Architektur 22.04.2005, 18:38 Uhr

Hightech-Bau aus Holz im Grünen  

VDI nachrichten, München, 22. 4. 05 – Auf der diesjährigen Bundesgartenschau, die vom 28. April bis 9. Oktober in München ihre Tore offen hält, gilt der Deutsche Pavillon „Biovision“ mit außergewöhnlicher Architektur und vier Themengärten als eine der Attraktionen – wie schon 2003 in Rostock. Der mehrfache Auf- und Abbau stellt besondere Anforderungen an seine Konstruktion und Materialien.

Sonne tanken, Natur und Pflanzen bestaunen: Am 28. April 2005 beginnt die Bundesgartenschau in München. Eines ihrer Highlights springt dem Besucher gleich am Südeingang ins Auge: der Deutsche Pavillon „Biovision“. Er gleicht einem Hügel, der in Streifen geschnitten ist. Sechs Holzscheiben unterteilen den Bau und bilden zugleich dessen Stützwände. Mit seiner außergewöhnlichen Architektur machte der Pavillon 2003 bereits auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Rostock von sich reden und erhielt vom Aussteller-Fachverband FAMAB den „ADAM“-Award.

Der Pavillon steht unter dem Motto „Biovision – Zukunft mit Pflanzen“. Auftraggeber des 6,1-Mio.-€-Projekts ist das Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL). „Die mehrfache Verwendung war von Anfang an Teil des Konzepts“, erklärte Dr. Hermann Stürmer vom BMVEL. Mit der erlebnisreichen Ausstellung und den Gärten werbe der Pavillon für Nachhaltigkeit bei Produktion wie Verwendung von Pflanzen. Dieses Kernthema war auch Maßgabe für das architektonische Konzept.

Bei den verwendeten Baumaterialien wurde ebenfalls auf Nachhaltigkeit gesetzt. „Die Hügelschnitte des Pavillons bestehen aus großflächigen Massivholzbauelementen“, erklärte Architekt Frank Wittmer. Das Büro Gasser|Wittmer hat gemeinsam mit der Stuttgarter Agentur Milla und Partner das Gesamtkonzept für Biovision entwickelt. Das verwendete Holz stammt aus heimischer Forstwirtschaft. Auch die übrigen Baumaterialien und die Ausstattung wurden nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt.

Mit seiner Bauweise wird der Pavillon aber nicht nur seinem Motto gerecht. „Die Architektur schafft einfach einen besonderen Ort. Und sie ist in hohem Maße kommunikativ“, sagte Projektleiter Franco Jennewein von Milla und Partner. Von außen betrachtet erinnerten die sechs Holzscheiben mit ihren geschwungenen Profilen an Silhouetten von Landstrichen.

Zwischen den Holzscheiben liegen die vier so genannten Themengärten, in denen es um Artenreichtum, biologischen Pflanzenschutz, nachwachsende Rohstoffe und heimische Hölzer geht. Sie gehen von der Ausstellung im Inneren des Pavillons fließend in die Freifläche über, wo die Besucher den thematisch zugehörigen Pflanzen beim Wachsen zusehen können. Die folienartigen Dachmembranen lassen überall das Tageslicht herein. Mit Kederschienen sind sie an den Holzscheiben befestigt und mit Kehlseilen zwischen den Wänden verspannt. Die Standfestigkeit der Holzscheiben wird gesichert durch fünf vertikale Windverbände (Stahlauskreuzungen) und horizontale Druck- und Zugstäbe, die oberhalb der Dachmembran liegen.

Um einen Pavillon zu entwerfen und zu bauen, der solch vielfältigen Anforderungen von Seiten der Ausstellungsgestaltung, der Bauweise und der Werkstoffe gerecht wird, brauche man gute Partner, so Jennewein: „Hier haben Leute mitgearbeitet, die in ihrem Fach zu den Besten der Republik zählen.“

Der Hochbau zum Beispiel lag in Händen von Finnforest Merk. Die Holzbauexperten aus Aichach haben u.a. das spektakuläre Hermes-Dach auf der Expo in Hannover angefertigt. Der Ausstellungsbau wurde von der Firma Franz Sondermayer aus München in Kooperation mit dem Metallbildhauer Christian Krebs ausgeführt. Die transluzenten Membranen stammen von der Firma Canobbio aus Italien, die für ihre Zirkuszelte und außergewöhnlichen Dachbespannungen bekannt ist.

Das Dach und die Gärten von „Biovision“ lassen sich übrigens auch von oben betrachten. Auf einer Panoramatreppe können die BUGA-Gäste den Pavillon überqueren und von der Aussichtsplattform über das ganze Gelände blicken und weit darüber hinaus. SILVA SCHLEIDER/WOP

Von Silva Schleider/Wolfgang Pester

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