Architektur 27.07.2001, 17:30 Uhr

Die neue Frankfurter Welle

Ihre neue Halle 3, 210 m lang, 130 m breit und 45 m hoch, geplant vom Londoner Architekten und Industriedesigner Nicholas Grimshaw, ist nach 18 Monaten Bauzeit fertig geworden. In Betrieb genommen wird der 250 Mio. DM teure Bau im August.

Frankfurt ist einer der größten Messeplätze Europas, was sich in stetig steigender Standflächennachfrage niederschlägt. Daher wollte die Messe ihre neue Halle unbedingt noch vor der IAA 2001 in Betrieb nehmen.

Größtmögliche räumliche Effizienz zu schaffen ist das Credo des Londoner Architektenteams um Nicholas Grim­shaw. Diesem Grundsatz folgten die Planer auch bei der neuen Frankfurter Messehalle: rund 38 000 m2 zusätzliche Ausstellungsfläche bietet das doppelstöckige Gebäude, das von einem 165 m langen Dach stützenfrei überspannt wird. Die Halle ist, so die Architekten, der größte stützenfreie Raum Europas. Auffällig an der neuen Halle ist das markante Dach. Ungewöhnlich auch seine Konstruktion: Konzipiert ist es als integriertes Flächentragwerk.

Die wellenförmige Dachform orientiert sich am natürlichen Kraftfluss. Dementsprechend wächst die Wellenhöhe vom seitlichen Auflagepunkt zur Feldmitte mit der maximalen Beanspruchung. „Die repetitive Form hat aber auch ganz praktische Gründe“, erklärt Jean-Luc Milis, vom Büro Nicholas Grimshaws, „dadurch mussten nur sechzig verschiedene Paneltypen gefertigt werden, was die Herstellungskosten verringerte.“

Fünf Druck- und sechs Zugbögen aus Stahlrohr mit unterschiedlichem Durchmesser bilden das Tragwerk, die Unterschale besteht aus Trapezprofilen. Durch seine wechselnden Radien wirkt das Dachgewölbe leicht und filigran. Eingedeckt ist es mit einem Aluminium-Stehfalz-System, im sogenannten Kalzip-Verfahren: Dabei werden auf das Trapezblech vor dem Aufbringen der Dämmung Klips montiert. Auf ihnen werden Profiltafeln mit Stehfalz, sogenannte Bördel, eingerastet.

Im Reißverschluss-Verfahren werden dann diese Bördel mit einer speziellen Maschine „zugefahren“. Die flexible Verarbeitung bei diesem Verfahren erlaubt dem Planer vielfältige gestalterische Freiheiten, fast alles ist möglich: konkave, konvexe, konische Formen genau so wie gerundete Ecken. Und leicht ist der Werkstoff Aluminium auch: Die Dachkonstruktion wiegt „nur“ 3000 t, so war es möglich, das obere Geschoss stützenfrei zu überspannen und somit optimale Nutzungsvoraussetzungen für eine Messehalle zu schaffen.

Je weniger Strukturelemente für eine umfasste Fläche benötigt werden, desto effizienter ist das Gebäude, lautet die Grimshaw“sche Rechnung. „Das Dach ist so schlank wie möglich, aber dennoch multifunktional konzipiert“, erläutert Jean Luc Milis. Da die Tragkonstruktion sehr nahe an der eigentlichen Dachschale liege, könnten die Kräfte direkt in die Tragstruktur eingeleitet werden.

Die geschwungenen Formen des Dachinneren wiederum maximieren die akustische Absorption. Die Stahlröhren sind zur Hälfte von der Dachhaut bedeckt, damit sich kein Staub auf ihnen absetzten kann – bei der Hallengröße durchaus kein profaner Aspekt. Die in der Dachkontur beidseitig integrierten Oberlichter erübrigen zusätzliche Verschattungseinrichtungen und lassen Tageslicht tief in das Gebäudeinnere dringen.

Nach Angaben des Londoner Architektenbüros sei das Dach einerseits niedriger als eine konventionelle Architektur, so das weniger Luftvolumen aufbereitet werden müsse, anderseits begünstige das relativ große Volumen in der Höhe die Steuerung der Luftströme.

Dass die Klimatisierung von Messehallen schwierig sein kann, ahnt wohl jeder, der schon einmal im dichten Gedränge der Messebesucher steckte. Doch auch klimatechnisch soll die Messehalle 3 Besonderes bieten: „Wir kalkulieren mit einer Kühllast von 200 W/m2 „, erläutert Dr. Peter Vogel, von der Firma Gebäude-Technik-Dresden „eine großzügige Kalkulation hinsichtlich Personendichte, Beleuchtung der Technikbrücke und technischer Ausstattung. Trotz der Raumhöhe von 11 m bis 15 m erfolgt die Klimatisierung als Umluftkühlung auf Basis von Induktionsgeräten, die vorbehandelte Frischluft in den Raum bringen.“ Das Einbringen der Primärluft dient als Antrieb für die Umluftkühlung, bei der Raumluft über den Wärmetauscher geführt und gekühlt wird und zusammen mit der Primärluft in den Raum gebracht wird: „Dadurch gelingt es uns, vier Fünftel der Luftmenge direkt im Raum zu kühlen, was weniger aufwendig ist. Nur ein Fünftel muss zentral aufbereitet werden,“ so Vogel.

Simulationsrechnungen zeigten thermische Behaglichkeitsfelder, die im Rahmen eines 1:1-Versuches in einer der bestehenden Messehallen überprüft und bestätigt wurden. Bei einem thermisch behaglichen Klima ist der Anteil unzufriedener Personen nicht größer als 10 %. Aber nicht nur praktisch und behaglich, sondern auch schick ist die Halle, verkündete jedenfalls Michael von Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt: „Mit der zeitlosen Eleganz dieser Halle bringen wir eine neue Form der Ästhetik nach Frankfurt“.

Angesichts der Tatsache, dass das Messegelände in Frankfurt jetzt 321 000 m2 Hallenfläche und 90 000 m2 Freifläche bietet, werden sich sicher einige Messebesucher wünschen, dass die Aussteller sich auf die Präsentation von Novitäten beschränken müssten – trotz der schönen neuen Halle.
C. RADWAN/W. PREISS

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