Architektur 05.04.2002, 17:33 Uhr

Lustobjekt „Phaeno“

das Science Center Phaeno in Wolfsburg. Zaha Hadid hat sich das schwerelos wirkende Lustobjekt ausgedacht, vor zwei Wochen war Grundsteinlegung.

Wolfsburg ist keine Weltstadt, noch nicht einmal 65 Jahre alt und dennoch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Der Grund dafür sind der Automobilhersteller VW und mutige Stadtväter. Neben dem Autokonzern haben Aufsehen erregende Architekturkonzepte wiederholt dazu beigetragen, dass die niedersächsische Stadt häufiger als andere in die Schlagzeilen der Presse geriet.

1938 entwickelte der damals noch junge Architekt Peter Koller den Bebauungsplan für den Ort, der als Arbeitersiedlung für das seinerzeit neu errichtete Volkswagen-Werk gegründet worden ist. Ende der 50er Jahre baute Alvar Aalto im Süden der Stadt an der Porschestraße das Kulturzentrum, und ab Mitte der 60er Jahre wuchs – fast gegenüber – das Theater von Hans Scharoun in die Höhe.

Ebenfalls im Süden steht das Kunstmuseum, mit dessen Planung die Architekten Schweger und Partner Ende der 80er Jahre beauftragt wurden. Im Norden schließt seit Juni 2000 das Volkswagenwerk durch die von dem Architekten Gunter Henn konzipierte VW-Autostadt an die Porschestraße und den Bahnhof an.

Der Fall der Mauer holte Wolfsburg aus der einstigen Randlage heraus, und die Anbindung an die ICE-Strecke Hannover-Berlin hat zu weiterer Bekanntheit beigetragen. VW-Kunden und Touristen allerdings, die mit dem Zug anreisen, vermittelt die Stadt derzeit keinen positiven Eindruck. Bahnhof und Umgebung wirken öde, der Übergang zur Autostadt provinziell.

Doch voraussichtlich Ende nächsten Jahres wird sich dies ändern. Dann nämlich soll – direkt am Bahnhof – das Science Center Phaeno eröffnet werden und unter anderem für eine adäquate Verbindung zur Autostadt sorgen.

Der Entwurf für das Wissenschaftszentrum stammt denn auch, wie soll es anders sein, aus einem renommierten Architekturbüro. Den international ausgeschriebenen Wettbewerb hat die in London lebende irakische Architektin Zaha Hadid mit einem spektakulären Vorschlag für sich entscheiden können. Sie hat die städtebaulich desolate Situation erkannt und eine Raumskulptur entworfen, die etwa 7 m über dem Boden schwebt. Ein Lichtteppich, der unterhalb des Gebäudes angebracht wird, soll diesen Eindruck noch verstärken.

Mit dieser im wahrsten Sinne abgehobenen Architektur schafft Hadid einen öffentlichen Raum mit vielfältigen Blickverbindungen und ein weiteres architektonisches Highlight in Wolfsburg. Für die Umsetzung des Entwurfs zeichnet die Architektengemeinschaft Science Center Wolfsburg, Zaha Hadid Ltd. & Mayer Bährle, Freie Architekten BDA, verantwortlich. Am 23. März 2002 fand die feierliche Grundsteinlegung statt.

Im Rahmen dieses Ereignisses konnte man die ersten der zehn konisch geformten Raumstützen in Augenschein nehmen. Diese so genannten Cones dienen als Tragwerk für die Ausstellungshalle. Einige werden vertikal und horizontal strukturiert und später unter anderem die Eingänge, Werkstätten, ein Wissenschaftstheater mit 260 Plätzen, ein Restaurant und einen Shop beherbergen.

Hergestellt werden sie aus Beton, der, wie Dipl.-Ing. Roland Mayer erklärte, „bei diesem Bauwerk eine wichtige Rolle bei der Formensprache spielt.“ Normaler Beton eignet sich für diese Aufgabe nicht, weil er zu steif ist und verdichtet werden muss.

Auf der Suche nach einem geeigneten Material stießen die Architekten auf den noch recht unbekannten Selbstverdichtenden Beton (SVB). Er fließt auf Grund seiner speziellen Zusammensetzung wie Honig in die Schalung und füllt alle Hohlräume gleichmäßig aus. In Europa gibt es zwar einige Referenzprojekte, doch in Deutschland ist er noch nicht zugelassen.

In Zusammenarbeit mit der deutschen Betonindustrie und dem Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der Technischen Universität Braunschweig gelang es den Architekten, für den Einsatz beim Science Center in Wolfsburg eine bauaufsichtliche Zulassung im Einzelfall zu erhalten.

Insgesamt 3000 m³ SVB werden beim Phaeno eingebaut werden. Es ist damit nach Angaben der herstellenden Unternehmen das größte auszuführende Objekt in Europa und soll Wegbereiter für den Einsatz der neuen Technik in Deutschland sein.

Verwendet wird er ausschließlich für die Cones, die durch eine Brettschalung ein eigenwilliges Erscheinungsbild erhalten. Einige von ihnen bleiben im Innern hohl. Sie sollen nach dem Willen der Architektin durch die dreidimenisionale Kontinuität des Raumes wie Krater wirken, Licht von oben einfallen lassen und vom Erdgeschoss aus Einblicke in die höher gelegene, 5600 m² umfassende Ausstellung erlauben.

Auch hierfür will die Stadt Wolfsburg neue Wege beschreiten. Mit der Gesamtleitung der Ausstellung hat sie Joseph G. Ansel aus San Francisco beauftragt. Er war stellvertretender Direktor des dortigen Exploratoriums und ist heute freiberuflicher Science Center Experte. Diese frühzeitige Einbeziehung soll dafür sorgen, dass die inhaltliche Konzeption bereits bei der architektonischen Umsetzung berücksichtigt wird. Ziel ist, eine Ausstellung zum Mitmachen zu installieren.

Geplant sind unter anderem 250 interaktive Exponate zum selbstständigen Experimentieren, ein Life- und ein TechLab zum Experimentieren unter Anleitung sowie ein Ideenforum zum forschenden Experimentieren. Mit jährlich 260 000 Besuchern rechnen die Initiatoren, davon die Hälfte Kinder und Jugendliche. Damit haben sie sich die Messlatte sehr hoch gelegt, denn diese Zielgruppe ist anspruchsvoll und mit den heute in Deutschland üblichen Ausstellungskonzepten nur schwer bis gar nicht zu begeistern.

Der Erfolg ist der Stadt Wolfsburg zu wünschen, denn ganz preiswert wird Phaeno nicht. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 57 Mio. ç, davon entfallen etwa 40 Mio. ç auf das Gebäude und die Exponate, der Rest auf die Tiefgarage.

Voraussichtlich Ende 2003 wird Phaeno seine Tore öffnen, und vielleicht hat bis dahin auch die Deutsche Bahn den Wolfsburger Bahnhof an die dann städtebaulich attraktivere Umgebung angepasst. J. HORSCHIG/wip

Von Horschig/Wip

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