Architektur 13.08.2004, 18:32 Uhr

Griechen schlagen eine Brücke in ein neues Zeitalter

VDI nachrichten, Patras, 13. 8. 04 -Über 100 Jahre suchten die Griechen nach einer Lösung für eine feste Querung des Golf von Korinth. Jetzt ist die Brücke zwischen dem armen Nordwesten des Landes und dem Peloponnes geschlagen und die Landbevölkerung hofft auf den Aufschwung.

Urlauber, die von Italien mit einer der großen Autofähren in Patras ankommen und weiter nach Nordgriechenland fahren wollen, waren bislang nach kaum 10 km Straße wieder auf Fährschiffe angewiesen. Bei mehr als 8000 Fahrzeugen täglich eine oft mit längeren Wartezeiten verbundene Prozedur. Eine Brücke wäre da hilfreich …
Der Wunsch ist alt: Bereits 1889 bat der griechische Politiker Harilaos Trikoupis griechische Ingenieure, den Bau einer Brücke über den Golf von Korinth zu prüfen. Sie sollte nahe der Hafenstadt Patras den Peloponnes mit dem westgriechischen Festland verbinden. Doch die Fachleute winkten ab: Unmöglich. Noch im Jahr 1992 hielten die Verantwortlichen der griechischen Ingenieurkammer den Brückenschlag über die fast 2,5 km breite Meerenge für unrealisierbar.
Jetzt ist die Brücke doch noch Realität geworden: Von Rion auf dem Peloponnes schwingt sie sich hinüber zur Ortschaft Antirion. Ende Mai setzte ein Schwimmkran das letzte Element des Brückendecks ein, am vergangenen Wochenende wurde es festlich eingeweiht. Mit einer Länge von 2252 m ist sie die längste Schrägseilbrücke der Welt.
Aber nicht nur die Dimensionen sind beeindruckend. „Wir hatten es gleich mit einer Vielzahl von Widrigkeiten zu tun: einer großen Wassertiefe, starken Strömungen, hoher seismischer Aktivität und einem instabilen Meeresgrund“, resümiert Jean-Paul Teyssandier, der Chef des französisch-griechischen Konsortiums Gefyra, das nicht nur für Entwurf und Bau, sondern auch für den Betrieb der Brücke verantwortlich ist.
Die Brücke ist Teil einer geplanten Nord-Süd-Achse vom Peloponnes zum griechischen Adriahafen Igoumenitsa. 771 Mio. € kostete das Projekt. Knapp 10 % davon sind Eigenkapital der Konsortialpartner, rund 45 % sind Subventionen des griechischen Staates, der Rest stammt aus dem Haushalt der Europäischen Union. Der französische Mischkonzern Vinci hat 53 % an Gefyra, die verbleibenden Anteile halten fünf griechische Bauunternehmen.
Das Erdbebenrisiko war die größte Herausforderung beim Bau der Brücke. Der Golf von Korinth liegt über einer Bruchzone der Erdkruste und wird immer wieder von starken Beben erschüttert. „Der Peloponnes bewegt sich pro Jahr um mehrere Millimeter vom Festland weg“, erklärt Teyssandier. „Das wäre an sich noch kein Problem, aber bei einem starken Beben kann sich die Entfernung zwischen den beiden Ufern ruckartig um bis zu zwei Meter vergrößern.“ Die statistische Wahrscheinlichkeit ist zwar äußerst gering, doch die Konstrukteure wollten sicher gehen.
Auch der Meeresgrund, der die vier Brückenpfeiler trägt, ist keineswegs ideal für einen Brückenbau: Er besteht bis zu einer Tiefe von etwa 500 m aus Sand, Geröll und Schlick – solche Böden reagieren bei einem Erdbeben in etwa wie Wackelpudding.
Daher lehnt sich die Konstruktion der Pfeiler an die Konstruktion von Offshore-Plattformen in der Nordsee an: Die Pylone stehen mit breiten Plattfüßen auf dem Meeresgrund. Sie haben unten einen Durchmesser von 90 m bei einer Höhe von 225 m, 160 m davon über dem Wasserspiegel. Mit je rund 70 000 t Gewicht sind es nach Angaben der Baufirma die größten Brückenpfeiler, die je konstruiert wurden. „Wir haben die Pylone trotz starker Strömungen mit einer Toleranz von wenigen Zentimetern punktgenau auf Grund gesetzt“, freut sich Teyssandier.
Die wichtigste Innovation ist nach Ansicht der Fachleute aber das Brückendeck. Es liegt nicht auf den Pylonen auf, sondern hängt an 368 aufgefächerten Stahlseilen von je 20 cm Durchmesser. „Das Deck kann daher auf seiner ganzen Länge von 2,2 km bei einem Erdbeben wie ein Pendel frei schwingen und so Energie absorbieren.“ Die gut 52 m über dem Meeresspiegel liegende Fahrbahn sei, heißt es, für ein seitliches Ausschwingen von bis zu 3,5 m ausgelegt. Die Brücke übersteht ein Erdbeben der Stärke 7, und auch Windgeschwindigkeiten von gut 250 km/h sollen dem „Koloss von Patras“, wie eine Zeitung das Bauwerk taufte, ebenso wenig anhaben können wie die Kollision mit Tankern bis zu 180 000 t.
Pro Tag werden rund 11 000 Fahrzeuge erwartet. Für die ersten fünf Jahre rechnet das Konsortium mit Vorsteuergewinnen von jährlich rund 45 Mio. € und ist zuversichtlich, bald schon eine Dividende zahlen zu können. Die Konzession hat eine Laufzeit von 35 Jahren, danach geht die Brücke in den Besitz des griechischen Staates über.
Die rund eine Million Menschen im unterentwickelten Nordwesten Griechenlands denken nicht an Dividende, sie erhoffen sich durch diese Brücke eine wirtschaftliche Belebung ihrer Region, in die bislang nicht einmal eine Eisenbahnstrecke führte. Für sie ist der Anschluss an den Peloponnes und – via Korinth – dann auch an die Hauptstadt Athen der erste Schritt in eine bessere Zukunft.gef/wip
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