freie Sicht auf den Tribünen gewährleistet sein“, hatte bereits Vereinsmanager Dieter Hoeneß erklärt.
Eines ist allerdings klar: Angesichts der vorliegenden Pläne verabschiedet sich Hertha BSC nach Worten seines Managers jetzt von der ursprünglichen Forderung nach einem Stadionneubau. „Wir wollen hier nichts blockieren“, sagt Hoeneß. Klar ist aber auch, daß von den gewinnträchtigen Logen her das gmp-Konzept für den Fußballverein nur die zweitbeste Lösung ist. Besser wäre für Hertha sicher der Entwurf der Stuttgarter Planungsfirma Deyle & Bunk gewesen, die 1996 bereits die Sanierungsgutachten für das Olympiastadion erstellt hatte. Deren Konzept sah die stattliche Zahl von 140 Logen und Verkaufsräumen für Fan-Artikel vor.
Keine Frage, daß dies den Marketingstrategen von Hertha sehr entgegen kam. Hinzugekommen wären rund 90 000 Plätze für Zuschauer. Dies hätte allerdings auch seinen Preis gehabt. Mit 700 Mio. DM hätten die Kosten deutlich höher als bei gmp gelegen. Dennoch hätten laut Staatssekretär Ingo Schmitt alle ursprünglich dem Senat vorgelegten Entwürfe eines gemeinsam: Sie seien kostengünstig, denkmalgerecht und berücksichtigten die Erfordernisse des Sports. Bei dem jetzt ausgewählten Konzept von gmp kommt es nun darauf an, daß die Architekten die Zahl der Logen erhöhen. „Wir können die Zahl auch auf 46 verdoppeln“, versichert Volkwin Marg. Die Frage sei allerdings, wie und wo die Logen lägen. Die schönsten seien mittelängsseits. Im bisherigen Konzept habe man diese nur in bester Lage vorgesehen.
Übrigens: Als besonders denkmalgerecht galt im Vorfeld der Entscheidung der Entwurf der Architekten Müller & Reimann. Danach sollte das Olympiastadion für rund 600 Mio. DM nach heutigem Vorbild und versehen mit einem markanten Dachvorbau wieder hergestellt werden. Auch bei dieser Variante hätten ausfahrbare Tribünen für eine Zuschauerkapazität von gut 70 000 gesorgt.
Laut Schmitt wird der Auftrag jetzt förmlich ausgeschrieben: „Unser Ziel ist, daß derjenige, der baut, auch gleichzeitig der Betreiber ist. Jedenfalls sollte es eine enge Verknüpfung geben. Wir wollen, daß das, was verwirklicht wird, später auch kostengünstig betrieben werden kann.“
Wenn es denn betrieben werden kann. Denn schon gibt es Stimmen, die die Realisierung des Projektes wieder in Frage stellen. So bestehen große Unsicherheiten über die Finanzierung. „Nach wie vor ist offen, ob der Umbau überhaupt finanziert werden kann“, erklärt Hans Stimmann, Staatssekretär für Stadtplanung. Sein Kollege, Finanzstaatssekretär Frank Bielka, hatte zuvor schon erwähnt, daß weder Berlin noch der Bund bisher Geld eingeplant hätten. Allerdings bestätigte Kanzler Schröder vor wenigen Tagen die bereits von Kohl zugesagten 100 Mio. DM.
Für gmp bedeutet das Olympiastadion die Fortsetzung ihrer Berliner Erfolgsstory. Das Architektenteam wurde bereits aufgefordert, den Großflughafen in Schönefeld zu entwerfen und auch den neuen Lehrter Bahnhof im Zentrum.
T. SCHULZE/wip

Von Schulze/Wip

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