Imtech in Insolvenz 07.08.2015, 10:36 Uhr

Flughafen BER droht nach Firmenpleite weitere Verzögerung

Dem Großflughafen BER Berlin-Brandenburg droht eine weitere Bauverzögerung: Mit Imtech ist eine wichtige Baufirma in die Pleite gerutscht. Der Ingenieursdienstleister ist für Verkabelung und Entrauchung auf der Großbaustelle zuständig – zwei der Bereiche, bei denen es schwere Pannen gab.

Hauptterminal des Hauptstadtflughafens BER mit Tower im Hintergrund: Wenn die Imtech-Mitarbeiter ihre Arbeit in Schönefeld einstellen, steht das Projekt vor weiteren, großen Problemen.

Hauptterminal des Hauptstadtflughafens BER mit Tower im Hintergrund: Wenn die Imtech-Mitarbeiter ihre Arbeit in Schönefeld einstellen, steht das Projekt vor weiteren, großen Problemen.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Vor drei Jahren sollte der Flughafen in Berlin-Schönefeld eröffnen. Fünf Jahre Verzögerung und eine Kostenexplosion von einer auf wahrscheinlich 6 Milliarden € sind schon jetzt sicher – und nun das. Der Baudienstleister Imtech, beim Bau für technische Bestandteile wie Heizung, Sanitäranlagen und Lüftung zuständig, hat Insolvenzantrag gestellt. Die Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH prüft die Folgen. Dass es welche geben wird, scheint unausweichlich.

Imtech Deutschland, Tochter eines niederländischen Mutterkonzerns, will zwar den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten. Die Aufträge liefen weiter, auch Löhne und Gehälter seien bis Oktober gesichert, teilt das Unternehmen mit. Imtech bräuchte aber dringend sehr zahlungskräftige Investoren. Auch die Muttergesellschaft steckt in Schwierigkeiten.

Imtech soll gezielt Bauprojekte verzögert haben

Außerdem dürfte das Vertrauen der Verantwortlichen am BER in Imtech ohnehin nicht mehr allzu groß sein. Die Berichte über gezielte Verzögerungen und massive Nachforderungen seitens der Firma häufen sich, Staatsanwaltschaften ermitteln, und die Wochenzeitung „Die Zeit“ spricht sogar offen von einem kriminellen Geschäftsmodell, das eine Reihe von Insidern bestätigt hätten.

Imtech hat demnach die in der Baubranche nicht unbekannte Neigung ins Extrem gesteigert, mit Stillstand Geld zu verdienen, indem man Zeitdruck erzeugt und den Bauherrn mit Nachforderungen überzieht. Inwieweit die Vorwürfe zutreffen, und ob diese Vorgehensweise auch beim Großflughafen für die Verzögerungen mitverantwortlich war, bleibt noch zu klären.

Flughafengesellschaft sieht Bau aktuell im Plan

Sicher scheint dagegen: Wenn die Imtech-Mitarbeiter ihre Arbeit in Schönefeld einstellen, steht das Projekt vor weiteren, großen Problemen. Der damals noch amtierende Flughafenchef Hartmut Mehdorn soll laut Zeit im Frühjahr gesagt haben: „Wir dürfen Imtech auf der Baustelle nicht verlieren.“ Schon zu jener Zeit hatten sich die massiven Finanzprobleme des Unternehmens angedeutet.

Firmenzentrale Imtech Deutschland in Hamburg: Der Baudienstleister hat Insolvenz angemeldet und sucht händeringend nach zahlungskräftigen Investoren.

Firmenzentrale Imtech Deutschland in Hamburg: Der Baudienstleister hat Insolvenz angemeldet und sucht händeringend nach zahlungskräftigen Investoren.

Foto: Imtech

Mehdorns Nachfolger Karsten Mühlenfeld kommentiert den Vorgang bislang nicht. Die Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH hat in ihrem jüngsten Sachstandsbericht von Mitte Juli noch ein positives Bild der Bauarbeiten gezeichnet, die aktuell im Plan seien. So sei die Sanierung der Hauptverkabelung abgeschlossen. Die ursprüngliche Verkabelung war wegen unzulässiger Überbelegung von Trassen, handwerklich mangelhafter Verlegung sowie kritischer Wärmeentwicklung nicht genehmigungsfähig, wie es in dem Bericht formuliert wird.

Alter Flughafen Schönefeld bleibt noch lange in Betrieb

Obwohl absehbar ist, dass die geplanten Kapazitäten am BER nicht reichen werden, will die Flughafengesellschaft den Bau des BER nicht durch weitere Umplanungen nochmal verlängern. Deshalb beschloss der Aufsichtsrat jüngst, dass der alte Flughafen Schönefeld noch fünf Jahre nach Eröffnung des neuen Airports in Betrieb bleiben soll. Die ist aktuell für das zweite Halbjahr 2017 geplant. Wenn nichts mehr dazwischenkommt.

Der BER ist übrigens nicht das einzige Großprojekt, das durch die Imtech-Pleite in Schwierigkeiten kommen könnte. Laut Zeit ist das Unternehmen unter anderem auch am Neubau für den BND in Berlin und einem Operationszentrum der Uniklinik Düsseldorf beteiligt. Imtech selbst äußert sich über die nüchterne Mitteilung der Insolvenz hinaus bislang nicht.

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