Architektur 09.12.2005, 18:41 Uhr

Kuppelbau nach Umbau mit phantastischem Klang  

Die Kuppelform des 1926 zunächst als Planetarium erbauten, seit 27 Jahren als Konzertsaal genutzen Gebäudes hatte den Zuhörern mit einem ungestümen „Klopfgeist“ den Spaß an der Musik verdorben. Akustiker haben jetzt mit pfiffigen Einbauten die „ideale“ Nachhallzeit von zwei Sekunden erreicht.

Zuletzt haben wir für jeden dritten der fast 2000 Sitzplätze eine Messung gemacht“, so Klaus -Hendrik Lorenz, Physiker und Musikwissenschaftler der Peutz Consult, „nur damit wir sicher waren, dass wir den ganzen Saal erfasst haben und nicht doch irgendwo wieder der „Klopfgeist“ zuschlägt“. Doch nach den umfangreichen akustischen Installationen in die Kuppel der einst als Planetarium gebauten Düsseldorfer Tonhalle sind alle Beteiligten höchst zufrieden.

Die Nachhallzeit, die Zeit, die ein Schallereignis im Saal hörbar bleibt, liegt jetzt bei 2 s, vorher waren es 1,3 s, viel zu kurz und damit zu trocken für konzertante Aufführungen. Die Orchestermusiker können zum ersten Mal auf dieser Bühne das Spiel ihrer Kollegen hören. Und das Publikum hört ein transparentes Klangbild mit sauberer Artikulation der Instrumente, bei hervorragender Deutlichkeit.

Vor allem bei Solo-Instrumenten trat früher der böse Geist der Tonhalle in Aktion: Die Kuppel, als Projektionsfläche für den künstlichen Sternenhimmel entworfen, reflektierte jedes einzelne Schallereignis auf der Bühne derart, dass sich auf den meisten Plätzen mehrere Echos bündelten. Obwohl das einzelne Echo leiser war als der direkte Schall, knallte die Summe der Echos, lauter als der direkte Schall, nur wenige Dutzend Millisekunden später auf das Trommelfell des Zuhörers.

Dass die Kuppelform das Problem war, wussten die Techniker um Martijn Vercammen, niederländischer Chefakustiker der Peutz Consult, Düsseldorf, schon aus ihren Erfahrungen mit der Royal Albert Hall in London.

Sie bauten ein Modell der Tonhalle im Maßstab 1:12 und fingen an zu probieren. Einbauten, die die klassische Kuppelform auflösen, sollten den Schall länger als bisher im Saal halten, die lästigen direkten Reflexionen, vor allem deren Bündelung, verhindern und die Nachhallzeit entscheidend verlängern. Nach vielen Variantenmessungen stellte sich endlich das gewünschte Klangbild ein und zusammen mit den Architekten ging es an die bauliche Umsetzung. Vor allem die Kuppel wurde verändert. Die alte Holzvertäfelung wurde gegen akustisch transparentes Metallgewebe ausgetauscht. „Blauschwarz lackierte Gipskartonplatten hinter den durchlässigen Gittern bilden jetzt Winkel und lösen die Kuppelform auf,“ erläutert Peutz-Mitarbeiter Klaus-Hendrik Lorenz. So sei zwischen transparenter Innenhaut und Kuppel-Außenhaut quasi eine dritte gefaltete Schale entstanden. Die Peutz-Fachleute tricksten den akustischen Nachteil der Kuppel aus.

Notwendig geworden war der Umbau der Tonhalle wegen Lüftungs- und Brandschutzmängeln und der Asbest-sanierung, was die Intendantin der Tonhalle/Düsseldorfer Symphoniker, Vera van Hazebrouck, und den Tonhallen-Freundeskreis auf die Idee brachte, im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten akustische Verbesserungen durchzusetzen. Gesamtkosten: 26 Mio. €.

Einer Privatinitiative ist es zu verdanken, dass Ende der 70er Jahre aus dem Planetarium ein Konzertsaal wurde: Der Düsseldorfer Architekt Helmut Hentrich schlug vor, in das provisorisch wieder aufgebaute Planetarium ein richtiges Konzerthaus zu integrieren, und zwar im Rahmen der werkgetreuen Wiederherstellung des Baudenkmals. Es entstand ein Modell, es gab eine Bürgerinitiative, am Ende waren alle von der Lösung überzeugt. Doch es wurde nicht beachtet, dass sich ein Kuppelbau für einen Konzertsaal nicht ohne weiteres eignet.

Das Ergebnis ließ sich sehen und bei der Eröffnung 1978 waren auch die Musikfreunde begeistert. Es erklang die Uraufführung eines Orchesterwerks von Wolfgang Fortner, das Chorwerk mit Orchester „Quattro pezzi sacri“ von Giuseppe Verdi und die Große C-Dur Symphonie von Franz Schubert. Über akustische Mängel klagte zunächst keiner. Doch bei späteren Klavier-Solo-Abenden machte sich besagtes Schlag-Echo bemerkbar. Schnell gab es Versuche, den Klopfgeist zu vertreiben, doch das waren Behelfe. Ein paar Jahre lang hingen Schallsegel aus Acrylglas in der Kuppel, irgendwann wurden sie wieder abgenommen. Offizielle Begründung: Sie hätten nichts gebracht und außerdem die Optik gestört.

Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Probleme des Kuppelsaales durch Hightech-Ingenieursarbeit gelöst wurden. Mit modernster Messtechnik wurden die optimalen Reflexionseigenschaften der Schallumlenkkörper und die akustische Transparenz des Metallgewebes bestimmt.

Glücklich ist nun auch Generalmusikdirektor John Fiore, der die meisten Symphoniekonzerte in dem Haus leitet: „Früher konnten wir spielen wie wir wollten – der Saal hat nie etwas zurückgegeben.“ Das habe die Musiker nicht motiviert. Jetzt sei die Spielfreude zurückgekehrt. E. WALLERANG

Ein Beitrag von:

  • Elmar Wallerang

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Hoch- und Tiefbau, Bautechnik.

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