Architektur 07.04.2006, 18:43 Uhr

Intelligentes Wohnen auf dem Wasser  

VDI nachrichten, Kiel, 7. 4. 06, rok – Beim „Kieler Schwimmhaus“ macht moderne Gebäudetechnik das Wohnen und Arbeiten auf dem Wasser komfortabel. Künftig kann man sein Heim nicht mehr nur betreten, sondern auch entern. Am besten natürlich von der See zugewandten Seite her, etwa beim Umsteigen vom eigenen Boot.

Seit Fertigstellung des 1. Kieler Schwimmhauses ist Wohnen auf dem Wasser noch eine ganze Ecke technischer und komfor-tabler geworden. Ein Traum für viele Wassersportler, die „ihrem Element“ noch näher sein möchten. Aber auch für Normalverbraucher. „Die wollen beim Wohnen nochmal eine ganz neue Perspektive erleben“, bemerkt der Vertriebsleiter der „Gebrüder-Friedrich-Werft“, Gerd Thomsen.

2000 machte sich ein weltweit einmaliger Verbund von Energietechnikern, Schiffsbauern und Architekten, die Arbeitsgemeinschaft „Living-on-water“ daran, diesen Traum zu realisieren. Die GF-Werft übernahm dabei den Löwenanteil der Arbeiten beim Bau des bislang größten deutschen Schwimmhauses. Fünf Jahre später war an der Kieler Förde am 25.11.05 Stapellauf. Kein normaler Stapellauf: Vom Helgen glitt ein Zwitterwesen in die Ostsee, weder Schiff noch Haus, eher aussehend wie „ein halbierter Dampfer“. So ein Zuschauer.

Das „Fundament“ des Zwitters bildet ein Stahlponton mit einer Grundfläche von 8 m x 15 m. Auf ihm ist ein dreigeschossiger großzügig verglaster Hauskörper mit Überhängen auf gesetzt. Das ergibt eine Wohnfläche von 140 m², hinzu kommen nutzbare Decksaußenflächen von fast 120 m². Der Preis: 3000 €/m2, dazu kommen die Kosten für den Liegeplatz und die Gebühren für die kommunale Versorgung.

Rein äußerlich mutet die Konstruktion recht simpel an: ein Schwimmkörper mit Hausaufsatz. Was Vertriebsleiter Thomsen nicht so gern hört. „Wenn jemand meint: Ich nehme mir jetzt ein Blockhaus und befestige es auf einem Schwimmponton, wird dieser Mensch scheitern“, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur.

Das Kieler Schwimmhaus sei schließlich sowohl von der ökologischen als auch von der haustechnischen „Intelligenz“ her „weltweit einmalig“, so Thomsen. Die Technik bleibt dabei den Bewohnern weitgehend verborgen. Etwa in den HEP-Wand-, Boden- und Deckenelementen, die es laut Thomsen „in sich haben“. HEP-Elemente sind Sandwichkonstruktionen, sie bestehen aus einer doppelten 18 mm dicken Sperrholzaußenschale mit einem inneren Spezialstyroporkern. „Die Konstruktion verträgt freitragende Spannweiten von bis zu 14 m“, so der GF-Mann. Das erlaube eine absolut freie Raumaufteilung, da auf tragende Zwischenwände im Gebäudeinneren weitgehend verzichtet werden kann.

Beim Einrichten müsse dann aber die Lastenberechnung auf der Schwimmkörperfläche stimmen, damit es nicht zur Krängung des Schwimmkörpers komme. „Das bringt das schwimmende Element nun mal mit sich“, sagt Thomsen, der nach Komplettausbau noch einen Krängungsversuch nach Richtlinien des Germanischen Lloyd (GL) durchführen lassen will. Von diesem „Schiffs-TÜV“ hat er schon den Rest des Konstrukts zertifizieren lassen. So hat der Stahlponton etwa einen zehnjährigen Schwimmfähigkeitsnachweis attestiert bekommen. Zu verdanken ist dies der Außenbeschichtung mit Procoat, einer hochglatten Kunststoffbeschichtung, die bei 40°C warm aufgetragen wird. Die Pontondoppelböden sind mit Schiffstankfarbe gegen Korrosion geschützt. In Bodenluken informieren zusätzlich Feuchtigkeitssensoren über mögliche Schwitzwasserbildung und sechs „Schwanenhälse“ sorgen für genügend Umluftzirkulation. Hier konnte die Werft ihr in 85 Jahren Schiffsbau erworbenes Wissen einbringen. Wie jeder Bootseigner weiß, ist der „Gammel“ auf dem Wasser um ein Vielfaches höher als an Land. Besonders am Meer lässt salzhaltige Luftfeuchte nur das Verbauen hochwertigster Materialien zu.

Für das Kieler Schwimmhaus ist das nasse Element aber nicht nur Gefahr und Bedrohung. „Mit unserer Wärmepumpe beuten wir das Umgebungswasser im Sommer wie im Winter zum Heizen oder Kühlen aus“, sagt Peter Thomas (57), Geschäftsführer der Berliner HATI-GmbH, die beim Projekt für die Haustechnik zuständig ist. Wirklich innovativ ist die intelligente Koppelung dreier verschiedener Energieerzeuger. Dazu gehören Solarmodule und ein Pelletofen, das Herzstück ist eine 8,5-kW-Wärmepumpe von Viessmann. Diese gewinnt im Winter Wärme aus der Wasser-Luft-Temperaturdifferenz. Im Sommer läuft es dank eines direkt unter dem Schwimmkörper befestigten 1,5 m² großen Wärmetauschers umgekehrt. Laut Thomas wird dann „das Meer zum Kochen gebracht“, wenn die Innenraumtemperatur auf erträgliches Maß heruntergekühlt wird. Teils geschieht dies über Luftschächte, teils über die in den Wandelementen verlegten Kupferrohre des Heizsystems. Normalerweise sorgt in ihnen der Heizwasserkreislauf mit dem darüberliegenden 35 mm starken Lehmverputz für angenehme Wärme.

„Die Lehmschicht ist eine der ökologischen Komponenten, die wir eingebaut haben“, sagt Thomsen. Das Haus ist dank modernster Speicher- und Steuertechnik (LON-Bus) als Nullemissionshaus ausgelegt und erfüllt den Marpol-Standard, ein weltweit geltendes Übereinkommen zur Verhütung von Meeresverschmutzung durch Schiffe. „Die tatsächlichen Emissionen sind jederzeit durch Datenauswertung überprüfbar“, meint Thomas. Für ihn reduziert sich intelligentes Wohnen keineswegs nur auf „Bill Gates“ Vision von autonom agierender Konsumelektronik“. In einer sensiblen Umgebung, wie beim Wohnen auf dem Wasser, dient die Technik vielmehr dem Ressourcenschutz und der Einhaltung von Umweltnormen. Kombiniert wird die intelligente Haustechnik mit bereits bestehender. Etwa bei der Abwasserentsorgung über Zwischendepots an Land. Mit Abpumpsystemen auf Rohr- und Schlauchbasis, wie sie bereits in jeder modernen Marina gang und gäbe sind.

Die Besiedlung geeigneter Wasserflächen könnte nun beginnen. „Wir haben eine Menge interessierter Firmen und Privatpersonen. „Nadelöhr sind zur Zeit aber noch fehlende ausgewiesene Flächen“, bedauert Thomsen, der künftig gerne bis zu drei Schwimmhäuser jährlich realisieren möchte. VOLKER J. BÜRCK

 

Hausbau nach den technischen Regeln des Schiffbaues mit Kentertest

Beim Wohnen noch einmal ganz neue Perspektiven erleben

 

Von Volker J. Bürck

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