Funktionelle Fassade aus Edelstahl 21.04.2014, 07:00 Uhr

Französische Stadt Bagnolet besitzt jetzt historisches und futuristisches Rathausgebäude

Das neue Rathaus der Stadt Bagnolet nahe Paris besticht durch organische Formen und verknüpft reizvolle Optik mit Funktionalität. Zur Straße hin ist die Fassade mit einer doppelten Haut aus Edelstahlgewebe ausgestattet. Diese schützt die Büros vor neugierigen Blicken und vor direktem Sonnenlicht.

Munteres Nebeneinander von Alt und Neu: Der neue Rathausbau des französischen Architekten Jean-Pierre Lott ist über eine verglaste Fußgängerbrücke mit dem klassizistischen Rathaus verbunden. 

Munteres Nebeneinander von Alt und Neu: Der neue Rathausbau des französischen Architekten Jean-Pierre Lott ist über eine verglaste Fußgängerbrücke mit dem klassizistischen Rathaus verbunden. 

Foto: Luc Boegly

Die Stadt Bagnolet bei Paris glänzt seit kurzem mit einem prunkvollen neuen Rathaus. Der Pariser Architekt Jean-Pierre Lott hat der politisch selbstständigen Gemeinde ein futuristisches Gebäude mit 23.000 Quadratmetern Nutzfläche auf dem zentralen Place Salvatore Allende gebaut. Der aufwändige Neubau liegt nur wenige hundert Meter entfernt von der Ringautobahn Boulevard Périphérie, die die Pariser Stadtgrenze bildet.

Die Gemeinde Bagnolet hatte vier städtebauliche Vorgaben für das Projekt. Der Rathausvorplatz sollte entwickelt und aufgewertet werden und zudem eine Verbindung mit dem vorhandenen historischen Gebäude geschaffen werden. Und vor allem sollte eine Fußgängerzone entstehen, die das bestehende Kino und die Geschäfte mit dem Rathaus verbindet, um das innerstädtische Gemeinschaftsleben zu fördern.

Kurvige Skulptur besteht aus drei hervorstehenden Platten

Jean-Pierre Lott entwarf für diese architektonische Herausforderung das Gebäude als kurvige Skulptur aus drei hervorstehenden Platten, die sich in ihrer Größe dem vorhandenen klassizistischen Rathaus anpassen. Dieses muntere Nebeneinander von Alt und Neu schafft sofort eine optische Verbindung zwischen den beiden sehr verschiedenen Gebäuden.

Beide Gebäude sind über eine Fußgängerbrücke auf der ersten Etage verbunden, die in den eindrucksvollen Hochzeitssaal des klassizistischen alten Rathauses mündet. Dabei öffnet sich die Bedachung vom Neubau zum Altbau hin schwungvoll nach oben.

Lamellen aus Edelstahl schützen das futuristische Gebäude vor neugierigen Blicken und vor direktem Sonnenlicht.

Lamellen aus Edelstahl schützen das futuristische Gebäude vor neugierigen Blicken und vor direktem Sonnenlicht.

Foto: Luc Boegly

Lott versteht es, das Praktische mit dem Nützlichen zu kombinieren. So schützt auf der Straßenseite eine Haut aus Edelstahlgewebe die dahinter liegenden vollverglasten Büros gleichzeitig vor neugierigen Blicken von der Straße und vor direkter Sonneneinstrahlung.

Die Fassade verfügt gleichzeitig über außenliegende Fluchtwege in Form von Metallbrücken, über die das Personal im Brandfall von der Feuerwehr evakuiert werden kann. Diese zusätzlichen außen liegenden Fluchtwege waren eine Bauauflage der Feuerwehr.

Im Inneren des modernen Gebäudes befindet sich ein großes, skulptural ausgebildetes Atrium, welches von jedem Geschoss aus sichtbar ist und dem Rathaus ein Gefühl von Einheit und Gemeinschaft geben soll. Überhaupt setzt Lott voll auf Offenheit. Am Eingang des Gebäudes begrüßt eine große offene Lobby die Besucher. Hier ist ein Ort zum Treffen und zum Klönen, hier können Ausstellungen gezeigt werden.

Die wichtigsten Dienstleistungen hat Lott im Erdgeschoss versammelt

Die wichtigsten Dienstleistungen des Rathauses hat Architekt Lott allesamt im Erdgeschoss untergebracht, während er die eher zweitrangigen Dienstleistungen möglichst weit weg von der Lobby in den insgesamt sechs Stockwerken untergebracht hat. So schafft er es, kurze Wege für die wichtigsten behördlichen öffentlichen Dienste zu schaffen und so auch die Leistungsfähigkeit des Rathauses zu erhöhen.

Im Inneren des neuen Rathauses dominieren runde Formen. Insgesamt sind 23.000 Quadratmeter Nutzfläche vorhanden. 

Im Inneren des neuen Rathauses dominieren runde Formen. Insgesamt sind 23.000 Quadratmeter Nutzfläche vorhanden. 

Foto: Luc Boegly

Auf der zweiten Etage befinden sich die Büros des Bürgermeisters von Bagnolet, Marc Everbecq. Die dritte Etage, direkt über dem Bürgermeisterbüro, umfasst die Abteilungen für Finanzen und allgemeine Verwaltung.

Projekt kostete 40 Millionen Euro

Zu den Anforderungen an das architektonische Projekt gehörte auch, dass die benachbarten Geschäfte und ein Kino über eine Fußgängerzone an das Rathaus angebunden werden und so das öffentliche Leben in der französischen Stadt mit gut 34.500 Einwohnern weiterentwickelt wird. Eine ehemalige Straße wurde dafür rückgebaut und an der Gebäudeseite Terrassen und Terrassengärten angelegt, die Nutzer und Nachbarn des Rathauses erfreuen sollen.

Insgesamt verschlang das Projekt des Rathaus-Neubaus 20 Monate Arbeit und kostete 40 Millionen Euro. Nicht alle Bürger der Stadt, die sich selbst gerne Bagnoletais nennen, sind froh über ihr neues futuristisches Rathaus. Denn dieser Bau hat dazu geführt, dass Bagnolet jetzt eine der am höchsten verschuldeten Städte der Französischen Republik ist.

Von Detlef Stoller
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